Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1883)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1883-09-20
- Page
- 669 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933034--13586-2954250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M 38. Jeschururi. 669 Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ^Hannover, 18. September. In vergangener Woche reiste der in dem Tisza-Eszlarer Prozesse angeklagte Hermann Wollner mit seiner Familie hier durch, um sich nach Amsterdam zu begeben. Möge es dem schwer geprüften Manne gelingen, sich eine neue Heimath und eine gesicherte Existenz zn gründen. — Das bisherige Resultat der in den Provinzialgemeinden stattgcsundenen Landrabbiuerwahl ergiebt für Herrn vr. Gronemann zu Danzig schon 28 Stimmen. Dieselben bilden bereits die Majorität, da im Ganzen 51 Wahlstimmen vorhanden sind. Das Votum der auf den 8. Oktober angcsetztcn Wahlhandlung ist somit bereits für den Genannten entschieden. :: Aus dem Stadischcn, im September. In dem heftigen Kampfe, welcher in dem Lande Hadcln um den Besitz des erledigten Parlamentsmandats zwischen den politischen Parteien entbrannt ist, hat ein sich unter der allgemeinen Bezeichnung ״ein Grundbesitzer" bergender Patriot es für gerathcn gehalten, zur Empfehlung des auch von dem berühmten Herrn von Bennigsen :11 seinem Machfolger als Abgeordneten dcsignirten Hofbesitzet׳ Hotteudorf den Gegnern desselben, den Fortschrittlern, u. A. auch vorznwerfcn, daß sie derjenigen Partei angehören, ״welche die Gleichberechtigung der Juden ans ihre Fahnen geschrieben." Also zn lesen in dem ״Otterndorfer Wochenblatt" vom 1. September, derselben Nummer, in welcher des Sedantagcs als eines nationalen Festes gedacht wird, das die Einigung aller Stämme in ihrer Selbstständigkeit und Eigcnthümlichkeit bewirkte, eine Einigung, die die Bürgschaft für das Heil und Gedeihen und den Frieden leistet. Aber in dem kräftigen und gesunden Geschlechte, welches in den Marschen und an den Mooren haust und aus seine Freiheit stolz ist, findet ein solches Wort engherzigster und ungerechtester Gesinnung keinen Beifall, und Herr Hottcndorf fand es im Interesse seiner Kandidatur für geboten, in Nr. 106 desselben Wochenblatts zu erklären, ״daß er mit den reaktionären Tendenzen des Artikels in Nr. 104 nichts gemein habe." Die Herren Antijemiten irren sich, wenn sie wähnen, unser tüchtiges Bauernvolk für ihre verwerflichen Zwecke zn gewinnen. Sie finden hier einen andern Menschenschlag, als in Rußland und Ungarn. s Dortmund, 13. September. Ein Funken der in anderen Gegenden geschürten Iudenhetze ist in unserer Stadt niedergefallen und hat in dem Herzen eines Strümpfe webenden wackcrn Mannes, des Herrn Kaiser, die heilige Flamme des Antisemitismus entzündet und er hat sich ermannt und seine Strümpfe in Stich gelassen, um seine Mitbürger mit antisemitischer Kost reichlich zu,versorgen. Seinen Bemühungen in der Fabrikation von jndenfeindlichen Artikeln dürste es wohl znzuschreiben sein, wenn wir hier einige Krawalle gegen jüdische Gewerbetreibende erlebt haben. Man sürchtet deren Wiederholung und wagt sich am Abende kaum ans die Straße hinaus. -!׳- Heidelberg, 16. September. Es hat sich hier kürzlich ein ״antisemitischer Verein" gebildet. Sollte man dieses für möglich halten in Heidelberg, der Stätte der Wissenschaft und Bildung, welche wegen ihrer lieblichen Lage außerdem alljährlich von einer stattlichen Anzahl Touristen nicht nur besucht wird, sondern auch vielen Frenlden zum bleibenden Wohnsitze dient? Da sollte doch hier ein besserer, freierer, vorurtheilSloscr Geist in der Bürgerschaft herrschen. Oesterreich-Ungar n. * Lemberg, 9. September. In Folge der umsichgrcifeudcn antisemitischen Bewegung ist, wie die ״N. Fr. Pr." meldet, die hiesige Handels- und Gewcrbckammcr von der StaUhalterci in einer Zuschrift aufgcfordcrt worden, die Zünfte und Innungen anzuweisen, dieselben mögen für die angemessene lieberwachnng der Handwerksgesellen und Lehrlinge Sorge tragen. -r- Prag, 11. September. Gestern traf aus Bra ndeis die Nachricht ein, laß man dort auf Unruhen gefaßt sei. Bis jetzt ist es allerdings nur zum Affichiren von Hetzartikcln an allen Straßenecken gc׳ konnnen. Thätlichkeiten fanden nicht statt. x. Krakau, 12. September. Ans Lodz und Warschau wird gemeldet, daß auch in diesen beiden Städten, bis jetzt allerdings Dank des wachsamen Auges der Polizei ohne Erfolg, die antisemitischen Agitatoren eine rege Thätigkeit entfalten. — — Bei uns hat ein unbedeutender Indcnkrawall von Seiten halbwüchsiger Buben stattgefnnden. *||* Pest, 10. September. Nunmehr hat der . Vertreter der Privatklägcrin im Tisza-Eszlarer Prozeß ossiziell die Berufung eingelegt. Der Inhalt der Appcllationsschrift ist selbstverständlich: Vorwürfe gegen Staatsanwalt und Lenhcidiger, Behauptungen von erkauften Zeugen, ungenügender Motivirung des Urthcits, unschuldig vergossenem Blut, Anrufung des Gerechtigkeitssinns der Kgl. Tafel rc. 2c. 11. Prcstburg, 13. September, lieber die seinerzeit wegen Bctheilignng an den Lanschützer Exzessen gegen die Inden in erster Instanz Vcrnrtheiltcn wurde dieser Tage in zweiter Instanz vor der Kgl. Tafel verhandelt, wobei dieselben nicht so gelinde mehr wegkamen, indem der Hauptangeklagte statt der früheren , 9 Monate nun inehr 3 Jahre, die Uebrigen ebenfalls