Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1883-09-20
- Page
- 657 (sequence 2)
- Language
- German
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057 ifractitcn, und führen daS גלות mit seinen Martern! nnd Qualen herbei; — ja. ein im Amte ergrauter! Rcforinrabbincr schenke es nicht, in einem ungarischen! Lokalblatte offen nnd nnumwunden auszusprechen, daß, > ״wenn alle ungarisch-jüdischen Gemeinden daö Kongreß-! slatnt angenommen und nach diesem sich konslituirt hätten, so würde der Antisemitismus in Ungarn keinen : empfänglichen Boden gefunden haben." — (3m Sinne der jüdisch-orthodoxen Morallehrc heißt ein solcher AuSsprnch, und zumal ans dem Munde oder der Feder eines Rabbiners, eine ״Meßirah", zu deutsch eine Denunziation! —) ES begann nun eine hochgradige MagharisirnngSwuth. Biele Tausende inagyarisirtcn ihre und ihrer Kinder Namen. Der Minister des Innern beförderte dies patriotische Werk, indem er die Taxe von 5 Gulden auf 50 Kreuzer herabsetztc. — Die Antisemiten, welche zu ihren verderblichen Zwecken alles auSbeuten, machten hierauf den Witz: ״cS seien dies 50 Kreuzer-Ungarn!" Doch man beachtet solche kindische Nörgeleien nicht, ignorirt sie vornehm und die Rubrik ״NamenSverändcrung" ist stereotyp geworden und fehlt an keinem Tage im ungarischen Amtsblatte. (Und merkwürdig! den ungarischen Magnaten, Pfaffen, Abgeordneten re., welche echt deutsche Namen tragen, ja selbst den königlich ungarischen Ministern Tröfort und Panter kommt eS gar nicht in den Sinn, ihre Namen zu magyarisiren, nnd ihre patriotische Gesinnung erleidet darum keine Einbuße und wird auch von Niemand in Zweifel ge- Zogen.-—) Doch dagegen kann man selbst vom orthodoxesten Standpunkte nichts einwcnden, und wenn aucl) unter den שלשה דברים, welche die Erlösung Israels aus Egypten beförderten, eines ist על שלא שנו את ש*מם סן ist dies nicht so ganz buchstäblich zu nehmen; es liegt denselben vielmehr eine tieferer Sinn zu Grunde; sie haben nämlich nicht verändert, nicht aufgegeben den Ehrennamen ישראל, im Drucke selbst kämpften sie für die GotteSidce, strebten vielmehr der Anerkennung des Einic^Einzigen imitier mehr Geltung, immer größere Kreise zu verschaffen. Aber nicht nur im Familien-, sondern auch im Gemeindclcben grassirtc das hitzige MagharisirnngSfiebcr. Hier iitangurirtc man die Synagogalvcrkündigungen in ungarischer Sprache, dort einen ungarischen הנותן תשועה, noch anderswo die ungarische Predigt und dergleichen mehr, und nicht selten geschahen solche ״Einführungen" auf Kosten des GemeiudefriedenS. So berichteten vor wenigen Monaten die Tagesblätten, daß es in S. a. Ujhely in Folge der dort proponirtcu Magyarisirnngen in der Synagoge zu argen Konflikten kam, so daß der dortige allgemein verehrte Rabbiner Elafar Löw sogar dcmissionirtc. (Natürlich hat die Gemeinde, die im Eifer des konsequenten Festhaltens an übernommene Traditionen crstossene Denlission nicht angenommen.) In einer anderen Gemeinde war der Rabbiner- Posten vakant, und in der Ausschreibung forderte man von den Reflektanten Tüchtigkeit in der ungarischen Sprache. Biele Rabbiner, welche die Zustände und Bcrhältnissc dieser nichts weniger als ungarisch gebildeten Gemeinde kannten, konkurrirtcu auf den ausgeschriebenen Posten, wenn sie auch mit der ungarischen Sprache auf nicht besonders vertrantem Fuße standen und jeder dachte bei sich: ״für X. bin ich Ungar genug! — Doch cs war ein falscher Kalkül, die Gemeinde zu £. forderte die zur Probe berufenen Konkurrenten auf, auch einen ungarischen Bortrag zu halten; nnd indem die Gemeindcmitglieder (wohl nicht ans purer Bcschcidcuhcit) ihren: eigenen Urtyeile nicht trauten, wurden nichtjüdische Honoratioren, welche tüchtige Kenner der ungarischen Sprache sind, geladen, damit diese ihr gewichtiges Urthcil über die Qualifikation deS Bewerbers abgaben. — Und so geschah cS auch; Derjenige, dessen ungarische Predigt dein christlichen Advokaten an: besten zugesagt, wurde von der jüdischen Gemeinde Zu X. zum Rabbiner akzcptirt. — Dieses Kuriosum karaktcrisirt zur Genüge die blinde MagyarisirnngSsncht. — Und nicht nur in Namen und Wort, sondern auch in Schrift giebt sich der rege Magyarisirnngseifcr kund. Die jüngste Zeit hat eine ganz neue Literatur, nämlich eine ungarisch-jüdische Liturgie zu Tage gefördert. Wir haben nunmehr ungarische י חומשים ,סדורים ,מוזזורים תחינות re.-- (sehr willlschenswcrth wäre eö, wenn berufene orthodoxe Schristgelehrte eine korrekte ungarische Uebersetzung der Bibel oder zum mindestens des Pentateuch zum Gebrauche für Schulen besorgen und heranSgebcn würden); und unseren magyarisirungslustigen Helden ist das שמע ,בבל לשון שאתה שומע zum Markstein geworden. OLchluß folgt.) Zur in IJiiprii. *||* Pest, 13. September. 31t dem wettberüchtigten Zalacr Komitate ist nun so zientlich die äußere Ruhe wieder hergestcllt. Wenn auch noch hie und da sich etwas regt, so wird jedoch durch schnelles Einschreiten des Militärs das Fünkchen verhindert zum Feuer zu werden. Die Untersuchung dort ist im vollsten Gange, und zwar unter persönlicher Leitung des OberstaatsamvaltS Koszma. Man ist auch schon einigermaßen den eigentlichen Rädelsführern auf der Spur. Eine Anzahl derselben, als Schullehrer. Richter, Notare rc. ist schon verhaftet; besonders wichtig ist die Berhastung