Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1883)
- Article
- Die Gladiatoren
- Date
- 1883-09-13
- Page
- 636 (sequence 2)
- Language
- German
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(m Bott gier'gcr ־Spannung reckt das Bolk die Hälse, I Tie Augen glüh'n, vor 'Jicn^icr pocht das Her; — Au5׳ Afrika ja wilde Bestien kamen Zmn Kampf der Klaue gegen scharfes Er;. Auch neue Kämpfer sott mau heute schauen, Bon! tapsern Volk aus weitem Jordanlaud, Das ja so oft den Römer schon 'oe;wuugen Im Streite, der um Zion war entbrannt. — — In dunklem Räume unter der Arena, Bon starken (Gittern, Mancru eingeengt. Harrt auch auf den Beginn des wilden Kampfes Ein kleines Häuslein — dicht zusammgedrängt. Doch sind's nicht Jubel-, nicht der Freud' Gefühle, Die cs beherrschen in dem Augenblick, — Mt Schmerz und Trauer denkt es, überwältigt, An seines Volks — au's eigne Todsgcschick; Wie einst erstrahlt in Pracht und heil'gem Glanze Die Gottessladt mit Gottes heil'gcr Zinn' — Ein Bolk von Priestern sollte Gubal) werden — Doch wurd' cs gegen Gott zur Sünderin. Es sollt' das Licht von Zion aus erstrahlen Ein wüster Aschcnhanfe ist es noch; Es sollt' durch Gott c s L c h r' die Welt b c h c r r s ch e n — Und trägt des Götzendieners hartes Joch. Zum Feste sah man drcintal sich vereinen Gau; Israel zu Gottes Ehr' und Preis — ')Ran sah beim Passahlamm, in Snlkoth sitzen Zusammen einst der Freunde trauten Kreis — Und h c u t'? — heut' soll zum blnt'gcn Todeskampfc Der Freund die Waffe führen gegen Freund, Er sott die Brust;um Todesstoß dem bieten, Mit dem in Liebe er bis jetzt vereint. Ein zages Flehen dringt von Aller Lippen, Ein Fleh'n zu Gott im bangen Augenblick, Sie wenden thränenvoll zu Gott das Auge Mit trübem, angsterfülltem Sehmerzensblick. Doch einer spricht und Alle lauschen schweigend: ״Hört, Brüder! ׳)Ummer darf zu blut'gcm Streit Der Freund dem Freund begegnen mit der Waffe — Drum seid zu mciuem ׳Rathc jetzt bereit! Es sott im Kampf' dem Gegner willig bieten Der andre seine Brust znm Todesstoß; Die eigne Brust soll jener daun durchbohren! — Laßt uns bestimmen jeden durch das z!oos." ״Wir sind bereit!" crschallt's aus Aller Munde, — Ein jeder jetzt sein Todcsloos sich zieht. — Es hat nicht Bortheil einer vor dem andern — Sie alle sterben — alle lebeirsmüd'.- Da tönt ein Brausen durck's Amphitheater — Das weiße Tuch hebt jetzt der Liktor auf — Die Kämpserpaarc schreiten sinsier, düster In die Arena langsam jetzt hinauf. Es staunt das Bolk ob solcher Krastgestalten, Wie schlank und sehnig sich ihr Körper dehnt — Bewundernd ihrer Arme starke Muskeln — — D a s sind die Krieger, derer sic gehöhnt! Ein solches Bolk, so fest und so entschlossen, Vermocht' cs freilich, auf so lauge Zeit Den Römerschaareu Widerstand zu leisten Im hest'gen, blutigen Bernichtnngsstreit. — Der Kamps beginnt — doch Wunder ist zu schauen, Wie ans ein Zeichen fallt von jedem Paar Der eine — und der andre stößt die Waffe Jn's eigne Herz — so stirbt die ganze Schaar. Doch zwei noch leben — aber nicht zum Kainpse Sicht man sie eilen — nein! denn Arm in Arm Umschlungen stehen beide unbeweglich — Vergeblich ruft znm Streit des Volkes Schwarm. Zwei Brüder sind's — nicht könnt' der ein' durchbohren Die Brust des andern — nicht der andre ihn — Es könnt' sie nichts zum Todesstoß betvegen, Das Schwert znm Mord des Bruders je zu ziehn. — ״Reißt ans einander sie — sie sollen kämpfen!" Schreit der Tyrann in Heller Zoruesglnth — Die ersten Paare halten ihn betrogen Um seine Lust an wilder .Kampfcswuth. Sic kämpfen nicht •— Da rufet laut die Menge: ״Werst sie den Löwen vor — ein guter Fraß!" — Da tritt der eine Bruder ohne Zagen Hin vor das Volk, das tobt in Zorn und Haß: ״Uns schreckt nicht euer Drohen, stolze Römer! Wir gehen willig in den sichern Tod — Doch Einer lebt, dess' Strafgericht euch schrecke, Des hcil'gen Volkes ew'gcr, ciuz'ger Gott! Wenn wir auch sterben, Er wird für uns leben, Bewahret Jndah vor dem Untergang — Doch Dir, der Herrscherin der ganzen Erde, Wird einst nicht tönen mehr der Jnbclsang. Du, stolze Noma, wirst einst uiedersinkcn, Eäsareuglauz stirbt in Vergessenheit, — Doch Jndah lebt — ein Höh'rer wird cs schützen — Wird blühen wieder einst in Ewigkeit!" —־ Die Menge schweigt — da öffnen sich die Pforten; Es stürzt herein ein wildes Löwenpaar — Es reißt zu Boden jetzt die beiden Brüder — Die Letzten starben von der Fechterschaar.