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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 623

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Lipto-Sz-Miklos [Nachricht]
Date
1883-09-06
Page
623 (sequence 2)
Language
German
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623 auch den Lesern dieses geschätzten Blattes vortheilhaft bekannten 'Werkes "הסדריך talmudische Chrestoiuathie für den ersten Unterricht im Talmud", welches derselbe im Vereine mit seinem altern Bruder, Herrn % Singer, Bezirks-Rabbiner in Var-Palota, versagt und heranSgegebcn hat. — Wir danken Gatt dafür, dag er unsere Gemeinde mit einem vorzüglichen יזדחיך bcglückte, und ersehnen die Stunde seines Einzuges in unsere Mitte, wo wir Alle ein inniges und aufrichtiges ברוך הבא ihm entgcgenrnfen werden. 8. B. Neutra, 18. August. Line erhebende und aus das religiöse Gefühl erweckend wirkende Handluug, zu.welcher gestern שבת ק׳ ס׳ ואתחנן ein großer Theil unserer Gemeinde erschienen war, verdient zur Kcuntniß eines weiten Kreises gebracht zu werden. Lines der wohlhabendsten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Max Hirsch, ließ sich, eingedenk des GottcS- Wortes: ועתה בתבו לבם את השירה הזאת eine ספר תורה unfertigen, deren feierliche Einweihung. gestern stattsand. Erfreulich ist die Thatsache, daß Herr Hirsch diesen rein religiösen Akt die Gestalt eines Familienfestes annehmen ließ, zu welchem Mitglieder dcS Hauses aus fernen Gegenden hcrbeikamen. Hiermit bezeugte der genannte Herr, daß er die Freude mit der Thora jener gleichstellt, welche den theuersten Ereignissen des Menschen zu entspringen pflegt. — In Anknüpfung an diese meine Zeilen gestatten Sie, geehrter Herr Redakteur, daß ich Ihnen auch über ein anderes hier vorgekommeneS Faktum berichte, welches wohl minder erhebend ist als das erste und noch dazu ein klein wenig auch in die lokale eltronigne ^enucknIenLe; hinüberliebäugelt, dafür aber um so ergötzlicher, zumal in dem Histörchen ein ״geistlicher Herr" — in Wien, Mariahilf, sagt man, hält er die beuchte der Reformation hoch, deren allein seeligmachcndcr Schein schon manches der ihn! anvcrtrautcn Schafe, ihn aber vor allen anderen Schafen total gcblcitdet haben soll — eine sehr karaktcristische Nolle spielt. Hierorts hat sich nämlich vor kurzen! ein ausschließlich von jüdischen jungen Leuten besuchter Lesevcrcin gebildet, der ans mannigfach zusammengewürfelten Elementen besteht. Diese Woche nun, ein Tag nach dem 9. Aw, ließ sich ein junger Mann einen schwarzen $afjce geben und goß ein Gläschen Nun! hinein, was, wie er zu einem BereinSgcnoffen bemerkte, ein gnteS Nemedimn gegen Magcnbcschwerdensein soll, dcrenglcichen er sich gestern durchs leidige Fasten zngczogcn hat. Item, bemerkt hierauf ein drittes ehrsaines Mitglied, ist das leidige Fasten in den heutigen humanen Zeiten eine viel zu grausame Einführung, welcher ein jeder aufgeklärte Mensch die verdiente Nichtbeachtung entgcgcnbringen müsse, umsomehr, sintemalen der erwähnte ״geistliche Herr", der, als er vor Kurzem hier weilte, den Verein mit seinem Besuche beehrte, das amtskräftige Gutachten abgegeben hat, daß nicht nur das Fasten überhaupt völlig sinnlos sei, sondern cS sei sogar das althergebrachte Genießen von ungesäuerten, gcschmack׳ und sormloscn Teiglappcn am Passah nichts Anderes, als ein abzuschaffcudcS Ucberblcibscl einer Mittelalterlichen Zeit horrender Verwilderung und Entartung von Kunstsinn, Geschmack und feinen! Gescllschastston! — So der ehrwürdigste Herr Geistliche ans Mariahilf! — Daraufhin versetzte ein viertes ehrbares Mitglied, daß die Behauptung dcS chrsaincn Mitgliedes Nr. 8 eine Lüge sei. Was folgt? Schreckliche Indignation des besagten Mitgliedes — dasselbe war auch im Rechte, denn der ״geistliche Herr" soll, wie niir von verschiedener Seite versichert wurde, wirklich so gesprochen haben — Austritt desselben aus dem Vereine und augenblickliche Forderung ritterlicher Genugthuung. Die Ehrensache befindet sich noch in der Schwebe. Zu bedauern ist cs, daß auch Juden sich nicht eutblöden, sich zu einer lächerlichen Rolle in einer Duellkonrödie hcrzugebcn, mit der bei uns in Ungarn, wie bekannt, ein so auSgcbreitetcr Unfug getrieben wird. W. Prag, 29. August. Gestern Vormittag wurde in den hiesigen VerlagShandlungen eine weitere Brochüre dcS Universitätsprofessors Di׳. A. 91 ohling: ״Polemik und Menschenopfer des NabbiniSmus, Paderdorn. Verlag der BouifazinS-Drnckerci I. W. Schröter. 1888. Druck der Eyrill-Methudäischen Druckerei in Prag", mit Beschlag belegt. Für diesen nie geahnten, enormen und rapiden Absatz muß sich Freund Rohling ausschließlich bei den! Herrn S. Kohn, Verfasser von ״Gabriel", bedanken. Möchte doch Herr -Kohn einen solchen Absatz auch für den Verfasser selbst bewirken! Prestbnrg, 3. September. In Veranlassung der bevorstehenden Wahlen hat sich hicsclbst ein Verein koustituirt, welcher unter dein Vorwände, die Katholiken Preßburgs zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen zu vereinigen, nichts anderes bezweckt, als was gar manche andere derartige Vereinigungen mit ausgesprochen konfessionellen! Karakter bezwecken: geharnischtes Vorgehen gegen die Semiten. •j|* Pest, 30. August. Die Drohungen, welche während der. Nyircgyhazacr Verhandlung auSgesloßen wurden, haben sich in schrcckencrregcnder Weise verwirklicht; dem Siege der Wahrheit und des Rechts sind die Ausbrüche eines tödtlichcn Hasses, einer racheschnaubenden Wuth auf den! Fuße gefolgt. Man kann darüber jetzt nicht mehr im Zweifel sein: ein schuldig! über die Märtyrer von Tisza-Eszlar wäre daS Signal! zu einer vollständigen Vernichtung der Juden in Ungarn! gewesen; bevor noch die Regierung Zeit gehabt, ihre Macht zu entfalten, würden eine Viertelmillion Inden I erschlagen worden sein. Denn wenn es unter dem

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