Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1883)
- Article
- Deutschland : aus Bayern [Nachricht]
- Date
- 1883-09-06
- Page
- 622 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KorrcsMdcllzcil 1t!1b Nachrichten. Deutschland. * Bayern, 2. 2־:eirfem&cr. Bei einer §chössengerich! s si tz u ng in einer größeren Stadt Äaierns fal) der ji'tr den christlichen Angeklagten ptaibircubc jüdische Rechteanwalt sich veranlaßt, einen Belastuugs-;engen eingehend;n ingniriren. Der Vorsitzende Amtsrichler verslieg sich darob, wie die ״Frankfurter Ztg." meldet, zu der Bemerkung: ״Herr Anwalt, Sie glauben wohl, den Mori; Scharf vor sich zn haben'?" Der Anwall erwiderte darauf: ״Rein, aber ich glaubte vor einem bayerischen Gerichte zu plaidiren, jetzt sehe ich aber, daß ich mich in Ungarn befinde." Auf eine Bemerknng zu diesem Borgange dürfen wir wohl verzichten. X. München, 24. August. Bei der gestern Abend in dem kleinen Saale der ״Renen Welt" stattgehabten Konstituirung des ״Allgemeinen katholischen Volksvereiu München" hielt es einer der 15 Vertrauensmünner, -Herr Kaufmann Stepple, der Oeffentlichkeit gegenüber zu betonen für nothwendig, daß die in den Statuten geforderte ״christliche Gesinnung" nicht mit antisemitischen Tendenzen zu identisiziren sei. Nichts läge dem Vereine ferner, als jndenscindliche Gesinnungen zu vertreten und zu verbreiten. Die Inden seien gleichberechtigte Staatsbürger, tind für ihre berechtigten Interessen wolle der Verein in Erkennung des unverfälschten Prinzips der ׳)Nächstenliebe gerade so eintreten, wie für alles, das Menschenantlitz trägt. — Eine solche Aenßerung verdient um so mehr Beachtung und freudige Anerkennung, als gerade in der Neichshauptstadt an der Spree Vereiite ähitlichen Titels sich nicht scheuen, neben der Devise ״christlich-sozial" auch die ״anlisernilische" Fahne hochzuhalten. Zugleich wird aber auch jenem Theil der katbolischen Presse, der seinen würdigsten Vertreter in dem hiesigen ״Vaterland" hat, durch die That bewiesen, daß es nicht zn den unumgänglichen Erfordernissen eines ״guten Katholiken" gehört, ״ein guter Antisemit" zu sein. .1. Holten, 29. August. Am. 18. August feierten wir das 25jährige Bestehen unserer Synagoge, was sich zu einem um so freudigeren Feste gestaltete, da sämmtliche sieben Erbauer und ihre Frauen noch in vollster Gesundheit unter uns weilen. Von Rah und Fern fanden sich die Gäste ein, und nur der wahrhaft jüdischen Gaslfrenndschast der wenigen Gemeindemilglieder konnte es gelingen, für die Bcwirthung so vieler Gäste in ausgiebigster Weise zn sorgen. Den Glanzpunkt der Feier bildete der Festgottesdienst am Sounabeud Morgen, bei welchem Herr 1)r. Oskar Bähr die Güte halte, die Festrede zu übernehmen, wofür ihm die-Gemeinde zu um so größeren Danke verpflichtet ist, als alle Anwesenden im hohen Grade davon befriedigt waren. Schweiz. Zürich, 30. August. Die Jndenhetze und die Verunglimpfung der jüdischen Religion wird auch in der freien Schweiz von gewisser Seite eifrig betrieben. Der helvetische Stöcker nennt sich Egli und ist ebenfalls Pfarrer. Gleieh seinem Ideale in der deutschen Neichshauptstadt inszenirt er Versammlungen, bereist das Land, hält Kreuzpredigten n. s. w. Alles zum heiligen Zwecke der Unterdrückung der Inden, Alles nach den bekannten Mustern. Alles wirthschaftliche Leid wird den Juden in die Schuhe geschoben, und der Talmud als die Quelle alles Unheils denunzirt, es wird vor jeden: Verkehr mit den bösen Juden gewarnt u. s. w., u. s. w. Oesterreich-Ungarn. ...w. Wien, 2. September. Die seinerzeit kurz nach dem Ableben des Oberrabbiuers Schreiber in Krakau von den: Lemberger Staatsanwalt in Voranlassnng eines angeblichen von galizischen Rabbinern gegen die ״Fortschrittsjndeu" erlassenen Manifestes eingeleitete Untersuchung ist, da sie auch nicht die mindeste- Unterlage für die Denunziation zu Tage gefördert hat, eingestellt worden. =: Lipto-S.'>׳׳Miklvs, im August. Das seit circa drei Dezennien verwaiste Nabbinat der hiesigen Gemeinde ist nun wieder besetzt. Bei der Anfang dieses Monats stattgehabten Generalversammlung wurde der junge, sehr gelehrte Herr Wilhelm Singer aus Kirchdrauf zum hiesigen Stadt- und Bezirks-Rabbiner einstimmig gewählt. Hier wirkte auch vor, mehr denn einem halben Jahrhundert der Großvater unseres nunmehrigeu Rabbiners בעל שמן רקה זצ״ל. Seit etwa dreißig Jahren war der hiesige sehr bedeutende Rabbiner- Posten vakant. Die הוראה versah während dieser Zeit der Heimgegangene Nabbinats - Verweser מענדל קירין ז״ל. Die hiesige Gemeinde zählt zu den hervorragendsien und intelligentesten des׳ Landes. Wir geben der Hoffnung Raunt, daß es unserem neugewählten Herrn.Rabbiner, dem die-Herzen Aller so freudig voll Liebe und Verehrung entgegenschlagen, bei seiner umfassenden Gelehrsamkeit und unerschütterlichen Gesiniitmgstüchtigkeit gelingen werde, unsere in religiöser Beziehung leider verwahrloste Gemeinde wieder auf das Niveau einer עיר ואב בישראל zu bringen. — Unsere Gemeinde kann wohl ausrufen איש אהד ראלפי מצארד. Zahlreiche Rabbiner aus dem In- und Auslände haben um das hiesige Rabbinat sich beworben, doch Keinem gelang es, Alle zu befriedigen; Herr Rabbiner Wilhelm Singer aber hat die Herzen aller Gemeindemitglieder im Sturme erobert. Herr Singer ist Mitverfasser des