Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1883)
- Article
- Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud
- Date
- 1883-09-06
- Page
- 611 (sequence 2)
- Language
- German
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an daS Jobclgcbot geknüpft ist, kann die erwähnte Angäbe des Verfassers nicht gerechtfertigt werden, da nach Sifri zu 5. Buch SDl.ולא הטופר שטרותיו לב״ד 5,3 ו טנאן אטרו הלל התקין פרוזבול schon in der Thora angedeutet ist, daß bei Dcponirung des Schulddokumente* beim Gerichte das Gebot des Schulderlasses nicht platzgrcift. Die genannte Institution ist daher eine im Sinne des GoltcSgesetzeS getroffene, von der, wie von Nascht zn Gitin 36 b. ד״ה רבא אטר gezeigt wird, keinesfalls behauptet werden kann, daß durch sie das mosaische Gesetz vom Schuldenerlasse ״außer Kraft gesetzt" wurde. Da wir keine vollständige Kritik dieser Encyklopädie beabsichtigten, schließen wir hiermit unsere Bespreehung und überlassen jedem Unbefangenen, aus den wenigen von uns hervorgehobcnen Stellen zu benrtheilen, ob der Verfasser, wie er im Vorworte versichert, wirklich ״die Wissenschaft allein zum Ziele gehabt", oder ob er, ohne zu beweisen, Behauptungen ansstellt, welche die Grundprinzipien des Judenthums negiren, aber auch vom wissenschaftlichen Standpunkte aus als unhaltbare, willkürliche Entstellungen betrachtet werden müssen. Dr. Gugenheimer. Alls der ersten Hälfte iliiscrcs Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich Pott. (.'lUc :U^'chlc 1!crb01;a110וו ) (Fortsetzung.) Sofort zog Kühn die Hand zurück und nach einigen Minuten Ueberlegung schlich er geräuschlos zur Thür des anstoßenden Zimmers und pochte, der Verabredung gemäß, dreimal leise an. Er vernahm kein einladendes Herein, aber der Riegel ward inwendig zurückgeschoben; leise öffnete er nun die Thür und trat ein, schob aber sofort den Riegel wieder vor. ״Gut, Jomtow, liebes Kind!" sprach er halblaut, indem er Mirjam freundlich lächelnd zunicktc. Sic erwiedcrte den Gruß im selben Flüstertöne, und bot ihm einen Sessel möglichst entfernt von der Thür des 'Nebenzimmers. Er ließ sich dankend nieder. ״Meine Frau hat drinnen Gäste, da Hab' ich mir gedacht, es ist gescheidter, ich geh' zu Ihnen herein; cs dauert ohnehin leider nicht mehr lang, daß wir Sie bei uns haben." ״Sie sind so sehr, sehr gütig —" ״Wie heißt gütig, Kind? Wenn einer thnt, was ihn freut, ist er da gütig? Sie wissen 'S gut, wie cs uns freut, daß wir die Kowed von Ihnen haben — wenn 's nur sein könnt' — Ihr Lebtag ließen wir Sie nicht fort. Aber was ich noch Hab' sagen gewollt — meine Frau ist geschcidt, sehr gescheidt." ״Freilich ist Nahet gescheidt." stimmte Mirjam bei, ״aber eben so gut als geschcidt. — O, sie ist so gut —." Er neigte das Haupt mit glücklichem Lächeln. ״Eine wahrhaftige Esches Ehajil — aber so lang Sie sie auch kennen — was sie ist, das wissen Sie doch nicht — und mein ganzes Leben lang kann ich Gott nicht genug dafür danken, daß er mich mit so einer Frau begnadigt hat." ״Schade," versetzte Mirjam lächelnd, ״daß Sie heute Morgen nicht dabei waren, als Nahet von Ihnen gesprochen hat. Sic hätten ungefähr dasselbe über sich hören können, was Sie so eben über sie gesagt haben." ״Sehen Sic? Hab' ich 's nicht gesagt? so ist sie. So spricht sie — und doch — was bin ich gegen sic? Aber was ich Hab' sagen gewollt — meine Frau ist geschcidt und wie geschcidt — und sic hat recht, so schön cS auch sein möcht', wenn wir Sie immer da hätten — es darf noch nicht sein, es war' gewagt. — Und ich möcht' Sie sehr, sehr bitten, liebes Kind, geben Sie mir ja und ja Acht, daß auch keiner von der Gasse auf Sie sehen kann." Er war bei diesen Worten znm Fenster getreten, um sich zu überzeugen, daß die Jalousien dicht zugezogen. ״Hat man mich denn von der Gasse gesehen?" fragte Mirjam voll Schrecken. ״Nicht daß ich wüßte," erwiderte er, ״aber mir ist'S heute Mittag so vorgekommcn, als ob der Vor- Hang nicht fest geschlossen war'." ״Ich bin Vormittags dahinter gestanden und habe durchgesehen, als die Leute ans Schnl gegangen sind," gestand Mirjam erröthend, ״aber ich kann mir nicht denken, daß man mich dabei hätte sehen können — wenn Sie aber meinen —" ״Ja, ja, liebe* Kind, ich mein', cö wür' gescheidter, wenn Sie gar nicht znm Fenster gingen. — Wissen Sie, liebes Kind, ich meine nicht, daß irgend Jemand Sie schon gesehen hat, aber ich meine, zu viel Vorsicht ist immer besser als zu wenig.. — Aber Bk brauchen sich feine Gedanken zu machen, Kind; wie gesagt, ich glaub' -sicher, cS hat Tie noch kein Mensch hier gesehen." — Mirjam aber war ernstlich beunruhigt'und drang in ihn, er möge ihr sagen, was er befürchtete. ״Na, wegen meiner, vielleicht haben Sie recht,"! entgcgnetc er endlich, ״'s mag schon sein, 'S ist besser, Sie wissen was daran ist, als Sie machen sich da! Gott weiß was für Gedanken."! ״Freilich, freilich," drängte Mirjam, ״ich bitte! Sie inständigft, Herr Kohn, sagen Sie mir alles."