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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 608

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-09-06
Page
608 (sequence 2)
Language
German
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608 Weisheit des Klugen ist, daß man seinen Wandel versteht, Unwcishcit der Dünkelhaften will Täuschung. (14, ft.) 20 wenig das, was der Mund eines gewöhnlichen tierischen spricht, aus der Tiefe seines Innern kommt, so sind seine Worte doch oft wie tiefe Wasser, ans deren Grund man nicht kommen kann. Er spricht Etwas, das auch in der That keinen rechten Grund hat, denen Grund, Meinung und Zweck er sich selbst oft nicht bewußt ist, oder er sucht einen Stolz darin, etwas Unverständliches zu sagen, die Gründe seiner Aeußcrnngcn für sich zu behalten. 20 tief aber auch der Born der Weisheit im Innern dcS Weisen liegt, so klar und durchsichtig und offen ist das Wort, das er spricht. Der Weise ist kein Geheimnißkräntcr. Er spricht nicht oft und viel. ׳Aber wenn er spricht, so quillt seine Rede ans der Tiefe seines Innern, und in jeden! seiner Worte spiegelt sich seine 2cclc. Und wie seiner Worte, so ist Offenheit auch das Gepräge seiner -Handlungen. Klar soll sein Wandel vor den Augen seiner Mitwelt offen liegen, uub seine Mitbürger sollen seine Handlungsweise verstehen, sollen die Motive seines ThunS einsehcn und sich ein Urtheil der Wahrheit über ihn 1111b seinen Wandel bilden können. 20 groß auch seine Klugheit sein und ihn besähigen möge, seine Mitbürger über ihn zu täuschen, so feind ist er solcher Täuschung, seine .Klugheit steht im Dienste seiner Weisheit, und diese will הבין דרבו, daß die ganze Welt seinen Lebensweg verstehen könne. Die aber in ihrem Dünkel den Vehren der Weisheit fern geblieben sind, die finden eine Gcuugth׳.׳ung darin, diplomatisch schlau ihre Mitbürger über die wahren Gründe und Ziele ihrer Handlungen zu täuschen, und sich in ihrem Sein und Wollen nicht durchschauen zu lassen. ־# Gottesfurcht ist der Anfang dcS Wissens, Weisheit und Zucht verachten Unverständige. 0,7.) Borbedingung der Weisheit ist Gottesfurcht, U!id nur die Erkenntuiß Heiliger ist Einsicht. (9,1<י.) Gottesfurcht ist die Zucht der Weisheit, Und vor Ehre muß Bescheidenheit vorangcben. (15,33.) DaS Wissen von Gott und die daraus hervorgehende Unterordnung unseres ganzen Wesens unter Gott, die unter Gottesfurcht begriffen wird, ist der Anfang alles Wissens. Wenn die Summe aller Wissenschaft die Erkenntuiß Dessen ist, was alle Dinge sind, worauf ihr Sein und Werden beruht, und welche Gesehe ihren Erscheinungen zu Grunde liegen, so setzt ja der erste Schritt zu dieser Erkenntuiß die Thatsachc voraus, daß den Dingen Allen eine bleibende Beschaffenheit innewohne, der ganzen Mannigfaltigkeit des Wechsels aller Erscheinungen ein Bleibendes zu Grunde liege und eS ein wankelloscS Gesetz ist, unter dessen Herrschaft alle Kräfte wirken, alle 2rosse sich gestalten und das Jedem das Maß und Ziel seiner Entwickelung gesetzt. Ohne solche Voraussetzung wäre ja alles ErkcnucuS- und Wissens-Streben Wahn; wäre Nichts als ein wahnwitziges Suchen Dessen, was gar nicht vorhanden ist. Setzt aber all unser ErkeunenS- und WijsenS-streben uvlhwcndig voraus, daß in jeder Erscheinung ein Gedanke, eine Regel, eine Zweckmäßigkeit, ein Gesetz waltet, die wir denkend zu erforschen vermögen, jo ist ja die allererste, allen LorauSsctzuugcn mit ־ Nothwendigkcit vorangehende Voraussetzung, daß ein allerhöchster Denker ist, der die Gedanken gedacht, welchen nachdenkend wir zu folgen 1!nS bemühen, ein allerhöchster, weiser, allmächtiger Wille die Stoffe und Kräfte hervorgerufen und ihnen die Maße, Ziele. Zwecke und Gesetze gesetzt, nach denen und unter welchen ihr Werden, Sein und Entwickeln sich vollzieht und denen auch nur ahnend nachdcnkend zu folgen, den Stolz des denkenden Menschen ausmacht. Ein vorhandener Gedanke, den Keiner gedacht,' eine vorhandene Zweckmäßigkeit, die Keiner beabsichtigt, ein vorhandenes Gesetz, daS Keiner gesetzt, ist ein sich selbst l is zur Nichtigkeit aushcbender Widerspruch, und eine von Gedanken erfüllte, Zwecken zustrebeude, nach Gesetzen sich entwickelnde Welt setzt mit zwingender Nöthigung einen allweisen, allmächtigen Schöpfer und Gesetzgeber voraus, dessen allwciser Gedanke und allmächtiger Wille in Allem und mit Allem sich vollzieht. Fortsetzung folgt.) Halilii Salamim Mmr נ׳ע. Haunover, 29. August. So eben, nachdem die Nr. 35 im Drucke fcrtiggestellt, erreicht unS auS Posen die telegraphische Botschaft von dem Hiufcheiden eines der edelsten Männer unserer Zeit. 2 a 10111 011 P leßner ist nach einem langen reichen 9ebcn hochbctagt cingegangen zum c׳.vigen Frieden. Wer hätte diesen Mann mit der Weisheit des Alters und dem Feuer der Jugend, in der kindlichen Einfalt des Gemüths und der Tiefe des Geistes, in der Reinheit dcS KaraktcrS, in der Festigkeit der Ueberzcugung, in der milden Freundlichkeit des Wesens, in der imponircnden Würde der Gelehrsamkeit gekannt und vermöchte sein zu vcrgcsscn, vergessen des erhebenden Eindruckes seiner ehrsurchtgebietenden, liebceinflößcnden Persönlichkeit'? Salon!ou Plcßner war ein Mann in dcS Wortes edelster Bedeutung unter den vielen Schwächlingen, welche unsere Zeit gebildet. Er war der Ersten Einer, welche sich allgemeine Bildung und klassisches Wissen auzucigneu wußten, und der Wenigen Einer und Erster,

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