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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 601

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1883-08-30
Page
601 (sequence 2)
Language
German
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noch später zu bestimmenden anderen Plätzen zum Nutzen und Gebrauch von Bethäusern unb Schulen des protcstantischen Kultus, unabhängig vom Staate zu erwerben. Die Dauer der (Gesellschaft ist ans 99 Jahre fcstgesetzt. Der Gcsellschaftsfonds ist in!20 Aktion von je 500 Francs cingethcilt. Sie lauten aus den Nanrcn des Besitzers uud sind im Sitze der Gesellschaft deponirt. Diese Weise, durch eine Zivilgcscllschaft den religiösen Bedürfnissen gerecht zu werden, welche das hiesige Blatt empfiehlt, auch zur Abwehr gegen judenfeindliche Bestrebungen zu benutzen, war in jüdischeu Kreisen Preußens als ein äußerstes Mittel bctrachtet worden, der gcsetzcstreuen Minorität gegenüber der Majorisirnngstcndenz der durch das 47er Gesetz geschützten Synagogcngcmeindcn zu helfen. Inzwischen hatten die Gesetzestreuen sich des Sieges zu erfreuen, den ihnen die Bemühungen des Herrn Rabbiner Hirsch und seiner Freunde verschafften, wodurch auch einer Minorität die Möglichkeit zur Erlangung der staatlichen Anerkennung als eigene Ncligionsgcmcindc in Preußen eröffnetist. England. §§ London, 1(5. August. Es ist bekannt, daß den 200 russischen Juden, welche in Syrien untergebracht werden sollten, nachdem ihnen die türkische Regicrung die Landung verboten hatte, die englische Negierung auf der Insel Eypern ein Heim eröffnet und zu diesem Zwecke drei Quadratmeileu Land geschenkt hat. Dantit nun die Juden in den Stand gesetzt werden, sich dort wohnlich cinzurichtcn, hat der ״Syrischc Kolonisationsfonds-Ausschuß" einen Aufruf ergehen lassen, mn das dazu nöthige Kapital zu beschaffen. 88 London, 24. August. Die Zeitungen beschäftigen sich sehr mit einem von einem Herrn Schapira nach England gebrachten alten Manuskript, welches das fünfte Buch Moses in einer wesentlich abweichenden Form enthält. Daß dasselbe in keiner Weise geeignet ist, auch nur den geringsten Zweifel an der Authentizität unseres seit JabAauscndcn sorgsam gehüteten Textes aufkommcn zu lassen, lehrt selbst ein flüchtiger Blick auch des gegen die Ueberlieferung eines ganzen Volks skeptischen, aber durch jedes alte neu aufgefundeue Dokument mit sehr sanguinischen Hoffnungen erfüllten Mannes. Worte wie ההרתך anstatt הוצאתיך, Redewendungen im Dckalog wie לא. תענו ברעך anstatt לא תענה ברעך u. s. w. können gerade kein Zutrauen cinflößen. — Ebenso macht eine Nachricht über das angebliche Auffinden der Ueberrcstc der Arche Noah'S in der Presse die Runde und findet trotz der Abenteuerlichkeit hier und dort leichtgläubige Ohren. — Sir Moses M ontcfiore hat dem Kaiser von Rußland zu dessen Krönung ein Bcglückwünschungsschreiben gesandt, welches Huldreichst beantwortet worden ist. — Die hiesige Firma Raphael Tuck and Sons macht bekannt, daß ihr Bertrcter in Rußland aus Petersburg ausgcwicscn worden sei, weil er, obgleich Engländer und mit regelmäßigem Passe versehen, sich zur mosaischen Religion bekennt. Es ist dies der zweite Fall, wo ein englischer Jude eine derartige Behandlung in Rußland erfahren hat. Rußland. ...x Petersburg, 23. August. Der Schaden, welchen die Exzesse in Jckaterinoslaw verursacht haben, beziffert sich auf nahezu eine Million Rubel; nicht weniger als vierhundert Häuser sind zerstört worden. Alle Geschäfte liegen in der gcwerbreichen Stadt darnieder. Bier Infanterie-Regimenter, drei Sotnien Kosaken, eine Artilleriebrigadc und eine Kavallerieeskadron sorgen jetzt für die Ruhe. Auch in den Kreisen der Behörden soll man ganz bestürzt sein. Möchte endlich doch die Erkenntnis; zum Durchbruch gelangen, daß das Interesse des Staates gebieterisch darauf hinwcist, den Judenverfolgungen durch völlige Gleichstellung der Inden ein Ende zu machen. So lange der Staat einen Unterschied zwischen Juden und anderen Bürgern aufrecht hält, so lange z. B. die Juden nicht überall sich nicderlasscn, nicht alle Gewerbe betreiben, keine! uichtjüdischen Gchülfen und Arbeiter beschäftigen dürfen,! so lange, wie erst kürzlich geschehen, selbst Angehörige fremder bcfrcimbctcr Staaten ausgcwiesen werden, weil sic Juden sind, so lauge kehren Friede und Ruhe nicht bei uns ein. Für die ausgeplündertcn achthundertfünfzig jüdischen Familien in Jckaterinoslaw werden Liebesgaben erbeten, wie die ״Nowosti" melden. — Auch nahe bei Rostow rotteten sich Banden zusammen. Zur Sicherung der Stadt ließ der Gouverneur die Donbrücke abbrechen. ״Um die in den südwestlichen Gonverncments herrschende Gährung nicdcrzuhaltcn, wird Großfürst Michael als Statthalter dorthin entsendet. Man fürchtet zum Spätsommer sich weit ausdchnendc Judeukrawallc in diesen Provinzen. Möchte die Kom- Mission, welche unter dein Vorsitze des Ober-EercmonicnmeisterS Graf Pahlcn im Laufe des September endlich Zusammentritt, energisch und rasch in geeigneter Weise handeln. Das Volk muß sehen, daß es der Negierung ernst ist. — Es ist schon so oft schlagend nachgcwicscn, daß die Juden keineswegs nur mit Branntwein und alten Lappen zu handeln wissen, daß sie tüchtige -Handwerter. Ackerbauer und Gelehrte sein können. Trotzdem ist es nothig, immer wieder und wieder darauf zurück;ukommen. Es mag deshalb auch gut sein, von einer Kundgebung Akt zu nehmen, die keineswegs von judeufreuudlichcr Seite ansgeht, aber dennoch in dieser Hinsicht den Juden gerecht wird. Basil Kurlow berichtet über eine jüdische Ackerbaukolonie im Gouvernc-

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