Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-08-23
- Page
- 577 (sequence 2)
- Language
- German
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577 Sieg ihrer Grundsätze keineswegs von dem Zusammen-! wirken antisemitischer Einbrecher abhängig mache.! Die Behauptungen jener Blätter seien aus den Umstand ' zurückzuführcn, daß dieselben ihre bisherigen antisemiti- | scheu Aufhetzereien resp. die nnnniehr zu Tage getretenen Erfolge derselben bemänteln wollen. j '־Sv. Prag, Iß. August. Am 14. d. M. wurde von der hiesigen Bürgerschaft ein Fackelzug zu Ehren! der Scknndizfeicr des Kardinal - Erzbischofs Fürsten! Schwarzenberg dargcbracht. Nach dessen Beendigung; rottete sich ein gegen 000 Individuen zählender Pöbel- Hanfe nach 1(» Uhr Nacht׳ auf dem Altstädter Ringe, : dem NiklaSplatze und am Eingänge der Engen, vor-; malS Goldenen Gasse, zusammen und versuchte johlend und pfeifend in die Iosephstadt einzndringcn und'auch in Prag — dem großen Rohling zu Ehren? — einen Exzeß nach berühmten Mustern zu inszenireu. Aber? schon im Laufe des Nachmittags war der Bezirks!eiter! der Iosephstadt, Herr Ober-Kommissär Pollatjchck, ans! vertraulichem Wege verständigt worden, daß für den ' Abend ein Putsch des PöbclS gegen die Iosephstadt 1 geplant sei. Demzufolge gelang cS dem energischen und taktvollen Einschreiten der Prager Polizeibehörden und der SichcrhcitSwache, als nun nach 10 Uhr Abends der Pöbelhanfe seine Absicht verwirklichen wollte, dieselbe noch im Keime zu ersticken und die Ercedentcn zum! AnSeinandcrgehen zu bringen, zumal die blinkenden! Säbel der SichcrheitSwache ihnen den Beweis erbrachten, j daß man auch für den Ernstfall genügend vorbereitet war. j \V. Prag, 10. August. Bei den Grundgrabnngcn j in dem für das Deutsche Mädchen-Lyzeum angetansten ' Danse Nr. 50—1[ in der Wladislawgassc wurden in den letzten Tagen von den Arbeitern größere Bruchstückevon; Grabsteinen mit hebräischen Inschriften aufgefnnden, ja cS sollen sogar, nach der Versicherung des mit der Leitung der Banarbeiten betrauten Baumeisters, alte Grabstätten aufgedeckt worden sein. Bekanntlich bestand im 15. Jahrhundert in dieser Gegend eine jüdische Niederlassung, welche damals den ganzen Umfang zwischen dem Prager Stadtgraben, der Brennten- und Breitengasse bis zum Ncnstädtcr Rathhansc umfaßte. In dem Rayon der! heutigen Wladislawgassc war der damalige Begräbnis;- > platz der Nenstädtcr jüdischen Kolonie. Bei einer Grundi grabnng im Jahre 1857 wurden Grabsteine mit hebräi-! scheu Inschriften zu Tage gefördert, deren einer die; Jahreszahl 1540 nachwcist. Ebenso wurden im Jahre! 1800 beim Baue des HauscS Nr. 52—!1. gleichfalls! Grnbsteinstücke mit hebräischer! Inschriften gefunden.! Bei dem Bane der Mestauska Bescda wurden gleichfalls mehrere jüdische Gräber aufgedeckt und gntcrhaltene . Gerippe, ja selbst die Gebetmäntcl vorgefunden, in welche j jüdische männliche Leichname vor der Bestattung cingehüllt werden. Damals wurden die Lcichenreste auf dem-! alten Friedhofe der Iosephstadt begraben. Unmittelbar nach der Auffindung der Grabsteine in den! derzeit tut Baue befindlichen Hanse Nr. 50—H. wurde der Borstand der israelitischen Beerdigungsbrüderschaft seitens der Bauleitung zur Besichtigung der Fundobjektc cingeladen und wurden letztere hierauf ans den alten jüdischen Friedhof übertragen, woselbst sie einer gründlichen archäologischen Prüfung unterzogen werden. Es ist sclbstverstündlich, daß sowohl seitens der Bauleitung als auch der Arbeiter nunmehr bei den weiteren Grundgrabnngcn die größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit angcwcndct wird, um nicht etwa noch vorsindlichc Denkmäler vergangencr Jahrhunderte zu übersehen oder zu zerstören. 8. B. Neutra, 18 August. Ich habe Ihnen von dem Tode eines der hervorragendsten ungarischen Rabbiner der Gegenwart zu berichten, dessen Andenken wohl auch durch diese Blätter verewigt zu werden verdient. Samuel Ehrenseld, Rabbiner und langjähriger Leiter der Icschiba zu Mattcrsdorf, ist arn 5. d. M. verschieden. — An seiner Bahre sprachen außer seinen Kindern verschiedene aus der Ferne herbcigcciltc Rabbincn — Zum Nachfolger deS Verblichenen wurde dessen Sohn erwählt. Rußland. .../ Petersburg, 10. August. Die Judenkommission wird am 20. September znsamincntrcten; in dieselbe sind auch die Senatoren KowalewSkl), Mordwinow und Polowzew entsandt. Die Ruhe in I c k a t e r i n o S l a w ist wieer hergestellt. Etwa 400 Personeu sind verhaftet; 40 Soldaten und 1 Offizier wurden verwundet. Alle jüdischen Gewölbe sind theilS cingeäschert, theilS geschlossen. — AuS Ielisawctgrad werden zicnrlich erhebliche Indenkrawalle gemeldet. C'itt jiidischcr Tlttiikcubold. Bon NirPhtirli Simon. VI1. Durch Hochwald'S Entdeckung erschien cs aber nunmehr außer allem Zweifel, daß gegen das Mädchen ein ungerechtes VerdammnngSurthcil ergangen war, da die in dem Schlasroelfnttcr aufgesnndene Goldmünze die gleiche war, welche dein Herrn Steuereinnehmer abhanden gekommen. Es nmrde unverzüglich die nöthigc Anzeige gemacht, und nachdenr der angeblich Bestohlene und Joel zu Protokoll vernommen worden waren, der Landes- Herr von dein Falle in Kenutniß gesetzt. Dieser nrachte von seinem ,jus a־1״־״atiau<li unverweilt Gebrauch und setzte das unschuldige Opfer einer barbarischen Rechtspflege wieder in den frühern Stand der Unbescholtenheit und Ehrenhaftigkeit ein.