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Jeschurun · 1883-08-23 · Heft 34 (23.8.1883) · p. 562

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 34 (23.8.1883)
Article
Kollektivberichte aus Ungarn
Date
1883-08-23
Page
562 (sequence 2)
Language
German
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562 KompctcnzkrciS der Gerichte, — hüten wir uns hievor auch in Zukunft." Aber wo bleibt denn das Richtscheit der scharfen Logik, aus welche die Kougrcßler so vornehm bei jedem Anlässe pochen? ״Erkläret mir, Graf Ocrcndur, Diesen Zwiespalt der Natur!" Also bisher, in der peinlichen Situation, wo die Wogen der finstern Beschuldigungen und Angriffe wild tobten und die hclllodernden Flammen des Rassenhasses über unseren Häuptern zusammcuschlugen, bisher haben die Juden Takt genug besessen, mit dem Propheten zu sprechen: נוי נתתי למכים ולחיי לסרטים פני לא הסתרתי מכלימות ורק im Sinne der Weisen zu handeln, הנעלבין ואינן עולבין שומעי[ הרפת; ואינן משיכי; וכוי und den schmählichen Anfeindungen Schweigen cntgegenznsctzen, — und jetzt, wo die Unschuld der Juden soirnenklar bewiesen, urplötzlich nach langem Mnrmclschlase, rafft sich die ״Kanzlei" ans, um der ungarischen Jndenheit Verhaltungsmaßregeln zu diktiren?! Und der treue Hüter der Kongrcßschafe begnügt sich nicht damit, bloS seiner schutzbefohlenen Heerde Instruktionen zu ertheilen, sondern tritt mit seinem ״Hirtenbriefe" an das ganze ungarische Israel heran. — Und was sagst du, freundlichcr Leser, zu jener empörenden Blasirtheil dem uugarischen Israel ״Achtung vor dem Gesetze" :c. zu predigen? Wer von unö hat denn das Gesetz mißachtet? Wer hat Anlaß gegeben zu der Befürchtung, mau könnte einen ״Eingriff in die Kompctenzsphäre der Gerichte" versuchen? — Wahrlich, die Jstoezy'S, Onody's und Konsorten konnten gegen den Patriotismus, das RechtlichkeitSgcfühl und gegen den tiefen Respekt vor dem LandcSgesetze der 000 000 ungarischen Juden kein gröberes Attentat begehen. — — — Ferner werden die Gemeinden ersucht ״sich mit Spenden zur Unterstützting der Tisza-Eszlarer Freigesprochenen, oder auch anbcrcn Zwecken, die mit der TiSza ׳ESzlarcr Asfaire in Verbindung gebracht werden können, an keiner osfenllichen oder privaten Kollekte betheiligen mögen, von welcher Seite, in welcher Zeitung und in welcher Form immer der Aufruf an sie ergehen sollte." — Wir wollen gern dem Verdienste die gebührcndc Ehre zollen und regislrircn anerkennend, daß die ״Kanzlei" die vielgeprüften Märtyrer von TiSza- ESzlar mit namhaften UnterstützungSbeilrägeu bedachte. Gewiß werden manche engherzige Gemeinden die wohllöblichc ״Abmahnung" der Kanzlei dankend zur Kenntuiß itehmen, doch die absolute Dringlichkeit derselben, sowie die Motive, worauf dieselbe basirt, vermögen wir nicht zu erfassen. Oder sollte es tvirklich nichts anderes als ein RivalisirnngSkitzcl sein, der die ״Kanzlei" vcranlaßte, diesen ״Warnungsruf" mit so vieler Emphase von Stapel zu lassen, um den voluminösen Aktenbündcl der eitlen ״Wichtigthuerei", um ein Kapitel zu bereichern? Und wie, wenn cS uns dennoch antreibt, den hartgeprüften Märtyrern eine LiebcSgäbe zu bieten, warum will'S die Kanzlei uns wehren? Oder hat sic etwa die Bcthätigung dieser מצות ganz allein in Pacht genommen? — Im dritten Punkt wird die Aufmerksamkeit der Gcineinden auf eine heranSzugebeude ״Monographie" der Tisza - ESzlarcr Affairc gelenkt und die Unterstützung der Gemeinden auticipando erbeten. (Fortsetzung folgt.) Aus der erstell Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich ■׳Hott. (Alle :liechte Vorbehalten) (Fortsetzung.) Und als Scidler Einwendungen machte, drängte auch Kohn. ״Meine Frau hat recht, cS wird die alte Frau stärken. Was die Milch für die kleinen Kinder ist, daS ist der Wein für die alten Leute." ״Nehmt eS mit," bat auch Mirjam, ״die Mutter ist bisweilen schwach, vielleicht macht cS sic kräftiger." ״Ja, lvenu Du 'S sagst, da thu ich'S, das weißt. — Na, ich dank' schön für Alles und behüt' Ihne Gott mitsammen." Seil! Gruß galt allen Dreien, sein Blick jedoch hing an dem jungen Mädchen, das er nun neun Tage lang nicht sehen sollte. — Er hätte so gern noch einmal ihre Hand gedrückt, eine ihn: unerklärliche Scheu hielt ihn zurück. Kohn geleitete ihn hinaus bis znm Wagen, und während die Männer das Zimmer verließen, eilte Rahel znm Fenster und ließ das Ronleanx herniederglciten. ״So, das bleibt nun unten über die ganzen Feiertage, da wird kein Mensch ahnen, welch' einen lieben Gast wir hier beherbergen." ״Aber Eure Magd—״ ״Die ist heute Abend, nachdem sie mit allen Arbeiten fertig war, abgereist und sic wird erst am Tage nach dem Feste wieder cintrcteu. Bis gestern haben wir,!nein lieber Mann lmd ich, unaufhörlich überlegt, wie wir cS ein richten fömitcu, daß die Magd von Deiner Anwesenheit nichts gewahr wird. Da, durch einen seltsamen Zufall — doch nein, ich darf cS nicht Zufall nennen, eS war eine sichtliche Fügung Gottes — da kommt daS Mädchen gestern weinend zu mir und zeigt mir einen Brief von ihrer Mutter, worin dieselbe ihr schreibt, daß sie leidend ist und sie dringend auffordcrt, die Feiertage bei ihr zu verbringen. DaS Mädchen war einsichtsvoll genug, cö mir nicht zu-

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