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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 555

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Palästina [Nachricht]
Date
1883-08-16
Page
555 (sequence 2)
Language
German
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555 der zu Bukarest erscheinende ״Hajoez", daß Herr Vene- ' ziaui, der Vertreter des Baron -Virsch, sich überaus günstig über die Prosperität der Kolonie zu Santa־ rin ansspricht. Die Boden- und klintatischen Verhältnissc seien vortrefflich, die Ansiedler reinlich, arbeitslustig und tüchtig. Ein kundiger Bediensteter des Baron;)Rothschild, welcher bis jetzt auf der Kolonie Nosch- Pi nah war, soll nach Sa marin gehen, um den Leuten die uöthige Unterweisung im Gartenbau zu ertheilcn. Es wird daran gedacht, noch weitere Ländereien mit Samarin anznkaufcn, um die dortige Kolonie ausdehnen zu können. Dem Rumänischen Zentral- Komin'- fehlen aber noch 50 000 Franken. Nach dem ״Hajocz" soll Baron Rothschild in Paris eine Summe von 00 000 Franken zugcsichcrt haben, wenn das gedachte Könnt,'- deren 40 000 aufbringt. Die Herren Abel es und Pinelcs bentühen sich deshalb sehr, diese Summe anznschaffen. In Bukarest haben sie 10 000 Franken erhalten und gedenken, auch in anderen rumänischen Städten Sammlungen zu diesem Bchufc zu vcranstatten. Ein jüdischer Trunkenbold. Non Nayhtali Simon.' VI. Am andern Morgen trat Joel in nteinen Laden. Sein Gesicht trug den Stempel der an ihm gewohnten glcichmüthigcn Heiterkeit. ״Mit dem Handwerk ist cs ans," sprach er. ״Man hat mich thatsüchlich aus ihm ausgestoßen; die Herren Zunftmeister haben mich förmlich geächtet. — Man verstellt uüs den Weg zum redlichen Erwerb auf jede mögliche Weise; — Ackerbau und Handwerk sollen wir nicht treiben; Kunst und Wissenschaft weisen für uns aussichtslose Bahnen ans; Handel und Schacher werden uns anfgczwnngcn; wir sollen lediglich Handels- und Schacherjndcn sein! Und wenn man uns den Qucrsack ans den Rücken und den Packen unter den Arm gezwängt — dann schreit man: seht das Inden- Volk, cS ist zu nichts gut, als zu Handeln und zu Schachern! — Auch ich soll ein Handclsjud' w׳׳rdcn, — die weisen Gesetze nöthigcn mich dazu. Zum Handeln aber gehört ein Handelskapital — und ich besitze kaum zwei Thaler. — Borge nir zehn Thaler, alter Freund, ich zahle prompt zurück." Ich gab ihm die verlangte Summe, und Joel begann zu ״handeln". Das Glück war ihm hold. 3111 Gegensätze zn den meisten seine Bernssgcnosscn, welche mit Allem, oder, wie der technische Ausdruck lautet, ״in Allem" handeln, wandte er seine Geschäftsthätigkcit nur einem speziellen Artikel zu. Er befaßte sich ausschließlich mit dem An- und Verkaufe von alten Kleidern, wobei ihm seine verflossene Schnciderkarriere sehr zn Statten kam Er verstand es meisterhaft, auS einem alten Gewände ein neues zu machen; die Spuren der Alles zernagenden Zeit konnte Niemand so fünft« voll verschwinden machen, wie Joel Hochwald, welcher Flecken mancherlei Art hinwegzanbertc, Löcher und Risse außerordentlich geschickt beseitigte und durch Bürsten, Bügeln, Appretiren und hunderterlei geheimnisvolle Manipulationen und Dressuren dem verwitterten altersschwachen Kleide das blühende Aussehen und den Chic der Jugend zu geben wußte. Den Grund zu seinem Glücke aber legte der Schlafrock des Herrn Steuereinnehmers und zwar auf folgende Weise. Joel hatte eine ganze Parthie abgängig gewordener Kleidungsstücke des Herrn Steuereinnehmers angetanst, unter welcher sich auch der ehrwürdige, bereits ein Viertel-׳ jahrhundcrt zählende Schlafrock, der bei Gelegenheit der Silberhochzcitsseicr durch einen neuen ersetzt worden war, befand. Das knnstgcübte Auge meines Freundes hatte rasch erkannt, daß ans dem langen, schäbigen Gewände ein herrliches WamS verjüngt hervorgchen könnte. Um diese Metamorphose zu bewerkstelligen, trennte er den-Schlafrock auseinander und löste ihn in seine Bestandtheile auf. Eine genaue Analyse derselben führte ihn zu der überraschenden Entdeckung einer Goldmünze, welche in der Wattirnng fest eingekeilt war. Er begab sich nnverweilt zn dem früheren Besitzer des Schlafrocks, um den Fund zurückziterstatten. Die Freude des Herrn Steuereinnehmers über diesen Glücksznfatl wurde aber durch den Schrecken, welchen der Anblick des Goldstückes ihm verursachte, in den Hintergrund gedrängt. Es waren nämlich etwa zwei Jahre verflössen, als derselbe mit dem Ordnen seiner Stencrkasse beschäftigt, für einen Augenblick sich ans den! Zimmer entfernte und nach seiner Rückkehr ein Goldstück vermißte, welches er so eben noch in der Hand gehalten und auf den Tisch niedergcleat hatte. Da eine genaue Durchforschung der Stube nach demselben ohtte Erfolg geblieben, so lenkte sich der Verdacht der Entwendung ans die Magd, welche erwiesener und zugestandener Maßen die einzige Person war, die während der kurzen Abwesenheit ihres Herrn das.Zimmer betreten hatte. Obgleich sic hartnäckig den Diebstahl leugnete, so wurde sie dennoch auf Grund der bestimmten Behauptung des Steuereinnehmers zur Haft gebracht. Nach der Weise des damals gehandhabten Jnqnisitionsprozesses, in welchem der Richter kein Mittel der Ueberredung zur Erlangung eines Zugeständnisses unversucht ließ, neun Monate lang gepeinigt, räumte endlich die Inkulpatin das ihr zur Last gelegte Verbrechen ein und wurde zn einer mehrjährigen Kerkerstrafe vcrurtheilt. (Fortsetzung folgt.)

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