Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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554 sich muthig auS dem Staube gemacht haben. — Ich glaube nicht, dag eine eingehende Schilderung dieser Exzesse, welche, wie man hier aunimmt, einen politischen Zweck verfolgen, in die Spalten dieser Zeitung gehört, und beschränke mich deshalb ans diese Mittheilung. Nyircgyhaza, 8. August. Die leidige Frage über die weitere Zukttuft des 'Moriz Schars, rcsp. dessen Ucberlicfernng an seine Eltern, hat nach einem lebhaften Depeschenwechsel zwischen Eötvos und dem Minister des Innern, in Folge dessen Moritz, da Niemand bis zur endgültigen Entscheidung durch den Minister für den Knaben die Verantwortung übernehmen wollte, auf die Kaserne verbracht und der persönlichen Obhut des Gcndarmerielicutenants Lansky übergeben wurde, schließlich dadurch ihre Erledigung gesunden, daß cs Eötvös gelungen ist, durch eindringliches Zureden den zögernden Knaben zur freiwilligen Rückkehr zu seinen Eltern zu bewegen. Moriz ist darauf noch am selben Tage (6. August) mit seinen Eltern, seiner kleinen Schwester und seiner Tante nach Pest gereist. Dort soll er umfassende Aufklärungen über sein Verhalten während des ganzen Prozesses gegeben haben, ans denen genugsam hervorgcht, daß sämmtlichc in demselben von Moriz gemachten Aussagen ihm cingenbt waren, und er unter Drohungen gezwungen wurde, dieselben zu machen und bei denselben zu beharren. — Von Tisza-Eszlar drangen gestern beunruhigende Gerüchte über die Vage der zurückgekehrten Juden hierher, beider finden dieselben vollauf ihre Bestätigung. Am Tage der Heimkehr der Juden brach nämlich in Nendorf und Altdors Feuer aus; sofort lenkte man den Verdacht gegen die Juden. Ein Mann und ein Mädchen wurden schwer :׳.׳.ißhandelt. Doch gelang es dem Stuhlrichtcr Engen Jaring bald, Herr der Aufregung zu werden, inden: er bewies, daß ein Brand durch die Unvorsichtigkeit zweier Kinder entstanden, die anderen aber von zwei Seibern zu dem Zwecke angelegt waren, um sie den Juden in die Schuhe zu schieben. — So gelang cs, die Nahe wieder herzustellen —Man nimmt allgemein an, daß sämmtlichc Heinikehrende Inden TiSza-ESzlar für iminer verlassen werden. E n g l a n d. 88 London, ').August. Für den auch in Nr. 22 des ״Jcschurun" erwähnten großen palästinensischen Kanal bemüht man sich hier jetzt mit Erfolg, vorläufig ein Kapital von 10 000 Lslr. zusammenzubringen, um zunächst die erforderlichen Vorarbeiten zur Nealisirung des Projekts, als Vermessungen u. dgl., bestreiten zu können. Rußland. .../. Petersburg, 8. August. Wie ans Iekatcriuoslaw gemeldet wird, wurden l 0 Manu, welche bei den Ausschreitungen gegen die Juden am 2. August bei dem Eingreifen des Militärs sich hartnäckig widersetzt hatten, wegen Widerstands und AugrissS auf das Militär cinern für Angelegenheiten von besonderer Wichtigkeit bestellten Untersuchungsrichter behufs Einlcitung des weiteren Verfahrens überwiesen. * Petersburg, K). August, lieber die am 2. August zu Jckatcrinoslaw stattgchabten Judenexzessc licSt inan in der ״Nowoje Wremja" folgende Einzel- Heiken: ״Mit Brechstangen und Hämmern bewaffnete Hausen, meist einige hundert Köpfe stark, durchziehen die Stadt und vernichten -Hab und Gut der Juden, Die Straßen Pctcrsbnrgskaja, AlexandrowSkaja, PcrwoswanowSkaja, Torgowaja, SheleSnawa, BasarSkaja und noch viele andere, auch der Trödellnarkt und der Bazar bieten ein Bild vollkommenster Zerstörung. In der Luft fliegt eine Masse Bettfcdcrn herum, welche ans die Kleider der Vorübergehenden niedcrfallcn. Entstanden soll der Tumult dadurch sein, daß ein HandlungSdiencr des israelitischen Kaufmannes NemirowSky das Söhnchcn einer Bäuerin, welches unerlaubter Weise mit einem der Gewichte spielte, geschlagen habe. Die Mutter setzte sich zur Wehr, wurde aber von dem Kaufmann mit Stockschlägen auS dem Hause getrieben, dabei siel sie so unglücklich auf's Pflaster, daß sie, erheblich verletzt, blutend liegen blieb. Ihr und des Kindes Schreien lockte einen Trupp Eisenbahnarbeiter herbei, welche;um Thcil die Gewaltthat des Kaufmanns noch mit ansahen. Sofort wurde beschlossen, den Laden desselben zu stürmen. NemirowSth aber vcrbarrikadirtc sich, und es gelang, noch ehe eS zum Aeußersten kam. die Polizei zur Stelle zu holen. Die Bäuerin und ihr Kind wurden weggebracht nnd die Menge ersucht, auseinander zu gehen. Diese verlangte aber die Verhaftung dcS Inden, welcher, wie doch ' auzunehmcn, wohl längst das Weite gesucht. Die Aufregung wuchs in demselben Maße, wie die Volksmassen vor dem Laden des Kaufmanns und in den Straßen sich stauten. Die Polizei bemühte sich vergeblich, die Menge zu zerstreuen. Diese noch immer friedlichen Verhandlungen dauerten von 10 bis 12' Uhr. Da schrie plötzlich Jemand: ״Das Weib, das der Jude geprügelt hat, ist todt!" Das genügte, um die Menge 11111 alle Vernunft zu bringen. Die Bude NemirowSkh's wurde zerstört, dann die des daneben wohnenden Kaufmann.׳ Umansky: in kürzester Frist wurde alles kurz und klein geschlagen, dem Kaufmann gelang cS, noch rechtzeitig zu entkommen. Wie viel Juden während der Unruhen Mißhandlungen erlitten, ist noch nicht bekannt. Um 8 Uhr schritt endlich Militär ein, das, wie amtlich gemeldet, von der Waffe Gebrauch machte, 10 Leute tödtete und 13 verwundete. Trotz dieses kräftigen Eingreifens dauern die Unruhen fort. P a l ci st i u a. * lieber die rumänischen Ansiedelungen berichtet