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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 553

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
Date
1883-08-16
Page
553 (sequence 2)
Language
German
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553 ihren Geschäften nachgehcn, jederzeit gnthcißen werden, denn das gebietet und das Gesetz, vor welchem Alle gleich sind." IHPrestbnrg,?.'August. Die Wahrheit des Ansspruchcs Eötvös', daß der Antisemitismus ans Deutschland nach Ungarn importirt sei, scheint auch ihre Bestätigung durch die letzten hier slattgehabten Unruhen zu finden. Dies zeigt nicht nur der Umstand, daß von den beiden vom hiesigen Bezirksgerichte zu zweitägigem (!) Arre 1 (!) vernrthciltcn Urhebern der Exzesse der eine ein biederer Tischlergei'clle aus Wartenberg in Preußen war, sondern auch der Vorfall, welcher sich heute Nacht vor einem Kaffee hau sc abspiclte. Preßbürg hat - oder hatte vielmehr, wie sich aus dem Weiteren ergiebt — das Glück, einen zu den Mitarbcitcrn eines in München erscheinenden antisemitisehen Blattes zählenden Professor seit einigen Tagen in seinen Maliern zu beherbergen. Als dieser Herr, noch ganz erfüllt von den Vorgängen der letzten Tage, welche so recht sein antisemitisches Gemüth erhoben hatten, zu inittcrnüchtlicher Stunde sich auf dem Wege nach seinem Hotel befand, bemerkte er in der Nähe desselben vor einen! Kaffeehausc einige Herren. Da er in denselben Söhne vom Semitcnslammc vcrmnthele, so erinnerte er sich daran, daß eigentlich feine Freude an den Exzesse!! eine zu kurze gewesen, und nach raschem Besinnen entschloß er sich, eine kleine anliscuiilische Nachscicr zu halten. Doch sollte er nicht über die Einleitung zn derselben hinanskoinmen. Sobald nämlich die Herren, -welche übrigens-gar keine Semiten!varen, bemerkten, daß die Flnth von Sehmähworten, mit!velchen der Herr Professor seinen Spaß eröffnet!׳, ans sie gerichtet sei, war einer derselben so ungalant, den! Münchener Gelehrten sein projcklirtes Vergnügen dadurch zu Wasser zn machen, daß er etwas unsanft seinen Körper verarbeitete. Da aber der Herr Professor etwas allzu laut seine Indignation über die erlittene Behandlung äußerte, so kamen die Diener der .Santa Mmnamljul herbei, erkundigten sich theilnehmend nach allen Details der dem Herrn Professor zugcfügtcn Unbill, und de׳ schlossen sodann nach reiflicher Ücberlegung, denselben in den sicheren Port des Polizeigewahrsams zn bringen, wo er sich von seinen! Schrecken erholen könne. Unser Professor bezeigte aber gar keine Viift, von dieser licbenswürdigen Einladung Gebrauch zn machen, und bat die menschenfreundlichen 1u11 seine Sicherheit zu sehr desorgten Herren, ans das Vergnügen seiner Gegenwart in! Gewahrsam verzichten zn wollen, wogegen er sich, um Gleiches mit Gleichem zn vergelten, erbot, auf das Vergnügen seines Aufenthalts in Preßburg seinerseits zn verzichten, und zn diesen! Zwecke mit den! Morgengrauen die ihn! so liebgewordenc Stadt ans Ninuner- Wiedersehen zu verlassen. Dcß war die Polizei zufrieden — und seit heute Morgen muß Preßburg sich über die Abreise seines gelehrten antisemitischen Münchener Gastes zn trösten wissen. W. Prag, 10. August. Dem ״Prager Abendblatt" wird aus Komotan Folgendes berichtet: ״Ein Blut Prozeß." So unglaublich cs auch erscheinen!nag, ist es nichtsdestoweniger wahr. Das sensationellste Ereigniß — wie cs sich so ungeheuerlich seit Jahr- Hunderten wohl nicht zugetragen — das die ganze Welt beschäftigte und deren ganzes Interesse in Anspruch nimmt, ״Der Blut-Prozeß in Tisza-Eszlar," so steht es wörtlich in! heutigen Theaterzettel, ״steht den Bewohuern nnscrcr Stadt in getreuester Kopie in Sicht und zwar — auf der Bühne des hiesigen Sommerthealers, wo heute als letzte Vorstellung ״Esther Soly- 'mosi oder der Blntprozeß in Tisza-Eszlar" gegeben!vird. Der Prozeß ist den! hiesigen Theater zur ״ersten Ausführung in Oesterreich und Deutschland" überlassen worden. Das Stück, in welchen! alle bei den! Prozeß betheiligt gewesenen Personen handelnd anftrctcn, ist, wie der Theaterzettel ferner versichert, ״überreich an dramatischen Effekten, ist objektiv gehalten und trägt den Stempel des Versöhnenden deutlich ans der Stirn." Wie die Thcaterdirektiou weiter knndgicbt, ist dieses ״größte Scnsationsstück der neuesten Zeit (verfaßt von A. Vöki, Deutsch von Emil Hildcbraud), in Bordercilung an säiumtlicheu Bühnen Oesterreichs und Deutschlands." '!>' Pest, 10. August. Der Unmuth über das vereitelte Attentat in Tisza-Eszlar sucht sich in Ruheslörnngen Vnft zn inachen, welche von der Provinzialsladt nach der Metropole des Landes verlegt worden sind. Joseph Scharf ist mit seiner Fainilic hier angelangt. Dieser Umstand muß zun! Anlaß von ׳Exzessen werden, deren Ziel weit über die Kühlung des kleinen Zornes an den! armen Synagogendicner von Tisza-Eszlar, weil derselbe sich nicht zun! Ergötzen des süßen Pöbels an den Galgen hängen lassen wollte, hinausgeht. Unter dem Feldgcschrei ״Eljen Istoczy! Eljen Verhovay! Eljen Onodh!" und den! Vorantritt von Gassenjungen begannen die Ausschreitungen an den! (Gasthaus ..Znn! weißen Schwan" an! 7. d. M. mit Angriffen aus Fensterscheiben und Stcinwürfcn ans die Polizei. Am 0. d. M. nahmen sic aber eine weit ernstere Gestaltung ein. Es wurde in verschiedene Vokalitäten eingebrochen, geplündert und zerstört; Verwnndungen sind vorgekommcn, Verhaftungen vorgenommen. Der Pöbel hatte sich mit Knitteln, Brcchstangen und Steinen versehen, ja auch theilwcise mit Lchicßwasfen und wurde von Männern, welche ihrer Kleidung nach den besseren Ständen angehörten, aufgehetzt, beider hat ::!an unter den Verhafteten nur Verführte gefaßt, während die eigentlichen Arrangeurs

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