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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 552

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Deutschland : aus dem Reg.-Bez. Kassel [Nachricht]
Date
1883-08-16
Page
552 (sequence 2)
Language
German
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552 Zeitungen folgender: HcnnieS war bereits vor einiger Zeit vom Kgl. Schöffengerichte zu 14 Tagen Gcfüngniß; vcrnrthcilt worden, weil er den Redakteur Davidsohn einen ״lillihaftcu Angedenkens geohrfcigtcuJudenlümniel" genannt hatte. In einer bald darauf erscheinenden Nummer des ,.Geldmonopol" brachte nun der Augeklagte über die diesbezügliche Gerichtsverhandlung ein Referat, durch das sich Davidsohn abermals verletzt fühlte. Vierzehn Tage später wurde im ״Geldmonopol" ein dem von Davidsohn redigirtcn ״Berliner Börsenlonrier" entnommener Artikel zum Abdrucke gebracht und mit hämischen Ausfällen und Zusätzen gegen den Redakteur versehen, weshalb Letzterer den Strafantrag stellte. — Günstiger war für den Redakteur HennieS das Urthcil in einer am 7. d. MtS. vor der Ferienstrafkammer zur Verhandlung gebrachten Anklage wegen Vergehens gegen >; 130 des R.-Str.-Ges. (durch Aufnähme eines Gedichtes: ״An die Deutschen" in Nr. 3 der gedachten Zeitung). Obgleich der Vertreter der Kgl. Staatsanwaltschaft drei Monate Gefängnis!- strafe beantragte, erkannte das Gericht auf Freisprechung. — Trotzdem das ״Gcldmonopol" seit seinen! mehrjährigen Bestehen zum Klassenhasse aufreizt, und obgleich das Blatt ziemlich verbreitet ist (cS wird c*n nitisse an Wirthe re. :c. gratis versandt), sind, Gott sei Dank, noch sehr wenige Ausschreitungen gegen unsere Glaubensgenossen vorgckomnicn, und die Befürchtungen, die sich im Anfauge im ganze!! Hesseulande bemerkbar machten, haben sich sichtbar gelegt, wie überhaupt daS gute Einvernehmen, welches von jeher die verschiedenen Konfessionen des alten KattenlandcS mit einander verbundcu, sich trotz verschiedener Beeinflussungen nicht wird zerstören lassen. Oesterreich-Ungar n. Wien, 13. August. Ich erlaube mir, Ihnen von einem absonderlichen Büchlein zu berichten, so sich ״Die heutige Burschenschaft" betitelt und zu Heidelberg bei Weiß kürzlich erschienen ist. Die ״N. Fr. Pr." bemerkt hierüber: Was ist eigentlich eine Burschenschaft'? Darauf gicbt uns der AnonyinnS lobcsam, Verfasser des vorliegenden Büchleins, auf Seite 9 folgenden Aufschluß: ״Die Burschcuschast ist eine überall in erster Linie farbcntragendc Verbindung." Hochwcise sind ferner die ausgestellten Unterschiede zwischen ״Korpsschäften", ״Burschenschaften", ״KorpSburschcnschaften" und den ״Reformburschenschaftcn." Höchst lehrreich und scharfsinnig ist sodann die Untersuchung, die sich thcilweise zu der Frage zuspitzt, ob Juden in eine Burschenschaft aufgcuommen werden können. DaS Fazit lautet: Juden seien unfähig, die hohen Ziele der Burschenschafter auch nur zu begreifen, geschweige, daß es ihnen von Mutter Natur vergönnt wäre, das erhabene Ziel je zu erreichen. Ueberaus geistreich ist die Berthcidigung der Mensuren und der Duelle. BcmcrkcnSwcrth ist die Nachricht auf Seite 30, daß die Mitglieder von Vereinen deutscher Studenten erklärten, ״sie könnten keinen! Juden Satisfaktion geben und keinen! Mitgliede einer Korporation, die sich nicht gegen die Juden verschlösse." BaS Büchlein wi!nn!clt von Ausbrüchen krassesten Blödsinns und ist ein trauriger Beleg für den tiefen geistigen Bildungsgrad gewisser Kreise, die sich aus angeblichen Studenten zusainmensetzen. Wahrhastig, nicht der raffinirteste Judenwitz eines Wippchens hätte die Burschenschafter!!!ehr bloßstelle!! können, als eS dieser unberufene' Verthcidiger der guten Sache thut. * P re st bürg, 7. August. Zun! Schlüsse der heutigen Sitzung der Stadtrepräsentanz hielt der Obergespan Graf Stephan ESzterhazy folgende Rede: ״Preßburg war in den letzten Tagen der Schauplatz von Szenen, welche uns Alle unaugenehn! berührten und das A n sehe n P r e ß b u r g S k o u! p r o!!! i t t i r t c n. Ich Hütte erwartet, daß einige Herren eine Frage über die jüngsten Vorfälle in Prcßburg an den Magistrat richten werden. ES geschah nicht. Ich will eS den Umständen zuschreiben, daß die Repräsentanz volles Vertrauen zur Polizei und zun! Magistrat hegt. Da jedoch diese' Exzesse wiederholt Vorkommen, muß n!an den Abscheu gegen dieses Treiben, welches bisher in Prcßburg erfolgte, auSdrückeu. Wir sind nicht in Berlin oder in irgend welcher hochgeachteten Stadt Deutschlands iunuer, wo der Religionshader auf der Tagesordnung steht. Nicht jene Städte sind maßgebend für die Wohlfahrt Ungarns und PreßburgS. Hier, wo die Religionsfreiheit von! Reichstage ausgesprochen und von! Könige sanktiouirt wurde, ist jede Hetze ein verbotener Akt, und für RcligiouShctzen giebt cS keinen Platz. Jeder Bürger muß mit Abscheu solchen Zustünden den Rücke!! kehren. Wichtige Fragen werden nicht in den Gassen PreßburgS auSgctrngen oder gelöst werden; sic können auch nicht durch Wühlereien und konfessionelle Hetzereien in Artikeln einer hiesigen Zeitung gelöst werden. Solche Hetzereien werden znn! Skandal für die Stadt. Ich habe zu dieser Enunziation!!!ich verpflichtet gehalten und wollte den! Magistrat keineswegs einen Vorwurf!nachen. So wie bisher, so werde ich auch in Zukunft alle Bestrebungen der Polizei, wo cS sich um die Sicherheit der Person und des Eigenthums handelt, kräftigst unterstützen. Vielleicht werden einige Herren die angewendeten strengen Maßregeln für übertrieben halten, doch die Vorsicht räth, um allen Eventualitäten vorznbeugen, mit ganzer Kraft bei Zeiten bei der Hand zu sein, und nicht, wenn es bereits zu spät ist. Ich schließe mit der Uebcrzeuguug, daß Sie,!!!eine Herren, mit dem Vorgehen der Polizei cinverstanden waren und meine Schritte zun! Schutze einer gleichberechtigten Konfession von ruhigen Bürgern, die

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