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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 538

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Der Priester oder Kriegsbogen, Pflock und Eckstein
Date
1883-08-16
Page
538 (sequence 2)
Language
German
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538 Wir sahen israelitische Gemeinschaften, die allen! derartigen Anforderungen entsprachen, und in deren Mitte alle jüdischen Bestrebungen blühten. Und da nahten Männer, die sich Priester nannten, die sich bemühten, die innige Einheit;wischen der Gegenwart und der Vergangenheit;n zerreißen, die tausend und abertausend Bindemittel, die das Iudenthnm seinen Belenncrn bietet, als unwesentlich;n beseitigen, etwas ׳Richtiges. einen hohlen äußeren Glan; an Stelle des ehrwürdigen Herkommens;tt setzen: sie erweiterten die Risse, welche im Bane der Gemeinde bemerkbar wurden, und mehr und mehr lockerte sich der Ausattimenhang. Aus der Häuslichkeit bannten sie das Iudenthnm, das Gotteshaus sah immer seltener und sparsamer die Bekenucr Israels in seiner Mitte, immer kalter standen sich die Mitglieder der Gemeinden gegenüber, immer weniger fühlten sie den Zusammenhang des Einzelnen mit dem Ganzen. Die Forderungen der Thora wurden belächelt, man begann das eigene Ich zu vergöttern und über den Freuden des Augenblicks die Vergangenheit und die Zukunft Israels zu vergessen. Was nützen nun die einzelnen Theile des Gebäudes, wenn sie trümmcrarlig umherliegen, wenn sic durch keine einigende Kraft zu einem (Ganzen werden? Was nützt die Seelenzahl, was nützt die äußere glänzende Stellung seiner Söhne dem Iudenthumc selbst? Will man cs heute den Frcultden der Thora verargen, wenn sic im Schmerze über solchen Riedergang sich erheben, wenn sie das Ucberliefene wieder zur Geltung bringen wollen? Ja, wir müssen das wieder Hervorrufen, was dem Zusammenhänge Israels dient, die Mizwa, die Thalsache muß au Stelle der hohlen Redensarten treten, der Pflock muß oft in aller Schärfe nahen, er muß seine Spitze hervorkehrcn, um zu unterjuchen, an welcher Stelle die einzelnen Theile zusammenpassen, Entschiedenheit und Unzweideutigkcit ist auch hier die Hauptsache, Selbstlosigkeit aber, wie sie der!tächslc Theil unserer Betrachtung lehrt, die höchste Tugend des Priesters. ״ נזנינוaus Israels eigener Mitte, ans bem Geiste und den Empsindnugcn Israels heraus" ״ פנהwählt sich Gott bei! Eckstein seines Baues." ,פ:ר wird derjenige Stein genannt, welcher die Spitze des Gebäudes ziert und die Angen des Beschauenden auf sich zieht; פנה nennt man auch den bescheidenen Eckstein, der die Beichtling der Wände und die Gestalt des Ganzen bestimmt. Der wichtigste dieser Steine ist gar nicht sichtbar, sondern in der Tiefe stützt er das Ganze, als (Grundstein trägt er den ganzen Ban und ninunt nicht Theil an der Ehre, die jenem das Gebäude krönenden Steine an der Spitze zu Theil wird. So hat auch das priestcrliche Amt seilte zwei Richtungen: die glänzende, welche Allelt iws Auge fällt, die Schaustellung liebt und dllrch blendenden Glan; zu gewinilen sucht; und die nützliche, welche in den Tiefen des Verborgenen wirkt, die Sache zu stützen sucht, der sie sich weiht, ohne von ihr Glanz zu empfangen und zu erhoffen. iEchluß folgt.» Ans der crstci! Hiilfic uuscres ZnhrhmidcrtS. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich Pott. (;,Ille :Ke 11)11־ rovLuljaluii)!',YortfcLjiiug.) ״Das ist ein Kidusch Ha scheut, das ist ein Kidlisch Haschetli!" rief er einntal über das andere, indem er, die Hände auf dem Rücken, erregteu Schrittes im Zimmer auf und nieder wandelte. ,..Und wie hast Du gesagt? Nahet, mein Kind, wie alt ist sie?" ,,Mir scheint, sie wird fünfzehn Jahr sein oder höchstens sechszehn." ,,So 'n junges Kind? Großartig, wahrhaftig großartig! Aber weißt Du, Nahet, mein Kind, könnt' sie nicht galt; bei uns bleiben? Ich meine, nicht blos über Passah, sondern immer?" ״Ich glalibe nicht, daß wir cs (vagen dürsten, sie länger hier;u behalten. Für diese acht oder neun Tage lvird es uns mit Gottes Hülfe gelinget(, sie bei uns zu verbergen, so daß Rienland ihren Aufenthalt bei lins merkt. Aber für immer — ich wüßte nicht, wie das möglich wäre und bedenke nur, lvenn es bekannt würde 1111 b ihr Vater, der zuweilen zum Verwalter .auf's Schloß kommt, davon hören würde —" ״Ja so, wegen dem Vater — das ist freilich —" Er ward unterbrochen, die Thür ging ans, der Zeidler-Toni steckte den Kopf in's Zimmer. ״Riehls für ungut, Frau Mutter —" Da gewahrte er Herrn Simon Kohn und hielt voll Schrecken inne. Doch Rahel beruhigte ihn. ״Kommt nur näher, ejutev Freund, das ist mein Mann, von dem habt Ihr nichts zu fürchten." ״Das weiß ich," entgegnetc der junge Bauer, indem er sich ziemlich linkisch vor dem tzcderhäudlcr verneigte, ,,sie hat auch gesagt, der Manu von der Nahet, der darf alles wissen, der ist brav." ״Hat sie das gesagt —fiel Kohn ein, ״das bin ich gern! wenn so ein braves Kind das von einem sagt." — ״AberIhr habt uns noch etwas mittheilen wollen," wandte sich Rahel an den Bauer. ״Ja," entgegnetc dieser, indem er die Kappe in der Hand drehte, ״ich bin noch 'mal kommen, weil ich mir denkt hob, daß 's gut war', wenn's die Frau

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