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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 537

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud [Rezension]
Date
1883-08-16
Page
537 (sequence 2)
Language
German
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537 das Grundprinzip des Judenthuncs, die Göttlichkeit des überlieferten Gesetzes, leugnet, wonach Niemand von diesem Werke eine dem bestehenden Iudenthnm entsprechende Darstellung erwarten kann, cs vielmehr als selbstredend erscheinen muß, dag diese Leugnung der Basis des Judcnlhnms den rothcn Faden bildet, der dieses Werk durchzieht. Da wir cs aber im Hinblicke auf die angeführte Versicherung des Vorwortes für erforderlich halten, auch zu zeigen, daß der Verfasser von den Anforderungen der Wissenschaft sich ebenso wie von der Lehre des JudcnthumS entfernt, das; man sich sehr täuschen würde, wenn man in dem vorliegenden Werke jenen tarnst der Forschung, jene gewissenhafte Objektivität, jene sorgfältige Gründlichkeit erwarten wollte, die jeder UrthcilSfähigc zu den Anforderungen der Wissenschast zählt, können wir nicht um hin, noch einige andere Stellen herznhcben. Bei Besprechung der Frage, was das Judcuthum auf die ״Hohe geistiger Schöpfungen gebracht?" sagt der Verfasser in demselben Artikel: ״,Nicht die Vernunft ohne das Her; und nicht das Herz ohne die Vernunft"' ist der Wahlspruch des JudcnthumS. Die Vernunft, die VcrstandeSrichtnng hat sic (diese Religion) vor den Vorstellungen des Mystizismus, vor . dem Hcidcuthnm geschützt; andererseits hat sie ihr mystischer Hintergrund vor Vernichtung durch die Philosophie, vor einem Aufgchcn in deren Lehren bewahrt." Hieraus ist ersichtlich, das; der Verfasser nicht die Gottesosfenbarung, sondern einerseits die BerstandeSrichtung, andererseits einen ״mystischen Hintergrund" als die Quellen des JudcnthumS, als die Mittel betrachtet, die die Bekenner des JudcnthmnS vor den Verirrungen des menschlichen Geistes retten. Indessen nicht im Namen des JudcnthumS, im Namen der Wissenschaft möchten wir den Verfasser fragen, wo denn der von ihm als ״Wahlspruch des Judenthums" angeführte Satz sich befindet? Auch die Wissenschaft kann einen unter Anführungszeichen als Wahlspruch einer Religion hingestellten Satz nur dann gelten lassen, wenn dieser angebliche Wahlspruch in den Urkunden dieser Religion nachgcwicscn wird. Einen solchen Nachweis konnte aber der Verfasser natürlich nicht liefern. Das Iudenthnm lehrt 4. B. M. 15, 39: לא תתורו אףרי לבבכם, »er־ bietet also, sich vom Herzen leiten zu lassen; und dieser Satz,, den jeder Jude sich täglich zweimal ins Bewußtsein zu führen hat, wird im Sifri erklärt: אחרי לבבכם זו פינות, womit ausgesprochen ist, daß das Herz, wenn es nicht den Diktaten des GottesgesetzcS untergeordnet ist, keineswegs ״vor Verirrung durch die Philosophie bewahrt", sondern zur Gotteslcugnung führt. Durch die Angabe jenes nicht cxistircnden Wahlspruches hat daher der Verfasser eine rein subjektivc, im Judcuthuin nicht nur nicht begründete, sondern dem Judenthnme cntgegenstehendc Fiktion dem durch das Iudenthnm Gegebenen substituirt. Ob sich dies mit den Zielen der Wissenschaften vereinigen läßt, möge jeder Unbefangene bcnrtheilen. l Fortsetzung folgt.) Ter Priester Slvtegefüoßcit, Pflock und Eckstein. Vetrachlttttg v. Ludwig A. Noscilthlll, Prediger zu Cöthcn. c Fortsetzung.) Begreifen wir cs nun. warum der Priester, der Leiter des Volkes einem Pflocke ähnlich sein soll? Weil Israel selbst zu den Zeiten der Zerstreuung einem Zelte gleicht, dessen einzelne Theile nur durch feste Pflöcke zusammcngchalteu werden; das Wandcrzcll der Wüste ist sein Urbild, welches inuncr bereit ist, ein einziges Ganze zu bilden, da alle Werkzeuge und Theile diesem Zwecke dienen. לולאות ,בריחים ,יתדות ,מיתרים, und wie die ciuigenden Werkzeuge noch sonst heißen, — Nichts dient der leeren Zierde, sondern stets einer ernsten Nothwendigkeit. Wie wichtig ist nicht der Zusammenhang Israels als GlaubcuSgcnosseuschaft im Allgemeinen, als Gemcinde im Besonderen! Wie muß da der Einzelne seinen Werth allein darin erkennen, daß er ohne selbstsüchtige Nebenzwecke nur dem Ganzen dient! Und das überlieferte Judcnthum nährt und kräftigt dieses Bewußtsein. Selbst die Häuslichkeit, die sonst nur dazu dient, den Einzelnen zum rechten Gefühle seines SonderdascinS zu bringen, — traut man doch nur dem öffentlichen Leben die einigende Kraft zu —, selbst die Häuslichkeit macht in jedem Augenblicke den Juden zun: Gkicdc der großen Gesammlheit, jede Pflichterfüllung, jede Mi.zwa hebt den Einzelnen über seine Besonderheit hinweg und mahnt ihn an seinen Zusammenhang mit Gott und Israel. Hat das HauS so vorbereitend ans ihn gewirkt, dann ist auch das gottesdienstliche Zusammensein Israels vor dem Ewigen ein würdiges und wahres, nirgends ist der Israelit fremd, wo er Israeliten findet, er paßt in jeden wahrhaft jüdischen Rahmen hinein, und in diesem Sinne wird ganz Israel zu einem einzigen großen Ohel Moöd. Da haben die Leiter Israels den vereinigenden Pflöcken zu gleichen, haben all das zu fördern, was ein Zusammenwirken seiner einzelnen Glieder hervorbringen und begünstigen kann, haben achtsam auf jeden Riß zu scheu, um sofort sich einigend hineinzndrängen. Hat die Neuzeit uns lauter solche den Zusammenhang der Gemeinde wahrende Priestergestalten gezeigt?

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