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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 529

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1883-08-09
Page
529 (sequence 2)
Language
German
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529 Halbgebildete treiben können. Alle an den! Prozesse ] betbeiligten Behörden, ausgenommen der Staatsanwalt, ' haben sich mit ewiger Schmach bedeckt. ״Telegraph"! und ״Morning Post" schreiben die ganze schuld dieses so schmählichen Prozesses, die Torturen und was sonn noch;11 Tage trat, der entehrten ungarischen Justiz׳ Verwaltung zu. Hätte nicht die .,ganze zivilisirte Welt einen schrei des Entsetzens" über solche Tein nach ausgestoßen, so würden die Angeklagten vielleicht am Galgen geendet haben. Rußland. Petersburg, 2. August. Die zur Berathnng der Indensrage eingesetzte Kommission ist mir ihren Arbeiten in! vollen Gange und scheint endlich Ernst machen zu wollen, mit einem bestimmten Resultate und Beschlüsse hervorzntreten. Es ist natürlich, daß die Inden Rußlands mit ängstlicher Spannung jenem bedeutungsvollen Augenblicke cntgcgensehen, wo über das Geschick von einigen Millionen Menschen vielleicht auf Jahrzehnte hinaus entschieden wird. Was wird er bringen? .Knechtschaft oder Freiheit? Wird endlich auch in Rußland das Dunkel mittelalterlicher Rächt sich zcrthcilen, oder sollen die Inden Rußlands aufs Neue in die düstere Rächt der Leiden gestoßen werden? Zwar sitzen Männer in der Kommission, welche von dem Geiste der Humanität getragen sind, zwar ist der Fürst Demidow offen für die Emanzipation der Inden eingctretcn — aber die Jahre des Leids 1111b der Unter׳ drücknng haben die russischen Inden kleinmüthig gemacht. Man sagt mit Recht, was vermögen einzelne erleuchtete Geister gegen eine vielleicht verblendete .Majorität? -- Die neueste Kunde, welche ans den (Geheimnissen der Kommission ans Tageslicht getreten, scheint völlig diese Besorgnis; zu bestätigen. Wie nämlich dem ״Rußt. Kur." gcineldet wird, wurde dieser Tage der zur ׳Revision der Gesetze betreffs der Inden in Rußland eingesetzten Kommission unter Andern! auch die Frage, ob die im russischen Reiche befindlichen gewerbetreibenden Inden in ihren Fabriken und Werkstätten Arbeiter russischorthodoxer Konfession beschäftigen dürfen, von! Ministeriun! des Innern zur Entscheidung vorgelegt. Dem vom Proknror Pobedonoszew abverlangten Gutachten gemäß entschied nun die genannte .Kommission, daß cs den Juden fernerhin nicht gestattet sei, Russen in ihren Fabriken und Werkstätten zu beschäftigen. Denn, so heißt es in den Motiven des frommen Herrn Pobedonoszelv, die Beschäftigung russischer Arbeiter in jüdischen Fabriken widerstreitet einerseits den! russischen Rationalgeistc, andererseits aber schädigt der längere Aufenthalt der Russen bei den Inden das religiöse (Gefühl der! Arbeiter, indcn! die Letzteren, wie die Erfahrung lehrt,! die kirchlichen Zeremonien vernachlässigen. Der Minister Graf Tolstoi akzcptirte diese Ansicht vollkommen. * Petersburg. 5. August. In einem Ncgiernngscommnnignü wird bekannt gegeben, daß am '1. August in Iekaterinoslaw ein Pöbelhanfe einen thütlichcn Angriff auf die jüdische Bevölkerung der Stadt!nachte, dazu durch eine schwere thätlichc Beleidignng aufgeregt, welche einer Banersrau durch einen Inden;!!gefügt wurde. Um den Exzeß uiederznschlagc!!, wurde Militär regnirirt, welches zur Wiederherstellung der Ordnung von den Waffen (Gebrauch machen mußte. Bon den Tumultuanten, die größtentheils ans fremden, an! Eisenbahnbau beschäftigten Arbeitern bestanden, wurden H> getödtet, l:Z verwundet. Ein Tclcgranun ans Iekaterinoslaw meldet, der Stadlrath habe nach Wiederherstellung der Ruhe in der gestern abgehaltenen Sitzung beschlossen, den durch die Exzesse geschädigten Inden aus Stadtmittcln r>1><10 ׳Rubel Entschädigung zu gewähren und zur Vertheilnng der Summe eine ans Ehristen und Inden gemischte Kommission ein;!!- setzen. Zugleich traf der Stadtrath Anordnungen, die Obdachlosen in den städtischen Gebäuden nnterznbringen, und ersuchte den Erzbischof, durch die untergebene Geisllichteit aus die Beruhigung der Gemüther hinzuwirken. Weitere Exzesse sind seitdem nicht vorgekonüncn. Das Militär verbleibt bi.'׳ auf Weiteres in der Stadt. A m erik a. x Crneinuati, lch Juli. Man wird zwar auch in Deutschland von gewissenlosen Menschen hören, die außer den! Titel ״Rabbiner" wenig an sich erkennen lassen, was ans einen Bertretcr der Thora schließen läßt, doch glaube ich kann!, daß Deutschland von einen! so eklatanten Falle — vielleicht den würdigen Rabbi Schreiber ausgenonimen, mit dessen Gegenwart 111!!!־ mehr wir Amerikaner beglückt sind — erzählen kann, wie er sich hier am K!. Juli zugetragcn hat. Es waren die Bertretcr der 102 zum jüdisch-amerikanischen Gemcindebnnd gehörigen Gemeinden znsammcngetretcn; den jüdischen Karaltcr des Bundes beweist das Hauptziel desselben: die Heranbildung jüdischer Geistlicher; der jüdische Karakter der Versammlung war genügsam ansgeprägt durch das salbungsvolle Erösfnnngsgcbct des Herrn Rabbiners Max Sampsicld von Memphis und durch die Installation von einigen Rabbinatskandidatcn -- aber was geschah? Rach Schluß der Sitzung wallte man nach dem Zoologischen Garten und nahm daselbst — ei!! vortreffliches Abendessen ein. Der Leser könnte vielleicht glauben, daß vorher in! Nestauraut der Hcerd geglüht, das Tafelzeng ״gckaschcrt", über- Haupt alles, besonders in Rücksicht ans die Anwesenheit so vieler ״geistlicher Herren" aufs Strengste nach jüdischeu! Gesetz hcrgerichtet wäre. Doch nichts von 1 alledem. Auch diversen würdigen Rabbinern soll das 1 trcscnc Mahl vortrefflich gemundet haben.

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