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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 528

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Proßnitz [Nachricht]
Date
1883-08-09
Page
528 (sequence 2)
Language
German
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528 Bcrtheidigcrn, welche mit den schärfsten Waffen des! Geistes gegen Bosheit, Berlättmdnng und Borurrheil ן mit beisviclloscitt Math, mit Selbstlosigkeit und;Hu*־ : datier gekämpft und der Gerechtigkeit;um glänzcndcn! 310!0ך ver halfen da den. drücken wir in Dankbarkeit unsere! größte Bewunderung und Beredrung aus." 9ti)ireglr1)aza, 5. Aug. Die Bosheit giebt sich noch nicht für überwunden. Trotz des freisprcchcudcn Unheils, welches um so gewichtiger ist. als man dem (Gerichtshöfe keineswegs eine günstige Voreingenommenheil für die Dache der Angeklagten, zuschreiben darf, will man deren Unschuld nicht zugestchett. Der Bertreter der Privakklägeritt Szalay hat bereits dent Bizegespan angezeigt, dag er in Betreff des Reichenschmnggels im speziellen und eines schrecklichen weit angelegten Verbrechens furchtbare Entdeckungen gentacht habe. Er verlangte deshalb, weitere Nachforschungen von Seiten der hiesigen Sicherheitsbehörde. Der Herr Bizegespan aber schlug dieses Gesuch rundweg mit dem Bemerken ab: die Sicherheitsbehördc wäre bis jetzt in dieser leidigen Sache mir allzu oft getäuscht, ja sogar mißbraucht worden, dag sie fortan sich auf gar nichts mehr cinlasscn wxrdc; Herr Szalay tttöge sie nicht ferner mehr belästigen. — Gestern wurde in der hiesigen Synagoge der Freude uttd dem Danke gegen Gott über die Errettung uttd Befreittug Ausdruck gegeben. — Schott am Donnerstag waren die Frauen und Kinder der unschuldig Angeklagten bei Eötvös erschietteu, um ihm und allen Bertheidigern für deit Mmh, die Ausdauer und Hingebung bei der Berthcidiguug zu danken. — Noch am Freitag Nachmittag erhielten die sämmtlichcn Attgesehuldigten je l stO bis stOO Gulden, welche von Bester Israeliten zur Bestrcitung der ersten Bedürfnisse gespendet waren. — Eine Deputation der Juden des Szabolszer Kvmitats unter Führung des Abgeordneten Paul Matt dl traf hier ein ttnd dankte der Bertheidigung. U. Pr es; bürg, st. August. Das Urthcil in Olyiregvhaza ist zwar gesprochen, nicht allein gesprochen zn Gunsten der unglücklichen Märtyrer, sondern hat auch zugleich damit den Bernichtungsstrahl auf jene geschlendert, welche dieses traurige Drama inszcnirt haben — aber trotzdem oder fast vielmehr deshalb scheinen sie sich zu neuen Angriffen zu wappnen. So läßt sich wenigstens aus dem unmittelbar nach der Berkündignng des Urtheils hier Geschehenen schließen, Kaum war nätttlich die Kunde von der Freisprechung der Nyiregyhazaer Angeklagten in unsere Stadt gelangt, als man schon eitte gewisse unruhige Aufregung unter der Bevölkerung wahrnehnten konnte, welche um 0 Uhr Abends durch eine Ansammlung einer ungeheuren Menschenmenge in der Nähe der Indcngasse, auf den! Komitatsplatzc, ihren Höhepunkt erreichte. Da die Sache einen bedrohlichen Karakter auzunchmen drohte, so wurden kurz vor lo Uhr vom Schloßbergc aus auf Befehl des Korpskommandanten, Baron Eatty, st Allarmschüsse gelöst. Die Aufregung, welche in Folge dessen sich steigerte, war unbeschreiblich. Bon allen Seiten rückte das Militär heran, sogar aus bcu umliegenden Ortschaften kam die Kavallerie, die Hauptplützc der Stadt wurden von Militär besetzt und die Straßen gesperrt. Nun wandte sich der Pöbel, da er in die Iudenzasse, auf welche es eigentlich abgesehen war, nicht eindringcn konnte, gegen die Vorstadt Blumenthal, mußte aber auch von hier, von dettt aurückcudcn Militär hart bedrängt, nachdem ihm nur gelungen war, bei eiuigcn Anden die Fensterscheiben zu zertrümmern, nach kurzer Zeit abziehen. . So wurde binnen kurzem, Dank des energischen Eingreifens des Obergespans Grasen Stefan Eszterhazy uttd des Stadthanptmanns Koszehttba die Ruhe wieder hergestellt. — Die ganze Nacht vom st. auf den 4. August durchstreiften Patrouillen die Stadt. — Während des gestrigen Tages schien alles beruhigt zu sein. Der Magistrat erließ an demselben Tage einen Aufruf an die Bevölkerung und ׳ mahnte dieselbe, unter Androhung von Einschreiten mit Waffengewalt, jederlei Ansammlungen auf den Straßen zu vermeiden. So rückte in ziemlicher Ruhe der Abend heran, als plötzlich gegen l<> Uhr eitte wilde Rotte wüster (gesellen unter ״Esten Jstoezyl" - Rufen sich auf der Promenade in unmittelbarer Nähe des städtischen Bran Hauses versammelte. Es wurden mehrere Ber- Haftungen vorgcuommctt.' Militär rückte auf die Promc׳ na-c, worauf der Hanfe abziehen mußte. Nach etwa drei Stunden gelang cs dem Militär, des VürmcnS und Tobens — wobei vom Pöbel von einigen den Inden gehörigen Häusern die Fenstcrtafeln abgerissen wurden — Herr zu werden. Seitdem herrscht wieder Ruhe. Doch ist eitte ׳Wiederholung der Exzesse von gestern und vorgestern Nacht nicht ausgeschlossen. E n g l a n d. * London, 4. August. Ein Telegramm der ״N. fr. Presse" entwirft folgendes Stimmungsbild von der Aufitahnte des Nyiregyhazacr Urtheils: Die heute erschienenen Journale verurtheilen ausnahmslos ans Anlaß der Besprechung des ״Tisza Eszlarer" Falles die Zustände in Ungarn. Die ״Times" schreibt: Die Boruntersttchung war in diesem Prozesse ״die schmählichste Persekntiou", sic bildet eine ewige Schmach für Ungarn, denn eine zivilisirte ׳Regierung müsse eben nöthigcnfalls mit Gewalt ihre friedlichen Unter-׳ thancn vertheidigen, damit Sttlpidität nicht in Gewaltlhatcn ausarte. ״Daily News" und ״Standard" sagen, der ganze Prozeß war eine ״Parodie auf die Justiz", er beweise, wohin politischer Haß und Rcligionswahn

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