Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1883)
- Article
- Deutschland : Liegnitz [Nachricht]
- Date
- 1883-08-09
- Page
- 527 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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527 bracht ha den. Bei ihm gilt natürlich Moriz Scharf! als ein Muster einer edlen, braven Seele :c. :e. —! Doch der Herr Redakteur kann in seinem bedenklichen Zustande sich wenigstens damit trösten, das; er nach eine Anzahl Kollegen hat, die von derselben Krankheit befallen sind. — Hoffentlich hat der AuSgang des Prozcsscs a! f ihn, wie ans seine Leidensgefährten wie ein kalter Strahl gewirkt, so daß sic wenigstens die.Kosten eines längeren Aufenthalts in einer Kaltwasscranstalt gespart haben. Schweiz. 2lus der Schweiz. . In Anlaß der auch in den Spalten des ״Jeschnrun" besprochenen pcinlichcn St. Gallncr Affaire wird dem ״Frkf. Journal" aus der Schwei; Folgendes geschrieben, aus welchem zur Evidenz hcrvorgcht, daß auch im vielgerühmtcn und vielbesungenen Lande der Freiheit das Treiben von Edlen a la Stöcker und Genossen im vollsten Schwünge ist: ./Die Juden in Deutschland täuschen sich sehr stark, wenn sie glauben, daß cS ihnen in der deinokratischcn Schweiz besser ergehen würde, als anderswo. Man gewährt ihnen zwar den bürgerlichen Rechtsschutz, aber man läßt sic gar nicht aufkommen. Die Beispiele, daß Große Räthe in einzelnen .Kantonen ihnen die Bürgerrechts-Aufnahmen verweigert haben, bloS weil sic Juden sind, kommen häufig vor. Ich kenne nur ein einziges Beispiel, daß ein Jude zu Amt und Würden gelangt ist; in Basel ist nämlich einmal ein alteingesessener Jude Mitglied des Großen NatheS geworden, aber er galt beim Volke nicht für einen ״rechten" Inden, weil er Lithograph war. Ein jüdischer Händler oder Bankier oder auch ZeitnugSbcsitzer würde bei uns nie in einen Gcmcinderath, geschweige denn in den Rationalrath oder Ständerath gewählt werden. Das ist ganz undenkbar. Die Inden sind in der Dcnlokratie eben nur ״geduldet", und cs ist sehr zu befürchten, daß eines TagcS die Herren Demazogen genölhigt sein werden, ivcnn andere Schlagwörter nicht mehr ״ziehen", um ihre Macht zu erhalten, eine regelrechte ״Judenhetzc" zu inszeniren! Sollte aber dieser Fall einmal cintretcn, dann würden unsere jüdischeu Mitbürger, sowie alle ruhigen, ordnungsliebenden Schweizer eine stramme, energische Zentralgewalt nnd ein zuverlässiges stehendes Heer mit Schmerzen vcrmissen. Denn daö haben der berüchtigte Züricher Ton- Halle-Kravall, sowie in letzter Zeit wiederum der St. Gatter Judcnkrawall klar gezeigt, daß unser Souverän von keiner Obrigkeit mehr gezügelt werden kann, wenn er einmal ״wüthend" geworden ist. Komntt zu guterletzt militärischer Zuzug von außen, d. h. von anderen Kamoncn, dann ist das Unheil bereits regelmäßig geschchcn!" Oesterreich-Ungarn. & Wien, 29. Juli. Den statistischen Nachrichten über die Frequenz der hiesigen höheren Schulen entnehme ich folgende Daten: Die ״Wiener Handels- Akademie" zählt unter 588 Schüler 282 Israeliten, die ״ Staats - Ober - Realschule im dritten Bezirk" hat bei 295 Schüler 9ח israelitische. Das ״f. k. akademische Gymnasium weist bei einer Schülcrzahl von 588, 282 Israeliten, das ״Franz - Joseph - Gymnasium" unter 271) Schülern 107 Israeliten auf. Das ״Staatsgymnasium in der Taborstraße" wird von 595 Schülern besucht, darunter 598 Israeliten. Man sicht daS Streben jüdischer Eltern, ihren Kindern die möglichst beste Ausbildung zu Thcil werden zu lassen, ein Streben, welches bei jeder andern Klasse der Bevölkerung des höchsten Lobes gewürdigt wird, in den Augen der Schönerer und Genossen aber bei den Juden als Vcr-- brechen erscheint. Wir unsererseits hegen aber den lebhaften Wunsch, daß die jüdischen Eltern, wie sie für die allgemeine Bildung ihrer Kinder in anerkennungswürdigster Weise besorgt sind, auch für deren religiöse Ausbildung daS gleiche Interesse bethätigen möchten.- Leider, nur allzusehr ein frommer Wunsch! -n- Graz, 5. August. Zur Erhärtung seiner lieblichen Behauptungen in Betreff des ״rituellen Mordes״ hat der Advokat Szalay im Tisza-ESzlarer Prozeß aus eine angeblich von der Statthaltcrei von Stehermark kürzlich gegen einige Juden, die ein Ehristeukind gestohlen, erlassene Kurrende hingewiescn. Das wäre nun ganz schön, wenn es nur wahr sein möchte; aber die intcrcssantcslcn Geschichten haben bekanntlich nur allzu oft den einen traurigen Mangel, daß sie erdichtet sind. Und -Herrn Szalay's Angabe theilt diesen Fehler, dem würdigen Rechtsvertreter ist eS dieses Mal auf einen kleinen Widerspruch mit dem Thatsächlichen nicht angekommen. Der -Herr Statthalter ha! nämlich auf Ersuchen des hiesigen israelitischen .Kultusvorstandes dem Präsidenten des Ryiregyhazaer Gerichts sofort initgetheilt, daß der Vertreter der ,Frau Solymosi etwas behauptet habe, was nicht wahr sei. Ebenso ist Seitens der hiesigen Kultnsgemeindc das folgende Telegramm an Staatsanwaltschaft nnd Verthcidignng nach Ryircgyhaza gegangen: ״Die Aeußernng Szalay's über die Verfolgung zweier Juden wegen Kindesraubes ist absolut unwahr; die Kurrende der Statthaltcrei erwähnt der Juden gar nicht und bietet and) nicht den geringsten Anhalt für eine Verdächtigung derselben. Für die israelitische Kultusgemeinde: Gemeinde-Präses: Anton Spieler; Rabbiner: Di־. Mühsam." B. Prvszuitz, 8. August. Eine große Anzahl hier ansässiger Juden hat auf die stunde von der Freisprcchung in Nyiregyhaza folgendes Telegramm an den wackeren Vcrthcider E ötvöS abgcsandt: ״Dm genialen