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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 525

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1883-08-09
Page
525 (sequence 1)
Language
German
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M 32. Jeschnrutt. 525 Korrespondcitzcit und Nulhrilhtcil.! Deutschland. * Hannover, August. Wir erhalten die; folgende Zuschrift mit der Bitte, solche zu verössentlichcn: ״Mil Befremden umrde in dem in ׳Ar. :;1 enthaltenen Berichte über die Feier der Errichtung eines Denksteins auf dem Grude des Herrn Landrabbiner 1)1־. Metier die Anführung der Schlußworte in der Ansprache des Herrn Geh. Sanitätsrath Di׳. £ol)cu verinißt. Dieser Herr hat das Zirknlarschreiben verlesen, welches der Vorstand des Vereins zur Unterstütznng bedürftiger Schüler der hiesigen isracl. Lehrerdildnngsanstalt als Verwalter der beabsichtigten ״Landraddiner Dr. Meyer-Stiftung" erlassen und in welchem er znr Betheilignng an dieser Stiftung ansgefordert hat. Es dürfte doch wohl Pflicht der jüdischen Presse sein, van dieser warmen Empfehlung des Vorsitzenden unseres Vorstands für eine Stiftung zum Andenken des verblichenen Dt׳. Meyer Kenntnis; zu nehmen." Wir haben dieses Schreiben nicht zurückweisen wollen und fügen die Bemerkung hinzu, das;!vir die Absicht hatten, auf die ״Landrabbiner Du. Meyer-Stiftung" spater znrückznkommen, nachdem uns ׳Aachricht über den Erfolg dieses 'Rundschreibens zngegaugen tväre. Wir gedenken auch jetzt noch dieses zu thnn und wollen Haffen, das; man sich in hiesigen Kreisen recht zahlreich und mit recht ansehnlichen.Summen bei diesem Denk׳ mal, das besser ist als eins von Eisen und Stein, bctheiligen möge. -u- Berlin, August. Preis und Dank dem allmächtigen Weltenlenker, welcher schirmend und schützend gewaltet und der llnschnld den Sieg verliehen! Wer möchte nicht in diesen Preis und Dank einstimiuen? Wo gäbe es einen Menschen, welcher nicht mit uns sich freute ab des Urtheilssprnches in dem Komitats- Hanse zu Nyiregyhaza? So dachte ich — aber ich habe mich leider geirrt. Es giebt teilte, weiche den armen Duldern an der Theiß, die seit langen bangen fünfzehn Monaten int Kerker schmachteten und den schinipslichen Tod über sich schweben sahen, die wiedererlangte Ehre und Freiheit mißgönnen. — Die ״Allg. evangel. - lnth. Kirchenzeitnng" meint, eine bestimmtes Urthcil über Schuld oder llnschnld der Inden werde man sich nicht bilden können, dazu reiche die ungarische Rechtspflege nicht aus. — Die ״Germania" findet trotz des freisprechenden Urtheils und der langen Ver- Handlungen ״die dunkle Affaire von Tisza Eszlar noch heute nicht aufgeklärt", sie hat ״nicht die Ueberzengung von der Unschuld der Angeklagten gewonnen," sie kann sich nicht entschließen, Moriz Scharf als ein llngehcncr zu betrachten, und findet des Näthsels Lösung leichter in der Annahme, daß Moriz ״wirklich gesehen hat, was er sagt." Wie vorsichtig und weise und rücksichtsvoll für den wackern Moriz! Und die ״Krenzzcitnng", die dritte im Bunde, mahnt in der gleichen milden Weisheit: ״Wozu dieser Eifer" die Angeklagten für ״vollständig rehabilitirt" zu halten? Die Sache ist ja noch gar nicht ans. Ver Vertreter der Privatklägerin, Herr Szalay, hat ja die Revision angemeldet und die Komitatsbeainten haben Di׳. Henmann wegen Bcleidignng verklagt, ebenso schwebt auch noch die Sache gegen Onady wegen Bedrohung des Staatsanwalts Szeyffert, also — abwarten. kein voreiliges Urtheil. ״Es ist möglich, daß hiernach Manches aufgeklärt wird", namentlich, da auch noch der Mcineidsprozeß gegen zwei Zeugen, welche ihre beschworene Anssagen widerrufen haben, znr Entscheidung kommen muß. — So die drei frontmen Blätter in ihrer Verarbeitung des interessanten Stoffs. Ein anderer ingeniöser Kopf hat diesen ״Stoff" ebenjalls rasch verarbeitet und kündigt ״Esther Solymosi" als ein ״Sensationsdrama" an. 01. Hahn heißt der Dichter. Ein jeglicher nach seiner Manier und seinem Gusto. n- Bremen, 7. August. Ich sende Ihnen hieneben eine Betrachtung der hiesigen ״Weserzeitnng" über den Tisza Eszlarer Prozeß, welche um so beachtenswerther für gewisse Kreise sein dürfte, als mau dieses Drgan am wenigsten mit dem jetzt modern gewordenen Titel ״jüdisch-fortschrittlich" beehren kann. Die Weser- Zeitung ist weder jüdisch, noch fortschrittlich. Sic schreibt: ״Das Drama von Tisza-Eszlar ist gleichsam die Blüthe der antisemitischen 'Bewegung gewesen, und deshalb ist cs nicht Ungarn allein, auf dessen Namen die Schmach fällt. Es ist!vahr, daß der Prozeß nebenher eine Reihe ungarischer Eigeuthümlichleiten zu Tage gefördert hat, welche sehr dazu angethan sind, den magyarischen Stolz zu demüthigen. Aber das was überbleibt,!venu man von den asiatischen Gepflogenheiten ungarischer Polizei- Verwaltung und Strafrechtspflege absieht, dasjenige, was den eigentlichen Inhalt des Prozesses gebildet hat, ist nicht mehr so spezifisch ungarisches Gewächs, daß man diesseits der Leitha seine Hände in Unschuld ivaschen und ansrnfen dürste: Wir haben nichts zu schaffen mit diesen llngcrechten! Der Vettheidigcr Eötvös hatte nicht llnrecht, wenn er behauptete, die Pflanze des Judenhasses, an welcher diese giftige Frucht sich entwickelte, sei nicht in ungarischem Erdreich gewachsen; ans Rußland und Deutschland sei sie cingcführt worden. In den halbbarbarischen Zuständen der Kornitate an den Ufern der Theiß fand die Pflanze einen üppigen Boden, in welchem sie sich besonders abschreckend entfaltete: aber es ist sicher nicht die Tugend der deutschen Hepphepp-Nnfer gewesen, was auf unserem Boden ein so wüstes Auswnchern verhindert hat. Glücklicherweise

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