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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 513

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
Der Priester oder Kriegsbogen, Pflock und Eckstein
Date
1883-08-09
Page
513 (sequence 2)
Language
German
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513 Gegensätze zu ihm steht der Vertreter der GesctzcStrcue oft in einer Umgebung, die anderen Grundsätzen huldigt, und dort, ohne jede Ermnthigung, ohne Hoffnung auf Anerkennung, mit dem Bewußtsein, jeden Augenblick einen Gegensatz zu Allen zu bilden, kämpft er für dieselbe Sache, die er in jedem anderen Kreise ebenfalls emporhalten würde; sein Auge ist lediglich ans das Wachsen des jüdischen Bewußtseins, nicht als jüdische Kraftempfindung hinsichtlich des Stammes, sondern als Gefühl des Zusammenhangs mit dem Ewigen, mit seiner Gemeinde und seiner Thora, gerichtet. Er ist der wahrhaste קשת מלהמה, der Kricgsbogen in Gottes Hand, der vom Ewigen selbst seine Richtung empfangen, der sich dessen bewitßt ist und die Zwecke Gottes, seines Lenkers, unbekümmert um den eigenen Bor- oder Rachtheil, mit Entschiedenheit wahrt. Ihm wird selbst der Gegner die Achtung nicht versagen, und ans die Dauer kann seinen ernsten Bestrebungen der um der ihm heiligsten Sache willen gewünschte Erfolg nicht auSbleiben. Worin dieser bestehen kann? Das wird uns die weitere Betrachtung der prophetischen Bilder lehren. ״ מנעוauS Israels eigener Mitte, aus dem Geiste und den Empfindungen Israels heraus," -!״?תwühlt sich der Ewige seinen Pflock." ES ist ein unscheinbarer Gegenstand, den der Prophet hier mit dem Priester, vergleicht; unscheinbar und wcrthloS an sich selbst, aber wie wichtig durch seine Verwendung! Beim. Baue dient der Pflock dazu, die Balken mit einander in Verbindung zu bringen und unsichtbar die Festigkeit des ganzen Gebäudes zu erhalten. Nur so lange er bescheiden sich im Holze verbirgt, ist er wcrthvoll und dient seiner Bestimmung; sobald er aber ehrsüchtig sich aus dem Ganzen hcrauSzuziehen, sichtbar zu werden und für sich selbst etwas zu gelten sucht, wirft man ihn als nichtigen Gegenstand bei Seite. Darum müßte der Pflock eS wohl wissen, daß das Zusammenhalten des Gebäudes seine eigene Werthschätzuug bedingt, daß, wenn irgendwo Spalten klaffen, er sich so bald wie möglich bemühen muß, tiefer hineinzudringcn und die einzelnen Theile fester mit einander in Zusammenhang zu bringen. (yorrüpung folgt.) Das Drlheil im Tisfa-Eszlarcr DrM Nyircgyhaza, .1 August. Der langersehnte Augenblick der Lysis des großen Dramas von TiSza-ESzlar ist gekommen und mit Blitzescile wird der Telegraph die Kunde davon der ganzen zivilisirten Welt gebracht haben. Doch glauben wir, daß cS nicht das Urthcil an nnb für sich ist, dessen die Welt mit Spannung harrte, da jeder vernünftig denkende Mensch von dem Bewußtsein durchdrungen sein mußte, daß das Urthcil kein anderes als ein freisprechendes sein konnte. Vielmehr war cs die Art und Weise der Motivirnug des frcisprcchenden UrtheilS, welcher wir und mit uns die gcsammtc Judcnheit Ungarns mit ängstlicher Spannung cntgcgeusahcn. Handelte cs sich doch darum, allen und jeden Vcrdacht auch nur der Möglichkeit eines derartigen Verbrechens verschwinden zu machen, auf daß selb t die enragiertcstcn Antisemiten nicht wagen dürften, auf diesem Fall fußend, ihre verderbliche Agitation fortzusetzen. Wir waren uns wohl bewußt, welcher Dinge wir unmittelbar gewärtig sein mußten, wenn nicht das dtirch hirnverbrannte Fanatiker heraufbeschworcne mittelaltcrlichc Gespenst ohne auch nur einen Schatten zurück zu lassen vor den Augen der Welt in Nichts zerfließen würde. Die Ereignisse, welche sich am Vorabende des großen TagcS hier abspieltcn, ließen keinen Zweifel mehr darüber auskommen, daß der Feind in der Nähe und zu einem etwa anSzuführcndcn Eonp bereit sei. Gestern Abend waren in dem Hanse des hiesigen Kaufmanns Stern, Bruders des VcrtheidigerS Dr. Szekcly, eine Anzahl angesehener Personen beisammen. Die Genossen Istoczy'S und Onody'S mußten in Erfahrnng gebracht haben, daß auch der Staatsanwalt Szeiffert und die Vcrtheidiger EötvöS, Hcumann und Fuutak sich daselbst befanden; denn nur diesen zu Ehren konnte die liebenswürdige Ovation, bestehend in dem Einwcrfen diverser Fensterscheiben dcS Stern'schcn HauseS in mitternächtlicher Stunde veranstaltet sein. Daß die heute Morgen in der Stadt sich verbreitende Kunde von diesem Ereigniß eine gewisse Aufregung hervorrief, war nicht zu verwundern.׳ Die Spannung wuchs von Stunde zu Stunde. Die Stadt, welche in den letzten Wochen ihren sonst so ruhigen Karakter abgelegt hatte, bot heute ein Bild der Unruhe dar, wie an keinem der vergangenen Verhandlungstage. Von allen Theilcn der nächsten Umgebung waren die Leute, unter denen besonders viele Großgrundbesitzer und Edclleute aufsielen, hcrbcigecilt, um den Spruch mit eigenen Ohren aus dem Munde des Präsidenten zu vernehmen. Je näher die entscheidungsvolle Stunde hcranrückte, um so mehr wuchs der zum GcrichtSgcbüudc sich wälzende Strom der erwartungsvollen Menge. Als ich um 10 Uhr in den Gerichtssaal trat, war derselbe fast schon überfüllt. Insbesondere waren die Damen zahlreicher als sonst vertreten. Ans Aller Gesichter las man den Ansdruck spannender Erwartung. Da öffnete sich Plötzlich die Thür. Die Helden des TagcS, oder vielmehr die armen Märtyrer erschcineu. Aber wie ganz anders blicken sie heute umher? Nicht mehr stumme Verzweiflung, sondern freudige Zuversicht auf den Triumph ihrer Unschuld lagert auf

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