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Jeschurun · 1883-08-02 · Heft 31 (2.8.1883) · p. 507

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 31 (2.8.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1883-08-02
Page
507 (sequence 2)
Language
German
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507 Nach diesem Visum repertum soll nämlich die That durch Einschnitt in die Halsader ge sch eben sein, ohne das; die äußere Haut eine Bertetznug zeigte, deßhalb daher als gefälschtes und imgcsctztiches Beweismittel vollkommen abgciviesen ivnrde. Ndnhdem schließlich das Geständnis; der Jüdin Sarah Abraham, das mit Schlägen erpreßt wurde, verglichen mit den Anssagen der übrigen Zeugen, mit der Untersuchung der Reiche an und für sich einen offenbaren Widersprich 1111b eine handgreifliehe Unmöglichkeit der That involvirt, sind die divergirenden Urtheile der ersten Foren ubzuüuderu, die angellagten Juden von der Anklage des imputirten Todtjchlages loszuzähleu, hingegen der Vizc-Eomes Buedoeskiili und die übrigen Komitats Beamten, ivelche die llntersuchimg mit dein Perjeer Einwohner Michael K-octeles, wie mit der Frau Sarah geführt: ferner der .stomitats-Ehirurg Johann Fueleki, die in diesem Pro-;esse gegen die a. h. Verordnungen gegen ihre Anus- Pflicht und im Gegensätze zu ihrem Eide gehandelt haben, einer Fistal - Aktion zu unterwerfen. Das k. Giiberiiiiim möge aber nicht versäumen, nachdem es die uöthigen Vorkehrungen hiezu getroffen, für die Durchführung dieser a. h. t. Entscheidung Sorge zn tragen. Der übrigens mit unveränderter t. t. und fürstlicher Huld und (Gewogenheit verbleibt. Wien, 23. November l7!15. Graf Samuel Tekcki m.ן». Johann stronenthal m. p. * Hnunover, 1. August. In dem Augenblicke, wo diese Blätter dem Vefer;ntommen, ist möglicher Weise bereits das Unheil in dem Tisza-Eszlurer Prozeß gesprochen. Der Staatsanwalt und die Bertheidignng haben in glänzenden Plaidoyers das Fazit der langwierigen Verhandlung gezogen, welches die Anklage in ihrer vollständigen Nicht igle! t gekennzeichnet hat. Ein jüdischer Triinltillwlö. Bon A'aphtali Timon. IV. Ein anderes weises Wort lautet folgendermaßen: Warum hat der Mann sich sein Weib zu suchen, nicht aberdas Weib den Mann'? Weil der Mann seine Seite verloren hat und sie im Weibe wiederfiudet, das Weib aber nichts verloren hat. Das Weib soll sich suchen lassen, als die Ergänzung des Mannes. — Wißt Ihr, Meisterin, warum so manche Ehen uuglück-!ich sind? Weil der Mann nicht die rechte Frau gefnndcn, weil er sich geirrt und eine ihm nicht gebührende Seite sich zugesellt hat. Denkt Euch nur, Manu und Weib gehören so sehr zusammen, daß sie nur vereint ein Menschcnweseu darstellcu, wie ja auch das Sprichwort jagt: Mann und Weib sind ein Leib; — wenn nun in diesem ״Leib" eine falsche Seite eingcfiigt ist, dann giebt es ein Unbehagen, dann ist in diesem einen Menschenwesen leine Uebereinstimmung der einzelnen Theile, dann entsteht Zant und Streit. — Darum würde es für uns Beide lein Glück, sondern ein Unglück sein, wenn wir uns verbinden wollten; und Ihr habt Euch ganz bestimmt geirrt, werthe Frau, da Ihr vermeintet, cs wäre eine höhere Fügung, das; ich die Stelle Eures seeligen Herrn einnehmen sollte." Einige Tage nach dieser Unterhaltung schnürte Joel sein Näuzel und wunderte zn dem Thore der Stadt hinaus, in welcher er zufriedene Jahre verlebt hatte; — er vermochte cs nicht zu ertragen, daß die Meisterin bcschämt die Augen niedcrschlug,!venu sie seiner ansichtig ivnrde und fand cs unschicklich, in einer anderen Werkstättc des Orts Arbeit zn suchen. Das Felleisen war nicht schwerer, der Geldbeutel nicht voller geworden während der Gcselleujahre. Wohl aber fand Joel, daß die Menschen innerhalb der vcrslosseneu sieben Jahre eine unfreundlichere Gesinnung gegen die Juden augeuommen hatten. Es schien, als ob das Joch der Franzosenherrschaft nur abgeschüttclt sei, um den Israeliten neue Fesseln anznlegcn, und das wiedererwachte deutsche Nalioualbewußtfein sich iu der Lieblosigkeit gegen den jüdischen Mitbürger zu bethätigeu suchte. Joel wollte arbeiten und verstand zu arbeiten, aber dem jüdischen Gesellen verschlossen die ehrsamen Handwerksmeister ihre Werlstcllcn, und fand sich endlich einmal ein Meister, welcher eine Ausnahme machte und ihn zuließ, so erhoben sehr bald die Nebengcsellen Einsprache gegen das Verbleiben des jüdischen Arbeiters und nöthigten den Prinzipal, Joel ״fremd zu machen." So zog dieser von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt: — Brod und Branntwein waren seine einzige Nahrung und oftmals der Nasen unter freiem Himmel seine Herberge, weil ihm der Groschen fehlte, ein Nachtquartier zu bezahlen. Zu ״fechten", nach Handwerksbrauch, oder die Barmherzigkeit seiner Glaubensgenossen anzuregcu, war er zu stolz; aber es bemächtigte sich seiner häufig eine düstere, der Verzweiflung nahe Stimmung, in welcher der Branntwein sein Tröster war. Wohl gelang es ihm, sich immer wieder emporzuraffen und mit erneuter Anstrengung Arbeit zu juchen, aber vergebens, — er fand keine Stätte, die ihm Aussicht ans!)ruhe gewährte. Sechs Monate lang war er gewandert; müde und abgespannt, gebrochenen Muthcs, arm und abgerissen kam er zur Heimath zurück. Hier wollte er bleiben; hier konnte er nicht ״fremd gemacht iverdcu"; hier mußte man ihn dulden. .Fortsetzung folgt.)

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