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Jeschurun · 1883-08-02 · Heft 31 (2.8.1883) · p. 505

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 31 (2.8.1883)
Article
Deutschland : Biebrich [Nachricht]
Date
1883-08-02
Page
505 (sequence 1)
Language
German
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M 31. Jeschnrun. 505 Korrespondcuzen und Nuchrichtcu. Deutschland. li. Biebrich, 25. Juli. Die Kinder des bereits vor längerer Zeit verstorbenen Herrn Sander spendeten der hiesigen Synagoge znin Andenken an ihre Ellern einen herrlichen Thoramantel, ein wahres Meisterwerk der Stickknnst ans dem Atelier der ans dem Gebiete der Goldstickerei berühmten Breslauer Firma Isidor und Nosalie Reiter. □ Aafsel, 26. Juli. Unter den Judenfeinden, Antisemiten genannt, befindet sich leider auch ein seltenes Exemplar — ein Jude, Joseph Barnhagen, welcher sich nicht scheut, die Prcßerzengnisse der antisemitischen Propaganda, als: ״Geldmonopol" und ״NeichSgcldtnonopol" cinsig zu verbreiten. Derselbe hatte kürzlich den geistreichen Einfall, Plakate an Straßenecken und Anschlagssäulcn durch Anfdrücknng eines Stempels mit den Inschriften: ״Die Juden sind Halsabschneider", ״Kauft bei keinem Inden", ״Inden 'raus" zu vcr-- schöncrn. Anßerdcnt hatte er vor dem Hause des Herrn Nuß bau m aufreizende Reden geführt. Für diese Heldenthaten hat ihm das Schöffengericht eine Auerkennung in Gestalt einer Strafe von 20 v\i, eventuell 5 Tage Haft gewidmet. % Schönebeck, 27. Juli. Ein jüdisches Engrosgcschäft in Leipzig war bei einem hiesigen christlichen Trödler ״hercingefallcn". Der Reisende des leipziger Hauses hatte nämlich der Frau des Trödlers, welche sich als Inhaberin des Geschäfts ansgab, Maaren vcrkauft und über deren Betrag Wechselnkzepte empfangen, welche nicht eingingen. Es wurde demgemäß Wechselklage erhoben und zur Pfändung geschritten, gegen welche jedoch der Ehemann der Handelsfrau wirksam die Jntcrvcntionsklage anstrengtc. Die geschädigte Firma leitete nun die Klage gegen die Frau und deren Sohn, welcher die Maaren mit ausgesucht hätte, ein. Der Anwalt der Beklagten, Jnsiizrarh v o n F r a n k en b er g ans Magdeburg, neachte gegen den Kläger und deren Handlungsreisendcn geltend, daß die ״Israeliten" ganz eigene Knnstgriffe und Praktiken zur Berwerthnng ihrer Maare gebrauchten. Er ward jedoch von dem Amtsrichtcr deswegen zurcehtgewiesen. Es ist jedenfalls eigenthümlich und zeigt von großem Scharfsinn, daß Justizrath von Frankenberg solche Einreden erhebt, wo doch die jüdische Firnta die ״geleimte" ist. A Posen, 29. Juli. In gewissen Kreisen herrscht große Trauer und Entrüstung darüber, daß an dem hiesigen Marie - Magdaleucn - Gymnasium vielleicht ein Jude Aussicht hat, als Lehrer angestellt zu werden. ״Im Posenschcn scheint die Acra Falk noch immer nicht überwunden", seufzt die ״Germania". Mir glauben, daß sic ohne Grund klagt; bevor der jüdische Lehrer nicht insiallirt ist, zweifeln wir noch immer, ob cs zu seiner Anstellung kontmcn wird. Mslia Würzbnrg, 29. Juli. Wenn der Wohlthätigkeitssint! bei unseren Glaubensgenossen allgcntcin bekannt und daher nicht besonders hervorgchobcn zu werdeit braucht, so verdienen doch einzelne besondere Bethätignngen desselben öffentlicher zur Nachahmung ausfordcrnder Anerkennung. Herr Moriz H. Fränkcl hat bei seinem Wegzüge von hier nach Frankfurt a. M. der Gemeinde 1000«//׳ zngedacht mit der Bestimmung, daß alljährlich am Peßach ans den Zinsen Mazzos für die Arnien bestritten werden; ferner 700,.//'. dem jüdisehen Seminar, sowie endlich allen israelitischen Wohlthütigkeits-Bcreinen, deren Zahl nicht gering, je 100 Jt. In Frünkel verliert die Kultnsgenteinde ein nicht so leicht zu ersetzendes Mitglied. Denn derselbe, seit vielen Jahren Vorstand der israelitischen Erzichnngs- und Unterrichts-Anstalt, der er mit ganzem Herzen zugethan war, ergriff jede Gelegenheit mit Freuden, wenn cs galt, gute Werte ins Leben zu rufen, Arme zu unterstützen, sowie jeder religiösen Sache sich warm anzunehmen. Oesterreich-Ungarn. -r- Prag, 22. Juli. Professor N ohli n g und der Pseudonym Justus, würdiges Diosknrenpaar, auch ihr werdet sicherlich unter die Gestirne versetzt, auch euch wird man als Meister der Gymnastik verehren, und im Kampfe der Lüge mit der Wahrheit wird die Erstere euer Symbolum stets vorantragcn: zwei Balken durch Querholz vereint, sich gegenseitig stützend und ergänzend, weil sie außer in sich nirgend Unterstützung finden. Rohling beruft sich auf Justus und Justus baut auf Rohling! — Herr Dr. G u g c n h c i m e r hat in dieser Zeitschrift sich der Mühe unterzogen, den Justns'schen ״Judenspiegel" als einen Spiegel der Lüge und der Bosheit zu kennzeichnen. Rohling aber verläßt sich doch ans Justus und hat sich in seinem Geschäfte nicht stören lassen. Jetzt haben Männer von europäischem Dinfe sich wiedernm öffentlich gegen ihn gewendet. Professor Wünsche schreibt am 29. Juni u. A.: Rohling sei ganz verdreht geworden durch das Justus'sche דם בתולים. Man müßte über dessen Bornirtheit lachen, wenn nicht eine so fürchterliche Tragik dahinter verborgen läge. ״Wenn Rohling beschwören will, daß die Juden Ehristenblnt gebrauchen, so bin ich bereit zu schwören, daß sie keines gebrauchen. Es sindet sich nicht eine Spur einer solchen Borjchnft im gesummten jüdischen Schriftlhnm; weder im Talmud, Midrasch, noch im Schnlchan-Aruch." Und. Professor Franz Delitzsch nennt Justus' Enthüllung geradezu Wahnwitz und Lüge und entpsiehlt den: Paderborn er

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