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Jeschurun · 1883-08-02 · Heft 31 (2.8.1883) · p. 495

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 31 (2.8.1883)
Article
Der Priester oder Kriegsbogen, Pflock und Eckstein
Date
1883-08-02
Page
495 (sequence 2)
Language
German
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495 ״Du aber, Moses, nimm mit Dir den Aharon, Deinen Bruder und seine Löhne mit ihm," und von woher sollten diese Priester kommen'? ״ans der Mitte der Kinder Israels selbst." Und vorher führt der Midrasch zur Erklärung das Wort des Secharja an: ממנו פנה ״ ממנו יתד ממנו קשת מלחמהAns Israel selbst wird der Eckstein gewählt, der Pflock und der Bogen des Krieges." Die Seifen bieten uns hier drei Bilder, in deren Darlegung uns das Wesel! und der Zweck des Priesterthnms klar werden wird. ״ ממנוaus seiner eigenen Mitte, ans dem Volke, dem Geiste und den Empfindungen Israels selbst" ״ קימת מלחמהwählt sich Gott seinen Kriegsbogen." Der Priester ein Kriegsbogen'? Denn selbst wenn wir hierunter die einstigen Kämpfer Israels verstehen sollten, wie konnte von unfern Weisen dies Bild mit jenem Weihegebote der Thora in Verbindung gebracht werden'? Haben wir hier vielleicht den Begriff einer engherzig für ihren Vortheil, für ihre eigene Größe kämpfenden Priesterschaft vor uns, die das Heiligthum nur als Mittel zur Erreichung selbstsüchtiger Ziele benutzt: die den Geist des Volkes von ihren Glaubensgeheimnisscn und von ihrem inneren Treiben ablenkt, damit der Pfeil um so sicherer sein Ziel erreiche'? Würde da nicht mancher hämische Seitenblick die ernsten Vertreter der Gesetzestreue treffen, in denen man eine derartige Priesterschaft vermnthet, im Gegensatz zu den Vertretern der modernen Zeitströnumg, welchen lediglieh die reinsten Ziele zugetraut werden. Was ist denn aber ein Bogen? Vielleieht ein Werkzeug, das sich selbst lenken, seine Richtung beliebig verändern kaniG Bedarf es dazu nicht der Absicht und der Hand des Bogenlenkers'? Dient der Bogen sich selbst, oder ist er nur der treue Gehülfe dessen, der ihn lenkt? -Forlsetzuug folgt.; Ans der crste» Hälfte imsercs JahrhnndertS. (Nach einer wahren Begebenheit) Sriedricü Aott. ('llk “crluljaltcn) (Fortsetzung.') ״Jetzt red's! wie 'n dalkeder Bauer, weißt's gut, wie die Marie über so was denkt. — und wenn Du so kommst —" ״I komm' schon nie mehr so," erwiderte, er indem er den Hut zur Erde warf und sich mit der Hand über die Stirn fuhr, an der große Schweißtropfen Perlten. ״Weiß der Destel, 's ist heut schwül wie im Fegefeuer, und wenn einem da noch so was in die Quer kommt. — Aber sag', Marie, wie lang danert'S denn das ver-Passah fest?" ״Nenn Tage," versetzte sie, ohne den Blick zu ihm zu heben. ״Nenn Tage? Alsdann rvegen dem willst fort?" ״Aber neun Tage nicht essen — das geht doch nicht." ״So gescheidt bin ich selber. Aber ich bin noch gescheidter. Den Tag vor'm Passahfest bring ich die Marie irgendwo hin, wo 's Juden giebt und wenn 's Passahfest aus ist, hol' ich sie wieder heim. Gelt? so wird's recht sein?" und er rieb sich vergnügt die Hände. ,,Das ist gescheidt'" rief die Blinde freudig, ״gelt, Marie, so soll's sein?" Und Mirjam — hätte sie widersprechen sollen? — Hier war ihr Unterkommen und Unterhalt gesichert, und ob sie das auf die Dauer in B.z finden würde, das war doch immerhin uoel) zweifelhaft. Und anßerdent hing sie mit der Zuneigung einer Tochter an der Blinden und sie wußte, deren vorhin ansgesprochene Worte enthielten nur allzuviel Wahrscheinlichkeit, sie hatte sich in den verflossenen Neonaten allzusehr an die beständige Anwesenheit des jungen Mädchens gew'öhnt. Zwar fragte sich Mirjam, ob dieser dauernde und von jetzt an freiwillige Aufenthalt unter Nichtjudcn vom religösen Standpunkt auch gerechtfertigt wäre — doch sie konnte sich das Zeugnis; geben, daß sie auch in dieser Uingebnug wissentlich kein Gebot übertreten. So gab sie denn nad) kurzer Ueberlegung ihr Wort, nach Schluß des Pasjahfestes wieder zum Seidlerhof zurückzukehrcn. Der Bauer jauchzte laut auf und sprang in seiner Herzensfreude über den fußhohen Steinhaufen, der vor ihm lag. Er war sich längst darüber klar geworden, welche Gefühle es waren, die das schöne Mädchen, das von Woche zu Woche sich herrlicher entfaltete, in seiner Brust erweckt hätte. Er liebte sie — liebte sie mit der ganzen Gluth eines reinen, unverdorbenen Herzens. Das war nicht jenes Gefühl, das er für die Aozena empflinden, die es zwar auch verstanden hatte, hin und wieder sein Blut in Wallung zu bringen — aber eben nur sein Blut. - Doch die Liebe, die er für Mirjam empfand, war so rein, so keusch, er wähnte sie vollständig frei von jeder sinnlichen Regung. Und dennoch war es ihm gewesen, als wolle die Sonne verlöschen, als er erfahren, daß sie beabsichtige, sein Haus zu verlassen. — Nein, leben ohne sie in der Nähe zu wissen, das erschien ihm unmöglich. Was daraus werden sollte? — er Protestant und sie Jüdin? — Er wußte es nicht — er fragte eS sich auch nicht. Er verlangte doch auch nichts von ihr, er

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