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Jeschurun · 1883-07-26 · Heft 30 (26.7.1883) · p. 486

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 30 (26.7.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1883-07-26
Page
486 (sequence 2)
Language
German
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486 fünf Jahren bestraft. Wurde jedoch die Gewalt oder die gefährliche Drohung zu dem obcubczcichncten Zwecke nur durch eine einzelne Person begangen, so tritt Kerker bis zu drei Jahren ein." In Folge dessen und nach ernsten Schritten seitens des Staatsanwalts und der Berlheidigung wurde der Gerichtspräsident dazu gedrängt, vor Beginn der nächsten Sitzung eine energische Erklärung abzugebcu, welcher sich die ofsizicttc Anzeige des Staatsanwalts anschloß, so daß gegen den Altentätet* das Strafverfahren eingeleitet werden wird, insofern ihn nicht die Jntmnnität als Rcichstagsabgeordneter schützt. Zugleich hat der Ministerpräsident Tis za den Obcrgespan des Sznbolescr KomilalS aufgesorderr, für die Aufrcchthaltnng der Ordnung Borkehrungen zu treffen. Dieser erließ ein diesbezügliches schreiben, in welchem Jeder, der den Gerichtshof, Staatsanwalt oder die Bcrtheidigcr bedrohcit sollte, mit der sofortigen nnnachsichtlichen Anwendung deS Gesetzes verwarnt wird. — Herr Szeyfsert wollte von der Fnnklionirnug in Nyircgyhaza znrücktreten; der Oberstaatsanwalt Kozma hat ihn jedoch znm Verbleiben veranlaßt, ihm aber zugleich anhcimgegcben, sofort abzurciscn, falls der Präsident nicht in ausgedehntester Weise für Ruhe und Ordnung fernerhin Morgen sollte. — Es soll wegen dieser Sache zu einem Konflikte zwischen dem Justizminister Paul er, welcher die Anschauttngen des Oberstaatsanwalts nicht thcilte. und Herrn Kozma, sowie zwischen den Ministern Paulcr und Tisza gekommen sein. Nur nach Widerltrebcn habe sich Herr Pauler gefügt. Man spricht trotzdem von einer Demissionirnug des JustizministerS. — Jnztvischen haben zwei Entlastungszeugen ihre beschworenen Aussagen revozirt und sehen einer Anklage auf Meineid entgegen. Ferner hat der Gerichtshof trotz deS entgegengesetzten Antrags deS Staatsanwalts den sehr verdächtigen Zeugen Mathey beeidigt. Die Verhandlungen werden im Bcwcisverfahren Voraussichtlich an! 23. d. MtS. zu Ende geführt Wichtig wird noch sein, ob der Kronzeuge Moriz Scharf beeidigt werden wird. Am 24. Juli soll die Verhandlung ausfallen: am 2f>. sollen die PlaidoycrS beginnen, so daß spätestens am 7. August das Unheil verkündet werden wird, vorausgesetzt, daß der Gerichtshof die längste zulässige Frist für die UrlheilSschöpfung in Anspruch nimmt. — Gegen den Bizestadthauptmann KovaeS ist die Disziplinarnntersuchung eingelcitet, weil er Pflichtwidrig mit der Anzeige deS Attentats an die Obergespanschast einen Tag gezögert hat. Frankreich. X- Paris, 20. Juli. Die ״Ncpubl. fram׳." giebt den ungarischen Gästen folgende Mahnungen auf den Heimweg mit: ״Die ungarischen Reisenden, welche anläßlich des NationalfestcS Paris besucht haben, werden nicht nur die Erinnerung an die herzliche Gastfreundschaft mit sortuehmeu, die ihrem Verdienst und der Sympathie unseres 2andeS für daS ihrige gebührte, sondern sic werden mir dem Eindrücke nach Pest zurückkehren. daß der scheußliche Prozeß von TiSza ESzlar alle Freunde Ungarns, alle Gerechte, denen nichts Menschliches fremd sein darf, tief betrübt hat. Victor Hugo, Henri Marlin, Ferdinand von LessepS, diese großen Franzosen, welche die Ungarn ehrfurchtsvoll bestecht haben und von denen sie mit aufrichtigem Wohlwollen tvillkommen geheißen wurden, haben ihnen imnter und immer wieder gesagt!: .,Die gegen den unglücklichen Tempeldicncr von TiSza- ESzlar gerichtete Anschnldig'.ntg erscheint uns Allen ohne Unterschied der Partei und des Glaubens als eine gehässige Bosheit. Wir waren für die Menschheit empört und für Ungarn betrübt darüber, daß in einer zivilisirtcn Zeit, ein Jahrhundert nach der Revolution, das Mittelalter mit seinem wüsten Gefolge von Folterquälen und Unduldsamkeit eine letzte Gelegenheit finden konnte, sich in dem Laude Arpad's zu zeigen. Das Mittelalter muß für alle Zeilen zurückgedrüngt werden!" — Wir hegen die tiefe Ucberzcugung, daß unsere lieben Gäste bei ihrer Heimkehr nicht ermangeln werden, ihren Mitbürgern zu erzählen, wie der Prozeß von Tisza- ESzlar cinmüthig bcurtheilt wird, und der beredten Stimme des edlen Jüngers Voltaires, welcher der Advokat EötvöS heißt, ihre entrüsteten Stimmen zur Ehre des Vaterlandes und zum Siege der Gerechtigkeit beizugcsellcu." Belgien. * Brüssel, 17. Juli. Während der TiSza- ESzlarcr Prozeß die Aufmerksamkeit der ganzen Welt ans sieh zieht, schreibt mau der ,,Franks. Ztg.", gehen Vorkommnisse, welche dergleichen Anklagen nnb Prozestc erklären, unbemerkt vorüber. Hier zieht alljährlich, wie cS auch vorigen Sonntag wieder geschah, eine Prozession anS der katholischen Haupltirche aus, um ein im Jahre 1370 geschehenes ״Wunder" mit obligaten Jndenverbrennnngcn zu feiern. Die Inden sollen zu jener Zeit Hostien gestohlen und durch Nadelstiche Ströme Blutes dem Gebäck entlockt haben. Wenn die Erinnerung an die durch mittelalterlichen Aberglauben ״zum größeren Ruhme Gottes״ begangenen Verbrechen auf diese Weise noch in den höchstzivilisirteu Ländern wach gehalten wird, so ist cS nicht so sehr zu vcrwundern, wenn in den erst halbzivilisirten Ländern Anklagen, wie die von TiSza-ESzlar erhoben werden. N ußland. Petersbur;;,!8. Juli. Die hiesige Judeuschaft hatte die Ehre, bei Gelegenheit deS fcierlichen Empfanges zur Beglückwünschung unter den anderen

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