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Jeschurun · 1883-07-26 · Heft 30 (26.7.1883) · p. 485

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 30 (26.7.1883)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1883-07-26
Page
485 (sequence 1)
Language
German
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m 30. Ieschurun. 485 Korrespöirdcilzcil 1t1t& Nlührichte!!. Deutschland. -ii- Berlin, 23. Juli. Auf bcm mit achtem, unverfälschten ״Antisemitismus" gedüngten Acker der ״Krenzzeitiing" gedeihen gar wuudersaiuc Früchte. Die furchtbaren Enthüllungen, welche in dem &omitat*l)aujc zu N'yiregyhaza in diesem Augenblicke die ganze zivilisirte Welt mit Entsetzen und Entrüstung erfüllen, ob der tiefen Gesunkenheit und Barbarei, für welche das geheiligte Gewand der Justiz der Deckmantel sein sollte, lassen die unter frommer Devise anftretende Zeitung nicht kalt, Gott bewahre, im Gegenthcil, sie erregen auch ihre Entrüstung, aber nicht gegen die Bary, Peezely, Reezky, Bah und Genossen, sondern gegen die Presse, welche diese Mwsteres de la justiee 11011gT0ise in alle Enden der Windrose trägt. Und natürlich läßt sie sich ans Ungarn schreiben, daß die jüdischen vitteraten die Schuld der Herabwürdigung dieser vortrefflichen Gerechtigtei ts h a u d h a b n n g tragen. Als ob die ״Justier" von Elemenecan, die den Tisza - Eszlarcr Prozeß einen barbarischen Haß und ein Huronen-Berfahren nennt, ein ״Jndenblatt" wäre; oder das ״Journal des D,'׳bats" von ״Preßjnden" redigirt würde,!veil es sich darüber ansspricht, daß hier leine gerichtliche Sache, sondern ein Nassenkricg geführt werde; oder die ״Moskauer Zeitgenössischen Nachrichten" im ״Indensoldc" ständen,-welche in russisch patriotischer Befried!- gnng tonstaliren, daß nicht der zehnte Theil der durch diesen Prozeß anfgedeckten Mißbrauche in der Ücechtspflege des ״zivilisirlen" Ungarn in dem ״barbarischen" Rußland möglich wäre; oder die Zeitung ״va Bulgarie" von Inden inspirirt sein könnte, welche, sich in die Brust!versend, diese Affaire in N'yiregyhaza einen Gerichtsskandal und Tendenzprozeß nennt, dessen Akln! man für vergilbte Blätter ans dem Mittelalter ansehen möchte! Aber das genirt leine großen Geister, die mit besonderer Borliebe des kongenialen Islvezi's Preßerzengnisse in diesem düster!! Drama zitiren. □ Nürnberg, 21». Juli. Der ״Augsburger Poslzeitnng" wird aus Bayreuth geschrieben: An! 3>>. Inn! d. I. hielt der Gesangverein St. Georgen eine Faschings-Unterhaltung und führte!!. A. die alte bekannte ״Judenkantate" aus, wobei man sich Nasenmasken, weißer Umschlagstücher in Nachahmung der jüdischen Gebctmäntel :c. zur .Kostümirnng bediente. Hierwegen wurden 1 7 ÄUtglieder des Vereins wegen Beschimpfung des israelitschen Kultus angellagt; die heutige Verhandlung vor den! Landgericht endete mit einer Freisprechung. Das Gericht nahm eine strafbare Beschimpfung nicht an, indem cs für glaubwürdig hielt, daß den Angeklagten der jüdische Gebrauch der Gebctmäntel unbekannt war, und in den gesungenen sinnlosen Worten, sowie den komischen Gebcrden an sich nichts Beschimpfendes erblickte, vielmehr annahm, daß die-Angeklagten dies alles nur zur Erhöhung des Effektes anwendeten. — Man wird gleichwohl an dieses freisprechende Unheil den Wunsch anknüpfen dürfen, daß die fragliche ״Jndenkantatc" ans dem Faschingsprogramin des Vereins verschwinde; sic ist und bleibt immerhin eine Parodie auf jüdische Neligionsübnng. Wer Achtung vor dem eigenen Neligionskultns fordert, muß sie auch nach anderer Seite gewähren. D e st e x x c i ch - U 1t g a r 11. Pest, 22. Juli. Wie ein Blitzstrahl ans schwarzem Ge!vittergewölk fährt das Attentat Onody's gegen den Obcr-Staatsanwalts-Substitnt Szeyffcrt auf die ungarische Nation hernieder und beleuchtet mit seinem unheimlich grellen Schein den tiefen Abgrund, in welchen die Ehre und das Ansehen des Magyarenlandes zu stürzen im Begriffe ist. Unter Schrecken und Entsetzen gewahrt jeder Patriot, ohne Unterschied des Glaubens, wohin die entfesselte Wnth eines finsteren Fanatismus des Vaterlands Gesittung, Bildung und Ehre verschachern!!!ächte. Dem Moloch des Hasses und der wahnwitzigsten Barbarei soll Alles geopfert werden, was die edelsten ungarischen Söhne geschaffen, für was sie gestrebt und gekämpft, wenn ihre heiligsten Gefühle gegolten --- die Zivilisation, die Freiheit, die Gerechtigfeit. Wehe, wenn Herr von Onody und seine Sippe die Geschicke des Vaterlands lenken sollten! Eine tausendjährige ׳Nacht mürbe die Orgie cinleiten, in ivclchcr sie den Triumph über Recht, Moral und .Kultur feierten. Und darum erblicken wir in diesem Attentat den Finger der Vorsehung, welche in diesen! Angriff ans den Vertreter des Rechts eine warnende Mahnung an die ungarische Nation ergehen ließ. —-Beschränken wir uns auf die kurze Registrirnng der jüngsten Phasen in dem Tisza-Eszlarer Prozeß. Der Staatsauwalt hatte den Antrag gestellt, Herrn von Onody als Zeugen vorznladen, um ihn darüber zu vernehmen, ob er schon vor der gerichtlichen Agnoszirnng der Dadaer Leiche über deren Ursprung und Beschaffenheit sich geäußert habe. Als Herr Szeysfert während einer Panse sich auf die Straße begab, wurde er von Herrn von Onody attakirt, bis in die Genchtsräume verfolgt und thätlich bedroht, ein Verbrechen, welches unter den £ HI3 des ungarischen Strafgesetzbuches füllt. Derselbe lautet: ״Eine Zusammenrottung;1! dem Zwecke, um eine Behörde durch Gewalt oder gefährliche Drohungen in der Ausübung ihrer Wirksamkeit zu hindern, zu einem Beschlüsse, einer Verfügung oder einer Unterlassung zu zwingen, bildet das Verbrechen der Gewaltthätigkeit gegen Behörden und wird mit ftedet bis zu

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