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Jeschurun · 1883-07-26 · Heft 30 (26.7.1883) · p. 472

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 30 (26.7.1883)
Article
Russische Emigration in Amerika
Date
1883-07-26
Page
472 (sequence 2)
Language
German
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472 daß cS jedem volljährigen Amerikaner, oder dem um Naturalisation Nachsnchcndcu, frcisteht, NegierungSland gegen eine 7 bis 34 Dollar betragende Taxe zu erwerben, unter Ucbcruahme der Verpflichtung, solches zu kultiviren. Der Bcsitztitel wird nach fünfjähriger ausgeübter Besiedelung ausgestellt. Für Waldkultur exisliren kürzere Termine. ׳Dieses Recht umfaßt 60 bis 16<i Acker. Dieser Kolonie wird daS günstigste Zcugniß ausgestellt und guter Erfolg verheißen. Die Flüchtlinge hatten hier einen sehr harten Winter zu übcrsteheu, aber durch Fleiß und Tüchtigkeit gelang cS ihnen, sich dnrchznbringcn und die ihnen von der VezirkSbchörde augcbotene Unterstützung ablchuen zu können. Als Beispiel der rastlosen Emsigkeit wird angeführt, daß unter Anderen ein scchSzehnjähriges Mädchen einen Acker ungepflügteu Landes mit dem Spaten umgebrochen und mit Kartoffeln bepflanzt hatte. Die kleinen Shautecö (Holzhütteu), welche ihnen zur Wohnung dienen, zeichnen sich durch Sauberkeit aus. 5) In der Nähe von Washington, District of Columbia, befindet sich eine Ansiedelung von 15 Familicn, welche sich selbst daselbst angekauft hat, aber übervortheilt worden sind. Der Boden ist von so geringer Güte, daß nur der besondere Fleiß der Kolonisten ihm. einen Ertrag abgewinncn kann. Sic haben sich während des Winters durch Holzfällen ihr Vrod verdienen müssen. Sie haben aber trotz aller Schwierigkeiten in dem Kampfe um die uothdürftigste Existenz ebensowenig wie die andern russischen Ansiedler den Sabbath entheiligt, und gerade hierdurch sich große Achtung erworben. 0) Bei Water View, Middlesex County, Virginia, sind 9 Familien angcsiedelt, von welchen gleicher Fleiß, gleiche Energie und gleiche Sauberkeit gerühmt wird. Herr Berger berichtet, daß überhaupt die sämmtlichcn russischen Kolonisten den allerbesten Eindruck machen. Es sind kräftige, intelligent auSsehcnde Menschen, die mit dem Kärglichsten (Roggenbrod, Kaffee und mitunter kleinen Fischen) sürlieb nehmen. Die 14 Kinder dieser Kolonie besuchen die 3 Kilometer von der Ansicdclung bclegene BczirkSschnle, in welcher sie sehr beliebt sind. In der Kolonie befindet sich ein russischer Lehrer, der sie im Hebräischen unterweist. Sie besitzen eine Synagoge, ebenfalls eine Holzhütte. Ein Neger unterweist sie in der Bodenkultivirung. Als Herr Berger dort war, wurde an der Anlegung einer Mikwe gearbeitet. Einmal wöchentlich lassen sie sich von Valtimore Koscher-Flcich kommen. 7) In Crcmieux, Territorium Dakota, sind 18 Familien kolonisirt als HomesteaderS; desgleichen 8) Jn Vetlehem Ich uda, desselben Distrikts, 20 Familien, und unweit dieser beiden Kolonien 9) 7 Familien. 10) In New-Odessa bei Leland, Douglas County, Oregon, haben sich 39 Familien besetzt, welche mit einer eigenen Fahne von Vrody hierher gekommen sind und sich ״Bene Chorin" nennen, auch eine eigene Devise angenommen haben: .,New-Odessa Agricultural Association. United we stand, Divided we fall. Incorporated 1882.“ Sie haben 760 Acker für 4800 Dollar erworben, hierauf 2000 Dollar angczahlt und den Nest innerhalb drei Jahren zu erlegen. ES sind durchweg junge, intelligente Leute. 11) 3m Staate Arkansas, IndcpcndcnccCounty, sind 1 2 Familien angcsiedelt, welchen sich noch 14 Personen angcschlosscn haben, und ernähren sich von Holzfällen. Man sieht auS dieser Darstellung, daß nur ein verhältnißmäßig geringer Theil der Emigranten zur Landwirthschaft übergehen konnte. Die Ursache hiesür ist aber nicht bei den Flüchtlingen, sondern in dem Mangel an Geldmitteln zu suchen. Denn wo ihnen die Möglichkeit zu dieser Beschäftigung geboten wurde, da haben sic sich trefflich bewährt und widerlegen alle Vorurthcile und Verdächtigungen, die in dieser Beziehung gehegt und erhoben werden. Im Ganzen aber dürften diese Kolonien kaum mehr als 1100 Seelen umfassen und diese in der That eine glückliche Ausnahme von den 20 000 nach Amerika beförderten russischen Inden bilden. DaS Schicksal der Uebrigen, oder doch des größten ThcilS der Uebrigen, ist nach unserer Vermuthung jedoch ein sehr trauriges. Mögen die Glücklicheren in ihrer neuen Heimath zum Heile gedeihen, freie Männer und treue Bewahrer der religiösen Ucberzengung, welche sic ans der alten Hcimath als daS herrlichste, unschätzbarste Gut sich gerettet haben, — mögen sic dieses Gut ihren Kindern und Enkeln rein und unverfälscht vererben. Den Anderen aber möge Gott beistehen und sie endlich die Ruhe und den Frieden finden lassen, deren sie, die armen Gehetzten und Verjagten, noch immer entbehren. — — ZllisWmslhc Z-Ml?M!s!jeit. Non §amson Naphacl Hirsch. VIII. Weise rnrd Thoren. (Fortsetzung.) Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht, Vergiß nicht und weich' nicht ab von meines Mundes Reden! (4, 5.) Der Weisheit Anfang heißt: erwirb Weisheit, Und mit allem von Dir Erworbenen erwirb Einsicht. (4, 7.) Zur Weisheit sprich, du bist meine Schwester, Und Einsicht nenne Freund. (7,4.)

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