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Jeschurun · 1883-07-19 · Heft 29 (19.7.1883) · p. 467

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 29 (19.7.1883)
Article
Ägypten [Nachricht]
Date
1883-07-19
Page
467 (sequence 2)
Language
German
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(Snccotl)) sestgestellt, den wahren Weg des Exodus der Kinder Israel, sowie deren zweite Haltestelle aufgefanden und über allen Zineisel bewiesen, daß der Pharao der mosaischen Zeit Ramses!1. war. 5ir Erasmus Wilson halte l'»><> Pfd. zu diesem Zweck geneuert. A m c r i k a. 'יי New-Nork. Die ״Fslr. Ztg." melden Fünf non der londoner Hebrew - Society mit dem Dampfer ״Lydiau Monarch" hierhergesandie polnisch-jüdische Familien (im Ganzen L<> Personen) werden non den Eastle Garden-Behördcu zurnckgeschickt, weil sie unter die Rubrik der ״Paupers" fallen sollen. Der Präsident der Hebreiv Charities Assoziation erklärte sich mit der Rücksendung einverstanden, da augenblicklich leine Milte! zur Unterslützung vorhanden seien. Diese Nachricht bestärlt nno in unserer an anderer Stelle geäußerten Meinung über die Handhabung der Emigrirung. Ein jüdischer Trimkenlilild. Bon Aapluali Simon, ll. Ich war übrigens nicht der Einzige, welcher diese Darstellnngsgabc meines Freundes zu schätzen wußte; — im ganzen Stäbchen sprach man non der Belesenheit Ioel's im Mcnorath-Hamaor und seiner Kunst,' die ״Meschalim" in lebendigster Weise vorzntragen und zu erläutern. ״Der wird ein tüchtiger Maggid. werden!"׳ hieß es allgemein non ihn!. Der Vater aber hatte anders über den znkünstigen Beruf seines Sohnes bestimmt; am Tage nach der Barmizwah mußte Joel in die Werkslättc eines ehrsamen Schneidermeisters wandern und )ladet, Schccrc und Bügeleisen handhaben lernen. )cach einigen Jahren zog er mit leichtem Ranzen >lnd leere::׳. Beutel in die Fremde. Dem jüdischen Arbeiter, zumal demjenigen, welcher an! Sabbath feiern wollte, öffneten sich nur schwer die Wertstellen, und sein Verdienst reichte zur Befriedigung des nothwcndigsten Lebcnsbedarfs nicht ans. Während die Bcrufsgenosscn im Hanse des Arbeitgebers Beköstigung erhielten, wurde ihm kamu eine Entschädigung für den Verzicht auf solche zu Thcil. Joel war zu stolz, in den jüdischen Gemeinden um gewiß gern gewährte Freitische zu bitten; seine Eltern waren blutarme Leute und gänzlich außer Stande, ihm irgend etwas zu senden; — er sah sich deshalb genöthigt, die Bestellung seiner Tafel in ökonomischster Weise ansznklügeln. Daß er dabei die Entdeckung non der Billigkeit und vortheilhastcn Ver- Wendung des Branntweins machte, war für fein ganzes Leben vcrhängnißvoll. Zum Frühstück Schwarzbrod mit einigen Schluck Branntwein; zum Mittage das gleiche Menü, durch einige rohe Zwiebeln oder ein Stückchen Käse in vermehrter und erweiterter Auflage; Abends die Wiederholung des Frühstücks — das war in der Regel seine tägliche Nahrung. Nur selten gestattete er sich im Lause der Woche den Luxus eines Mittagessens in einer jüdischen Garküche. So üppig war er nur am Sabbat!) und Feiertage. Er fühlte sich indessen bei dieser Lebensweise recht behaglich und wohl, war intmer heiter und guter Dinge und im Allgemeinen eine geachtete und beliebte Persönlichteil auf der Schneiderpritschc, trotzdem er fast niemals in der Herberge verkehrte und andere Wirthshäuser überhaupt nicht besuchte. Meister und Mitgcsellen schätzten aber seine Gntmüthigkeit liub Sittlichkeit, vor Allem aber sein Erzählertalent. Wie er ehemals den Schulkameraden Vorträge gehalten, so jetzt den Mitgliedern der Schneiderznuft; Text und Redeweise waren unverändert. Die Ritter von der Schccre lauschten begierig den Midraschim, welche Joel zum Besten gab; und noch einmal so hurtig wurde geschafft, wenn der jüdische Kollege, ebenfalls fleißig arbeitend, ״predigte." Er wurde iu diesen Kreisen ״der Prädikant" genannt ltnd genoß als solcher eines derartigen RufcS, daß bei Gelegenheit der Einweihung einer neuen Gesellen- Herberge ihin die Festrede nach dem Altgesellen übertragen wurde. Dieselbe erfreute sich eines solchen Beifalls, daß alle Zeitungen ihren Inhalt mitlheikten. — Er hatte in einer größeren Stadt dauernde Arbeit gefunden: Die Abende brachte er regelmäßig in der ״Klans" zu. Er hörte hier die Vortrüge, welche von gelehrten Männern ans der Mischna, dem Schutchan arnch oder einem agadischen Werke in populärer Weise gehalten wurden, oder nahm ein Buch zum Selbststudium in die Hand. Er gelaugte so im Laufe der Zeit zu einer ziemlich nmsasseuden Kcnntniß einzelner Zweige des jüdischen Schriftthums. Er kannte die ganze Thora, die fünf Megilloth, Mischte und Tehilkim auswendig und hatte der: Binah Leittim, den Kelc Jakar, den Dlaloth Ephraim vollständig innc. Die Jahre vergingen, Joel war längst in das Mannesalter getreten. — er zählte schon achtundzwanzig Lenze — und hatte nod) niemals au eine Veränderung seiner Lage gedacht. Da starb sein Meister und hinterließ seiner Wittwe außer zwei Kindern, nur die itkcht eben sehr ausgebreitetc Kundschast, von welcher er aber durch redlichen Fleiß sich bisjctzt ernährt hatte. Joel war seit sieben Jahren im Hause und der älteste Geh ülsc. ״Führt das Handwerk fort, Meisterin," sprach er zu der gebeugten, ihres Ernährers beraubten Frau." (Fortsetzung folgt.)

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