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Jeschurun · 1883-07-19 · Heft 29 (19.7.1883) · p. 466

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 29 (19.7.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
Date
1883-07-19
Page
466 (sequence 2)
Language
German
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466 die bisher in der Jndcnfragc eine gemäßigte Haltung cinnahm. Der Eigenthümcr dieses Blattes, Herr Carl Angcrmayer, ein Prcßburgcr Spießbürger von echtem Schrot und Korn, hat mm dem Andrüngcn der autisemitischen Koteric nachgegebcn und seinen bisherigen Chesredaktcnr Dr. Sigmund Schiller am 1. d. MtS.! 5t null und Fall entlassen, und zwar mit der Motij virnng, daß er das Blatt nicht länger der Leitung : ״jüdischer Hände" überlassen könne. Cincm zweiten; Redakteur, der gleichsalls Jude ist, stellte Herr Anger-! maycr das Ansinnen, sich taufen zu lassen, oder, wenn j er dies nicht thun wolle, in der ״Prcßburgcr Zeitung" wenigstens zu ״erklären", daß er znm Ehristcnthmne! übergctreten sei. Das biedere Ansinnen deS biederen : Zcitnngs - CigenthümerS wurde trotz der damit vcr- : bnndenen Aussicht auf eine Gageerhöhung von dem! betreffenden Redakteur zurückgcwiescn, und so hängt auch j über diesen! das Damoklesschtvcrt der Entlassung. Der! neue Redakteur vn Olu.ck', städtischer Honorar-Fiskal : und Advokat Daniel Molec, der die ״Prcßburgcr Zeitung" nun im ״nichtjüdischcn" Sinne leiten soll, ist — Freimaurer. Auch Dr. Schiller gehört diesem Bunde an, doch scheint es, daß ihn die Freimaurer fallen ließen, denn gerade sic waren cS, die Herrn Angermahcr zu dem erwähnten Wechsel in der Leitung! bewogen. Im klebrigen sind 'die Zustände hier herzlich! unerquicklich. Biele junge Leute israelitischer Konfession j tragen, so unglaublich das auch klingen mag, Revolver j bei sich, und die Gährung hat ans Seite der Anti-! semitcn und Inden bereits den höchsten Grad erreicht. Im Gasthause deS Herrn Welisch B., wo sich daS antisemitische Heerlager befindet, wird jedem Israeliten, der das Lokal betritt, ein Zettel cingehändigt des InhaltS: ״Sic werden ersucht, das Lokal sofort zu vcrlassen." Wie man sieht, herrschen hier recht gcmüthlichc Zustände. Rußland. Petersburg, 14. Juli. Cs gewinnt doch den Anschein, als ob die Negierung sich den Inden freundlicher zu erweisen gedenkt Bekanntlich verbot Ignaticw den jüdischen Schankbetricb in solchen Häusern, welche nicht bis znm 15. Mai 1882 jüdisches Cigcnthnm waren. Cr stützte sich auf eigenthümliche gesetzliche Bestimmungen, welche aber auf des Grafen Tolstoi Anregung nunmehr von dein Senate eine entgegengesetzte autentischc Interpretation erfahren haben, nach welcher Inden auch ans nach dem 15. Mai 1882 erworbenen Grundstücken Gctränkehandel betreiben dürfen. So unwesentlich scheinbar diese freiere Deutung deS Gesetzes ist, so gewährt sie doch einen Maßstab für die Bcnrthcilung der in Ncgicrungskrcisen äugenblicklich vorherrschenden Gesinnung, und — der Gedrückte hofft so gern. Für die Lösung der ״Judenfrage" im Geiste der Humanität der Gerechtigkeit plaidircn nicht nur moralische Erwägungen, sondern auch ganz prosaisch nüchterne. Landwirthschaft, Fischerei und Industrie drängen mit aller ).Rächt darauf hin, dem ruhigsten und gewandtesten Thcile der russischen Bevölkerung die Freiheit der Bewegung und die Sicherheit seiner Existenz zu gewähren. So wird ans Astrachan berichtet, daß, seitdem die Juden sich von der Bcrwcrthnng der Mecrcsproduktc znrückzichen mußten, der Fischhandel daniederliegt, welcher früher etwa zehn Millionen Rubel den Astrachanern znführte. Hl In einem Schreiben der ״Pol. Corr." aus St. Petersburg wird für die volle Emanzipation der Juden für ganz Rußland plaidirt, da nur auf diesem Wege die brennende Jndenfrage gelöst werden könne. Dieser Gedanke, durch die Repressalien der goldenen Internationale gegen den russischen Staatskredit gefördert, sei auch bereits in der sog. Judenkommission ventilirt worden und habe Aussicht auf Verwirklichung. — Das ״Bayer. Vaterland" bemerkt hierzu: ״Wir stehen dieser Nachricht ziemlich skeptisch gegenüber, da Rußland wohl aus den Erfahrungen mit den Inden anderer Länder etwas gelernt haben wird. Will man aber auch dort nicht sehen und hören, was die Spatzen auf allen Dächern pfeifen, nun — die dann vorhandene Möglichkeit einer nicht mehr bcschränkten, sondern all ge in einen Indenhctzc durch ganz Rußland hat für uns den Karakter des Schrecklichen nicht." — Wir beneiden das ״Vaterland" nicht n!il diesen starken Sinn, auch iiicht um die Stirn, welche dazu gehört, sich desselben zu rühmen. Ntnnänien. * Bukarest, 14. Juli. Der ״Hajoez" theilt mit, daß den mit der Eisenbahn anlangenden Inden Schwierigkeiten bereitet werden. Sie werden visilirt und trotz regelrechter LegitimatioilSpapierc auf ihre Kosten mit dem nächsten Zuge znrückgeschickt; haben sie fein Geld zur Rückfahrt bei sich, so bleiben sie einige Tage inhaftirt und werden dann ans den Schub gebracht. Befinden sic sich aber nicht im Besitze eines Passes, so können sie monatelang im Gcsängniß zubringen, ohne daß Jemand von ihrem Verbleib eine Ahnung hat. Aegypten. ** Im vergangenen Frühjahr wurde unter den Auspizien deS ״Egyptian Exploration Fund" M. Noville nach Aegypten gesandt, und laut dem soeben vcrösscntlichten Bericht sind die Ergebnisse seiner Forschungen, die sich bloS über sechs bis sieben Wochen erstrecken, ungeinein ermuthigend. In dieser kurzen Zeit hat die Gesellschaft die Ucbcrrcste der historischen Stadt Pithom

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