Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1883)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1883-07-19
- Page
- 465 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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.29 ״3 Jeschurutt. 365 Klmcspoiidcnzcii ititii Ül?atf)rirf)tc11. Deutschla n b. -a- Berlin, 1 «'׳. Juli. (5$ untre in der That eine Ungerechtigkeit, wem! ich die Verdienste des Herrn V i e b c r m a 11 n v 011 2 01111 c 11 b e v g, des würdigen <^en offen des in meiner tu reichen Korrespondenz rühmlichsl erwähnten Dreiblatts ״Slöcker-Wagner Bremer", unerwähnt lassen wollte. Derselbe nimmt sich bekanntlieb unserer stets aus׳ er ordern lieh liebevoll und freundschaftlich au. Die Zeit der sauren Gurten ist außerordentlich günstig für die erfindungsreiche Phantasie nicht nur, sondern auch für ganz praklische Nathschläge. Herr Liebermann von Sonnenberg hat sie zum Nutzen und Heil seiner jüdischen Mitbürger ansgenntzt und einen überaus vernünftigen und christlichen Borschlag zu einer interessanten Exkursion seiner lieben jüdischen Mitbrüder gemacht. Wer sähe nicht gern Par io? Jüdische Männer sind an der Leite ihrer christlichen Wafseugesährlen vor zwölf Jahren erst dort gewesen. Herr Viebermann will ihnen noch einmal das Bergnügen gönnen und proponirt deshalb in seinen berühmten Zeitung die Berausialtnng großer Extrazüge von Berlin nach Paris. Er giebt deren zweinndfünszig an, einen jeden für tausend Personen eingerichtet, lediglieh zur Benutzung Seüeus der Berliner Inden, welche so begnem in die französische Hauptstadt befördert werden können, um daselbst sich — gnillotiniren zu lassen. Wahrlich, Biele sind berufen, aber nur Wenige sind anserwählt, so wie Herr?iebermann von Sounenberg dem Flügelschlag der großen׳ Seele Ouiiim zu geben — ist dies schon Tollheit, so isi doch Methode darin. — ^)tünchen, Hi. 3111t. In Betreff der in Nr. 27 des ,,Jeschurnn" berichteten Resolution, welche Herr 2 0 11 der mann ans dem internationalen Kongreß der Thierschntzvereinc zu Wien als Delegirter des hiesigen Thierschntzvereins über das 2 ״ ch ächten" vertrete» soll, erlaube ich mirans das Nejerat hinzuweiscu, das Herr Hofthicrarzt Dr. , Sondermauu von hier am D August 18«;׳.) ans dem fünften internationalen Thierschntz-Kongreß zu Zürich über ״die beste schmerzloseste Lchlachtmethodc mit Beiziehnug des israelitischen Schächters" erstattet hat. Es unterliegt wohl teinem Zweifel, daß Herr Sondermanu vom Jahre 18«!'.» mit dem gleichnamigen Herrn des Jahres 188:! identisch ist. Herr 2ondermann stellte in Zürich die These aus, daß das .Knicken (der Nickfang) als Schlachtmeihode absolut zu verwerfen sei, sprach sich aber über das Schächten auf Grund der ans der Feder von dreiuudzwanzig hervorragendcn Männern der Wissenschaft crslosscuen einstimmigen Gutachten dahin aus, daß dasselbe nicht eigentlich als Thierquälerei zu betrachten sei, weil die Bewußtlosigkeit unmittelbar, wie nachgewiesen ist, eintritt. Er wandte sich nur gegen die Vorbereitungen zum Schächten, als: das Niederwersen und Knebeln, das Legen ans den Rücken 11. s. w., welche Prozeduren nicht immer rasch und geschickt genug ausgeführt werden. Er forderte deshalb die Thicrschntzvereine auf, hierauf ihre Aufmerksamkeit zu lenken, um diese Grausamkeiten, ״wenn auch nicht ganz zu verhindern, so doch zu mildern." Er meinte allerdings auch, daß die Zeit kommen werde, wo mau eine noch bessere Schlachlmethode allgemein adoptircu würde. Und hierfür halte er damals schon ein neues Instrument vorgelegt. — Wenn Herr Sondermann für dasselbe Propaganda macht, so sind wir gewiß die letzten, ihm entgegentreten zu wollen. Wir meinen aber, daß mau über die Thicre der Menschen nicht vergessen darf. Und da nun, wie allbekannt, eine große Anzahl von Menschen vorhanden sind, welche ans gewiß zu achtenden sittlichen Motiven nur ״geschächtcles" Fleisch genießen dürfen, und ferner auch von Herrn Sondermann zngestandcn wird, daß das ״Schächten" jedenfalls vom rein hnmancn. die Thiere berücksichtigenden Standpunkte aus, nicht als Thierquälcrei, mithin nicht als inhuman zu. verwerfen ist, so sollte er gegen das Schächten nicht -agitiren.. Wir glauben auch in der Thal, daß die Thierschntzvereinc dieses anerkennen werden und nicht gesonnen sind, eine große Anzahl ihrer Mitmenschen, der ja, wie auch allgemein zugestanden ist, humane Gesinnnng keines- Wegs abznsprechen ist, der Fleischnahrnng zu berauben. Schweiz, Zürich, 12. 31111. Die vor 21 Jahren nach fast 4<u>jähriger Unterbrechung wieder erstandene hiesige jetzt 8«; Mitglieder zählende jüdische - (Gemeinde, welche sich bisher mit einem wenig entsprechenden Gotteshanse behelfen mußte, ist im Begriffe eine eigene Synagoge zu bauen, za welcher kürzlich die feierliche Grundsteinlegnng slattsand. Wir hoffen, daß die Gemeinde immer mehr erstarken, und zu einer wahrhaft srommen עיר ואם בשראל sich entwickeln möge. O c st e r r e i ch - U n g a r n. Prestbnrg, Juli. Bon hier ans wird der ,,Wiener Morgenzcitnng" geschrieben: ״Der antisemitische Funke, der hier mehr denn je unter der Asche glimmt, dürfte, wenn nicht alle Anzeichen trügen, in kürzerer Zeit, als mau glaubt wieder zur Hellen Votjc cmporschlagcn. Ein journalistisches Ereignis;, welches sich hier in den letzten Tagen vollzogen, hat den Enthusiasmus im antisemitischen Lager auf die höchste Spitze getrieben. Neben dem ״Westungarischen Grenzboten" des Ncichstagsabgcordneten Ivan v. Simonyi, der bekanntlich der Dritte im Bunde Jstoczy's und Onody's isi, erscheint hier die ,.Preßburger Zeitung",