Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-07-19
- Page
- 453 (sequence 2)
- Language
- German
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453 Und auch alle andere geistige Vermögen und deren Bcthätignugeu flcfangcu erst durch Weisheit zu ihrem wahren heilschasfenden Ziele. Mein ist der Rath und die Thatkrast, darf die Weisheit sagen, ich bin die Einsicht, und die Stärke ist mein. Sie läßt keinen Menschen rathlos am Scheidewege, sie zeigt ihm den einzigen Weg, der zu sticht imb Vcbcit fuhrt, und mit dieser Zuversicht der Erkenntnis; wächst auch dem Menschen die Thatkrast und der Math, das allein Wahre und Rechte zu vollbringen. Und das tiefere Eindringen in die Gründe und Folgen der von der Weisheit gelehrten Wahrheiten ist ja selbst nur eine zu erhöhtem und reiferm Bewußtsein gebrachte Weisheit uub macht den Menschen stark zur Ueberwindnng aller inncrn und äußern Feinde des sittlich Guten. Und wie die Obliegenheiten des Einzellebens, so werden auch die Aufgaben der Höchstgestellten nur durch Weisheit ihrer wahren Lösung näher geführt. Rur durch Weisheit werden Könige wahre Könige und geben Volkslcitcr gerechte Ordnungen, nur durch Weisheit Fürsten maßgebend, und, von allen äußeren Einflüssen frei, Richter nur dem Wahren und Rechten geweiht. Denn, die die Weisheit lieben, die liebt sie wieder und ist ihren Freunden eine alle ihre Unternehmungen berathend und beglückend begleitende und jeden Augenblick bereit zu findende Freundin. Welche Güter auch Menschen anstreben mögen, das Gute, das sie in den Gütern und durch die Güter zu finden hoffen, können sic nur an der Hand der Weisheit erlangen. Rur mit Weisheit erworbener und verwendeter Reichthum, und mit Weisheit errungene und getragene Ehren, machen reich und geehrt, nur Weisheit verleiht dem Vermögen Dauer und macht es zu einer Wohlthat für den Besitzer und seine Umgebung. ׳ Richt des Goldes und des Silbers Frucht und Ertrag ist gut, die Frucht und Erndte der Weisheit ist das Gute. Durch die gerade Bahn der Pflicht und mitten in aller! mannigfaltigen Pfaden des Rechts geht sie und führt sie um ihren Freunden das einzig wirkliche und wahrhaftig Wahrhafte als dauerndes Erbgut zu verleihen und ihre Schätze mit wahren Schätzen zu füllen. (Fons, m D- Aollektiv-Berichte an# Ungarn. XVI. Während wir diese Zeilen schreiben hält der Verlauf der Tisza-Eszlarer Tragödie eine ganze Welt in Athen!. Die Schlnßverhandlnng ist soeben im Gauge, und wenn auch der oberste Wächter der ungarischen Justiz in dieser weltbewegenden, unser liebes Ungarn so sehr beschämenden Assaire eine wenig schmeichelhafte Rolle übernonnncn, so liegt dennoch lein Grund vor, dem Ausgange mit Bangen entgcgenznsehen, der Sieg wird und muß auf unserer Seite sein, denn ״Wahrheit siegt und Lüge unterliegt." — Die schwere Anklage, unter deren Wucht, wir können wohl sagen, die ganze Iudenhcit tief ansscnfzt, hat das in sich so gewaltig zerrissene und zerklüftete Israel wenigstens nach einer Richtung hin, nämlich in der Verlheidignng nach Außen, vereinigt. Gar mancher unserer Stammesgeuossen, welcher dem Glauben schon ganz entrückt war und seine Angehörigkeit zur Gemeinschaft Israels durch nichts manifestirte, wurde - wohl in unliebsamer Weise — daran erinnert, אף על פי שחטא ישראל היא, daß er ein Glied jener .Kette sei, deren erster Ring im Glühosen von Ur Kasdirn geschmiedet wurde. Die grauenerregende ans den Rüstkammern des finsteren Mittelalters geholte Beschutdigung hat die Juden aller Gesinnnugsrichtungen und aller Parteischattirnngen in fieberhafte Aufregung vcrsetzt, und Alle partizipiren an den Martern und Qualen jener unglücklichen Glanbensbrnder, welche sich äugenblicklich vor dem Richter-Kollegium des Nyircgyhazacr Gerichtshofes zu verantworten haben. — Bei Freud und Leid lhul aufrichtige Theilnahme gar wohl, die theilnehmenden Herzen fühlen sich verrvandt und werden einander näher gerückt. — Wir wünschten gewiß leb- Haft, daß diese Annäherung sich forteutwickelte und die Restanrirnug des נ." אהד באיץ durch nichts gehemmt werde; au der Verwirklichung dieser beseligenden Idee ist aber bei den! augenblicklichen Stand der Dinge nicht zu denken. Die journalistische Pflicht, welche gebieterisch fordert, ״kein Ansehen der Person zu kennen und sich durch nichts bestechen zu lassen", Ereignisse und Geschehnisse, welche das allgemeine Interesse und das Wohl und Wehe der Gesammtheit berühren, ohrre Rückhalt vor das Tribunal der Oesfentlichkeit zu bringen, zwingt uns leider, in diese junge, zarte Harmonie der nngarischeu Iudenheit störend einzugreifcn, nur eine im Schooße der nächsten Zukunft vorhandene. Gährnng im Keime zu ersticken. Was die offiziellen Organe der ungarisch-jüdischen Parteien in der weltbewegenden Tisza-Eszlarer Asfaire gethan oder zu thun unterlassen haben, setzen wir als bekannt voraus. — Wir arrerkenncn gerne die edlen Absichten, rvclche die ״Landeslanzlei" veranlaßten, beim Minister des Innern 50(10 Gulden zu deponiren, um diesen nicht nubedenlcnden Betrag als Preis auszuschreiben für denjenigen, der die rnysteriös verschwundene Esther Solymosi lebend oder tobt eruirt. Wohl wahr, כוונתך רצויה jedoch טעשיך אעם רצוים. Dieser Kollektivschritt hat uns bekanntlich sehr geschadet. Die Judenfeinde kolportirtcn tendenziös: ״die Lämmer zittern, da man die Schafe ״schcert" ׳ — die Gesammtjudenheit