Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1883)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1883-07-12
- Page
- 446 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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446 ״Israelit" und anderen Blättern angeblich dem ״Triestcr Tageblatt" entnommene ursprünglich im ״Moniteur de Rome" enthaltene Erklärung des Konsistoriums demcntirt Hallen, nach welcher nach dem Inhalt des Talmud und der jüdischen Religionsgesetze die gegen die Inden erhobenc Blntbeschnldignng falsch und Lüge sei, giedt nach Meldung der Germania — der ״Off. Nomano" noch ausdrücklich folgende Erklärung ad: .'.!Obwohl die Absurdität und Ungeheuerlichkeit obiges in der ״Wiener Allacm. Ztg." und anderen deutschen Blättern enthaltenen Konsistorialreskripts auf der Hand lag, so fühlte sich doch der ״Moniteur" veranlaßt, dasselbe in einer besonderen Erklärung als völlig ans der Luft gegriffen in Abrede;u stellen. Da jene Blätter nun aber sortfahrcn, diese Sensarionslügc;11 verbreiten, so fühlen auch wir uns bewogen, hicrtnit auf daS Bestinnutcste zu konstatircn, daß eS sich dabei nur um eine tendenziöse Erfindung jener Blätter, welche nie Glauben verdienen, handelt. Ein ähnliches Konsistorialrcskripl hat nie eristirt."' Wir müssen gestehen, daß als wir diese )lachricht zuerst lasen, wir fragliches Reskript nicht allein der Abfassung nach für apokryph hielten, sondern auch schon, weil eS vom ״römischen Konsistorium" aitSgegangen sein soll. Wenn wir allerdings so den diese Nachricht dementirenden Blättern zustimmcn, so ntüsfen wir aber doch fragen: Was für eine Absurdität oder kluge Heuerl iehkeit wäre es denn gewesen, wenn in Wirklichkeit ein solches Reskript vom allmächtigen römischen 5tonsistorinm'vorgelegen hätte? O e st c rv eich-11 ngar 11.- i: Graz, l; Juli. In diesen Tagen des Jubels aller Bewohner der schönen 3tcimnnrt ob der Au- Wesenheit ihres geliebten Herzogs und Kaisers, welcher gekommen ist. um in ihrer Mitte die innige Bereinigung zu feiern, die seit sechs Jahrhunderten zwischen dem erlauchten habSburgischen -Hause und der. alten ״Kärntner Mark" zum Heile des Landes in gegenseitiger uncrschütlerlichcr bewährter Treue besteht. . hat auch die hiesige jüdische Kulturgemeinde sich dem Monarchen vorstellcn dürfen und wurde aufs huldvollste empfangen. Der Sprecher der Deputirten, Rabbiner De. Mühsam, wies auf die bekannten beiden mit hebräischer Inschrift versehenen Grabsteine hin, welche in der Burg cingemauert sind und die Altwesenheit der Inden in Graz schon in laitgc vergangenen Jahrhunderten bezeugen. Freilich and) das Trübsal jener Zeiten. Erst das milde, ruhnnvürdigc Regiment Franz Josephs, des gerechten und liebevollen Vater seiner Völker, habe auch den Juden uad> langer Unterbrechung verstattet. wieder heimzukehren zu der Stätte dieser Grabdenkmäler und sie, die heute hier bestehende Gemeinde, sei die erste jüdische Ncligionsgcmeinschast nach so langer trüber Zeit. Der Kaiser erwiderte in lentscligstcr Weise: ״Ich bin. von der Trclle und Loyalität der Israeliten fest überzeugt; die Israeliten können stets ans meinen Schlitz rechnen." Wahrlich, bedeutungsvolle Worte im Augesichte der gegenwärtigen Zustände! Zn der kaiserlichen -Hoftafcl erhielt and) Dr. Mühsam, als Vertreter der Illdenschaft, eine Eiilladnng. *||* Pest, 8. Juli. Die Verhandlungen der vergangenen Woche in Nyiregyhaza konstatirten in erschreckender Antentizität die Anwendung von Torturen, um Verdächtige und Zeugen zu präparirten Anssagen zu nöthigen. Ohrfeigen 1111b Kantschnhhiebe sind die allergeringsteri Grade der in diesem Prozesse zur An- Wendung gebrachten inquisitorischen )Nittel. Malt zwang die Aernisten auch, daS Gesicht den glühenden Sonnenstrahlen lange auSzllsetzcn, man goß ihilen Kannen voll Wasser, auch pnrgircndeu BitterlvasserS ein, riß sic an den Haaren, ließ sie von trabreitenden Haiduckcn zu Fuß mcitelnveit im schnellen Lauf treiben, sperrte sie in Hühnerställen ein, warf sie gänzlich entkleidet ans Stroh und schreckte sie unter fürchterlichen Drohimgen. Die BelastlUigSzengen verwickelten sich vielfach in Widersprüche, nnb ihre Depositionen tragen nur zu sehr bei! Stempel der nach einer und derselben für den Fall präparirten und cinftubirten Schablone. -Unregelmäßigkeiten bei Aufnahme der. Verhörsprotokolle häuften sich. Personen, welche den Verhandlungen beigewohnt, schildern den Eindruck derselben in den düstersten Farben. Man schallt in ein Gewirr von Bosheit und Lüge hinein, welches hoffentlich jetzt in seinen einzelnen Faden so blosgclegt werden wird, daß nicht nur die unschuldig Angeklagten und Gemarterten feigefprochen, sondern die wahren Zchlttdigen zur strengsten Verantwortung gezogen werden können Ich muß jedoch bekennen, daß für mich diese Hoffnung eine sehr gcrilige ist. Für das Leben und die Freiheit der An> geklagten zittere ich nicht. Selbst wenn die gegenwärtige erstinstanzliche Verhandlung zu einer - Vernrthcilnng führen sollte, was ich bei der herrschenden Stimmung an der Theiß gar nicht für unmöglich halte, so würde die Berufung ein anderes Resultat bcftinintt ergeben. Aber so lange nicht diejenigen, welche in -dieser Sache von Haß getrieben, eine so furchtbare Rolle gespielt, bent Strafgesetze unterstellt und überführt sind, jo lange ist der Prozeß für die Sache der Gerechtigkeit nicht gewonnen. Frankreich. *** Paris, 29. Juni. Ihre Fragen über die Verhältnisse der russischen Emigranten beschleunigen meine Berichterstattung über diese wichtige Angelegenheit, deren Besprechung bereits lange in meiner Absicht.tag.