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Jeschurun · 1883-07-12 · Heft 28 (12.7.1883) · p. 439

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 28 (12.7.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1883-07-12
Page
439 (sequence 2)
Language
German
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430 durch die Förderung achter Wissenschaft und Bildung j in innigster Berbiudnng mit gründlichstem Talmud׳; studium und begeisterter Hingebung an das Jndenlhum! in (Besinnung und Thal den Gemeinden wahrhaft! würdige und tüchtige Führer und Veiler erziehen, und j so dem unheilvollen Wirten des Deminars wirksam ent gegen treten. Wir verweisen hierfür auf unseren Berich! Vl! in Nr. II, 3. ]75 dsr. Ztg.?VoftfcLMIlIi] folgt.) Alls der ersten Hülste nilseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich 'Zlott. I. {.Hüc :Hod)U1 ׳>orlu-halten 1 ortfeuung.) Der Baron griff dem Kinde liebkosend unter das Kinn. ״Du bist ein guter Knabe, und wenn Du es Deiner Mutter versprochen hast, nie am Damstag zu schreiben, so ist es sehr brav von Dir, daß Du Dich trotz der Züchtigung des Lehrerd nie dazu verleiten!äßest. Aber sei nur guten MuthcS, liebes Kind, ich werde dafür sorgen, daß er Dich nie wieder schlägt. Das wäre doch gar zu arg, wenn mau die Kinder dafür strafen würde, daß sie den Geboten der Eltern gehorchen. — 2ei aber auch sonst nur immer recht brav." ״Das werde ich — gewiß," betheuerte der Knabe." ״Und wie geht es denn bei dem Herrn Kaplan? lernst Du dort fleißig?" ״D, er ha! einen guten Kops," lobte der Geistliche, ״gelt Christoph?" ,/Nennen Die den guten Jungen doch lieber Jakob, das hörst Du lieber, gelt? — gewiß hat die Mntter Dich immer Jakob gerufen?" ״Immer," versetzte der Kleine leise. ״Venu, daun werde ich auch dafür sorgen, daß Dich fortan Keiner anders nennt; und der Dchulmeister wird sieh's vergehen lassen, Dich zu strafen, wenn Du eS nicht verdient hast. Ueberhauvt, liebes Kind, wenn Du Dich von irgend Jemanden beeinträchtigt glatlbst, so komme nur zu mir, ich bin Dein Freund und habe Mittel, Dich zu schützen." Das bleiche Angesicht des Knaben erglühte, sein Auge leuchtete; dankerfüllt hob er den Blick zu Demjeuigen, der so überaus liebevoll sich seiner anzuuehmeu versprach. ,.Nun. Jakob," mahnte lächelnd der Geistliche, ״willst Du denn dem Herrn Baron nicht danken für diese große Güte?" ״Ich daitke," lispelte der Kleine unb zog die Hand seines Gönners an seine Lippen. Der Dank kam ihm von Herzen; Ulan sah eS ihm au, das Kind halte unter den allwöchentlich wiederkehrenden Mißhandlungen des Lehrers in Wirklichkeit gelitten. Der Baron aber streichelte ihm liebkosend die Wangen. ״Ich verlange keinen Dank," sagte er, ״aber freilich, so ganz umsonst will ich mich auch nicht für Dich bemühen; Du mußt etwas dafür thun, Jakob." ״Was soll ich thun?" fragte der Knabe. Der Baron blickte lächelnd in das erwartungsvoll zu ihm emporgehobeue Antlitz. ״ Du!tiußt mich dafür lieb haben, willst Du das?״ ״D, wie gern," jauchzte der Kleine. Dem Baron gelang es in der That in unglaublich kurzer Zeit,- den sonst so schüchternen Knaben zutraulich und gesprächig zu machen. Der Geistliche staunte, er unterrichtete ihn bereits seit nahezu drei Monaten und war ihm doch auch nie uusreimdlich begegnet; hatte er sich doch auch nie über ihn zu beklagen, denn Jakob hatte ein ausgezeichnclcS Gedächtniß, und ohne .. besondere Anstrengung wiederholte er in jeder Unterrichtsslnitde die Worte, die der Lehrer in der vorhergehenden gesprochen. Aber diese Gewandtheit im Denken, dieses klare, fast immer treffende Urtheil. das der Kleine in seiner -Unterhaltung mit dem Baron wiederholt an den Tag legte, war ihm doch bisher nie ausgefallen. Baron WoikerSdorf war entzückt von dem Kinde und schon jetzt entschlossen, für seine Er- Ziehung und seine fernere Ausbildung zu sorgen. ״Was willst Du denn einmal werdeit, Jakob?" fragte er ihn im Laufe des Gesprächs. Der-Knabe besann sich nicht lange. ״Am liebsten möchck ich Doktor werden." ״Doktor?" wiederholte der Kaplan, ״was für ein Doktor? Doktor der Rechte?" ״Ja wohl," versetzte der Kleine, ״ein rechter Doktor möchte ich werden, der zu den Leuten geht, wenn sie krank sind und ihnen sagt, was sie thun müssen, damit sic wieder gesund werden." Der Baron nickte ihm lächelnd zu. ״Das möchtest Du?" ״O, wie gern," versetzte der Knabe lebhaft. ״Das muß so schön sein, wenn die Leute daun wieder gesund werden." ״Aber dazu müßtest Du sehr viel lernen und studiren " bemerkte der Kaplan, ״und ob Dir das Drudium der Anatomie gerade besonders Zusagen würde? — zuzuseheu, wie Leichen zerschnitten werden und —" ״Ich weiß, ich weiß," siel Jakob hastig ein, ״darum tnöchte ich ja auch so gern Doktor werden. Den tobten Menschen thut cs doch nicht mehr weh, wenn sie geschnitten werden, und ich könnte dann genau sehen, wie es in dein Brenschen anSsieht, wie man

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