Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1883)
- Article
- Deutschland : München [Nachricht]
- Date
- 1883-07-05
- Page
- 431 (sequence 2)
- Language
- German
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431 Anderem auch bestimmt, daß ein Herr Sondermann als Delegirtcr des hiesigen Vereins zu dem im Septeuibcr d. I. in Wien stattsindenden internationalen Kongreß der Thicrschtltzvereil.e reisen solle Herr Sondermann denkt daselbst über das Thema: ״Das Schächten" zn rescrircn und schlägt zitr Unterstützung seiner Position in Wien eine r> Punkte enthaltende Resolution vor, deren Tendenz in dem Grundsätze gipfelt: daß der Tötung eines jeden Thieres die Betäubung vorangehcn müsse, jede andere Schlachtart sei Thierqnülerci Die Resolution wurde cinslintmig angenontmen. ' % ׳Aus Ostpreusrcri, 22. Juni. Es gehl doch nichts über die Gerechtigkeit! Ein jüdischer Handelsmann zu Warten bürg ist, wie die Zeitungen tnelden, wegen Betruges mit sechs Monaten Gefänguiß bestraft worden. Darob große Freude im Lager unserer Widersacher, und die ״N. Prenß. Ztg." beeilt sich derselben Ausdruck zu geben, in dein sie die Konfession des Vcrnrthciltcn mit fetter Schrift illustrirt, den Namen desselben angicbt und bcffcu Vergehen behaglich erzählt. Nun aber hatte dieser jüdische Missethäter auch einen christlichen Genossen, der zu dergleichen Strafe vcrurtheilt worden ist. Was thut man da? Mau schreibt hierüber eine zahme Zeile: ״eine gleiche Strafe erhielt sein Helfershelfer, ein Girth I. aus S." Wir zart und rücksichtsvoll! Ja, man muß sich zu helfen wissen und klüglich zn unterscheiden zwischen einem jüdischen und christlichen Sünder. O e st e rr e i ch - u It g a r n. *II* Pcst, 1. Juli. Der erste Theil deS sich zu Nyiregyhüza vollziehenden Drama's hat seinen vorläitsigen Abschluß mit dem beendigten Beweisvcrfahren hinsichtlich der auf Mord gerichteten Anklage gefunden. Für den unbefangen den Gang der Verhandlungen Verfolgenden dürfte die Nichtigkeit der erhobenen Anklage int vollsten Maße unzweifelhaft konstatirt sein. Der eine Hanptbclastnngszeugc, Gerichtsschrcibcr Peczelu. hat sich als ein wegen Mordes verurtheilter Meusäi entpuppt, den die Konduitcnliste der Jllawaer Strafanstatt als ein liederliches, verworfenes Subjekt schildert. Es haben sich jedoch zwölf Advokaten zu ׳Nyiregyhüza gedrungen gefühlt, an den Jnstizminifter ein Gesuch zu richten, in welchem gegen den Staatsanwalt Szeysfert Anklage erhoben und dessen Abberufung von der Vcrtrctung des Staats in der Tisza-Eszlarcr Affaire vcrlangt wird. AnS Kaschau wird gemeldet, daß bei dem dortigen Stadthauptmanne ein gewisser Peter Morga, ehemals im Dienste bei dem Nagyfaluer Pandnrcnkommissar Rccski, sich gestellt habe, nm über das Verhör, welches mit Moritz Scharf so wirksam vorgenommen wurde, Zengniß abzulcgen. — Gestern spielte sich hier vor dem Schwurgerichte, welches in Ungarn nur für Preßdclietc besteht, ebenfalls ein interessanter Prozeß ab. Jstoezy war wegen Verbrechen der Aufreizung gegen Konfessionen nach § 172 des Strafgesetzbuches angeklagt. Die Verhandlung bot sehr beachtenswerthe Momente, namentlich von Seiten deS Staatsanwalts, auf welche ich nächstens znrückzukommen gedenke. Jstoezy wurde srcigcjprochen, die Staatsanwaltschaft melkte Berufung an. K. Pra;g, 28. Juni. Der Königgrätzer Bischof Hais erließ neuerlich eine Kurrende an seinen Klerus, worin sein gegen den Antisemitismus gerichtetes Schreiben, weil dasselbe ungeachtet des vertraulichen Karakters in den Zeitungen theilweise unrichtig wiedergegeben worden war, neuerdings dent Wortlaute nach rekapitnlirt wird. Der Bischof warnt darin vor der Vcrbreitung antisemitischer Schriften und der Rohling'schen fünf Briefe über den Talmndismns, welche nur vom wissenschaftlichen Standpunkte ans benrtheilt werden können, unter ein nicht wissenschaftlich gebildetes Publikum, und bittet dringend, wenn Jemand aus Unbesonnenheit cs thäte. davon abznstehen, wenn er sich nicht Konflikten anssetzcn tvolle, in denen ihm der Bischof leider nicht würde hülfreichen Beistand leisten können. S ch w e i z. *Bern, 25 Juni. Die wahrhast skandalösen Vorgänge in St. Gallen, les wurden dem dort wohnenden Inden Bamberger, welcher ein für die Schweizer in manchen Punkten nicht schul eiche! Haft es Referat über die Landesausstellung in einer dortigen Zeitung veröffentlicht hatte), die Geschäftslokalitäten von dem Pöbel demolirt und die neuerdings anftancheuden Gerüchte, diese Exzesse sollten in eine umfangreiche Inden Hetze aus arten, die Bezeichnung von Firmen, welche als Opfer allsersehen seien, an Beamte und Israeliten gesandte Drohbriefe rc. machten es den Behörden zl!r Pflicht, limfailgreiche Vorsichtsmaßregeln zn ergreifen, um mit aller Strenge vorzngchen. Deshalb und mit Rücksicht auf das Gerücht, die Uilrllhestiftcr erhielten Zuzug vom Lande her, wurde auch das Bataillon 78 — nachdem schon vorher Militär rcquirirt war — Z. ans den Wassenplatz Herisau, nach St. Gallen beordert, sowie eine Lektion Kavallerie einberufen. Donnerstag Abends wurden in Hansgängen und in Wirthschaften Zettel verbreitet mit folgendem Inhalt: ״Laßt euch n׳cht entulltthigen! Vorwärts! sei das Losungswort, znnt Lande'hinaus mit dent Jndenpack. Hoch den Männern vom 18. Juni!" Der Gemeinderath hat der ersten zur Ruhe litahnenden Proklantation schon eine zweite an die Bürger folgen lassen. Seit letztem Donnerstag ist übrigens nichts mehr von Bedeutung vorgefallen. EE Zürich. Nach den statistischen Aufnahmen der