Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1883)
- Article
- Die Preßburger Talmudschule
- Date
- 1883-07-05
- Page
- 423 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber, daö wird man doch zngebcn müssen, für die Anleitung, Uebung und Ausbildung der Rede um auf Gemnth und Herz zu wirken, heute jedenfalls ein wesentliches Erfordernis; für eine gedeihliche rabbinatliche Thätigkeit, wird hierdurch!licht das Mindeste gcthau. Dagegen hat sich eine andere Einrichtung an der Preßburger Talmndfchule sehr bewährt. In den Sommermonaten Juni und Juli, wenn der Herr Oberrabbiuer zur Kräftigung feiner schwachen .Konstitution in einem fernen Kurorte zu weiten pflegt, werden einige Jünger dazu designirt, demselben regelmäßig schriftlich einige Ergebnisse ihrer jeweiligen Studien mitzutheilen, wodurch sich die Betreffenden mit dem praktischen Eingreifen in die Nesponsen-Litteratur bekannt machen. Nur daß auch da der Einfluß jenes Berhünguisses, dem hier alles praktisch Nützliche untermorsen zu sein scheint, uns die Freude an dieser Einführung trüben will. Man ruft nämlich zur Zeit den dazu Desingnirten ein kategorisches: schreibt! — zu, ohne daß man vorher die Frage erwogen hätte, ob man denn eigentlich berechtigt sei, von einem Preßbnrgcr Bachur zu verlangen, er solle einen korrekten hebräischen Brief schreiben können; ob!nan sich die Mühe gegeben hat, in ihm den Gedanken auch nur zu erwecken, daß 'schreiben können mit zu jenen Anfordernngen gehört, die der Talmud (Chuliu) an jeden Talmud-Chacham stellt? Man erwäge doch diese Frage endlich einmal! — Wir nähern uns dem Schlüße unserer Erörterung, und die Wahrheit des Sprüchwortes anerkennend: Ende gut Alles gut, wollen auch wir diese Zeilen damit beschließen, daß wir unsere Jcschiba in einer Beleuchtung erscheinen lassen, die ans dieselbe ein vorzüglich gutes Licht wirst. Möge ein Abglanz dieses guten Lichtes auch ans diese Zeilen selbst fallen und sie einem Leserkreise beachtenswerth machen! Wir verstehen inner dieser Behauptung die Hervorhebung derBezichung der Jeschiba zum Patriotismus resp. zur Magyarisirung. Diesbezüglich konstatircn wir, daß die Magyarisirung eine umfassende genannt werden kann, da nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil exislircn dürfte, der nicht korrekt ungarisch liest und spricht. Wir sind zu Ende! — Das, wie wir mit gutem Wissen und Gewissen behaupten können, unbefangen entworfene Bild eines der hervorragendsten Faktoren unseres religiösen Lebens haben wir vor den Augen eines geneigten Leserkreises anfgerollt, dasselbe aber gleichzeitig mit der Fackel einer kritischen Beleuchtung in ein untrügliches Licht gesetzt, Amiens Plato, sogenannten ״Pilpnl," apodiktisch alle nnd jede Existenzbere'chtigung allsprechen möchte. (73 kommt auch hier aus das Wie an. Wir haben später wohl Gelegenheit, über dieses Thema uns ausführlicher auszusprcchea. magis amica veritas!— das war mit Aristoteles das leitende Motiv bei dieser Erörterung und das entschuldige uns dort, סטו etwa der Eifer für die gute Sache uns zu harte Worte in die Feder diktirt haben sollte. Wir werden mit nngctheiltem Interesse beobachtend abwarten, lvelche Wirkung unsere Worte in betreffenden Kreisen etwa hervorgeruscn haben und werden nicht verabsäumen, jede Aendcrnng zum Bessern mit Freuden zu verzeichnen. Und nun glauben wir unsere Abhandlung nicht lvürdigcr ihres Anfanges endgültig beschließen zu können, als mit den Ausspruch desselben Propheten, dessen Ausspruch wir uns zum Motto gewählt haben: ברוח משפט וברוח בער. Durch den Geist der richtenden Kritik und den der heilenden Anstilgnng der Schäden ist noch alles Gute und Edle bewerkstelligt worden, dessen sich die Menschheit erfreut und erfreuen wird. Wir haben dem Ersten dieser zwei allmächtigen Geister zu feinem Rechte zu verhelfen gesucht, mögen Andere ein Aehnliches dem Zweiten derselben wiederfahren lassen! Aus der erstell Hälfte unseres JuhrhuildertS. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Flott. 1. Collie :liechte Vorbehalten (Fortsetzung.) Dem Schloß Herrn gegenüber saß der Kaplan in etwas vorgeneigter devoter Haltung, seine vollen Hände ruhten gefaltet in seinem Schooß und mit einer Art Andacht schien er den Worten seines Gönners zu lauschen. ״Wie gesagt, bester Freund," sprach der Baron, das weiße Haupt bedächtig wiegend, ״ohne den Intentionen des Schulmeisters irgendwie zu nahe treten zu wollen, kann ich sein Borgehen doch nur im höchsten Grade mißbilligen. — Ich bitte, ihm dieses mittheilen zu wollen." Der Priester neigte wie zuslimmend das Haupt. ״Wenn Herr Baron befehlen, werde nicht ermangeln. Wollten Herr Aaron jedoch gefälligst bedenken, um was es sich hier handelt. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel." ״Wahr, Hochwürden, wahr," siel der Baron lebhaft ein, ״der Zweck heiligt allerdings die Mittel, aber er ist mit Nichten im Staude, ein unvernünftiges Mittel vernünftig zu machen, oder ein unzweckmäßiges zweckentsprechend. Liebe läßt sich nun einmal nicht einbläucn. —" ״Eben so wenig als erkaufen," schaltete der Geistliche ein.