Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1883)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1883-06-28
- Page
- 414 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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414' Msha. Wiir.zburg, 25. Juni. Eine am 16. d. M. vor dem hiesigen Landgerichte stattgehabtc Verhandlung dürfte zur warnenden Mahnung dienen, daß die Inden der Achtung stets eingedenk sein sollen, welche sic dem religiösen Bewußtsein ihrer nichtjüdischen Mitbürger schulden, und daß ein Jeder, welcher dasselbe muthwillig verletzt, überdies die große Versündigung deS הלול השם auf sich ladet. Ein in der Nähe WürzburgS wohnender Jude hatte sich den höchst sträflichen Scherz erlaubt, eine abgeschlachtetc Ziege ״einzusegnen." Die vorübergehenden ןח:)11^יג nahmen dieses aber keinSwcgS als Scherz auf. Auf deren Anzeige wurde Klage erhoben und er zu der vcrhältnißmäßig gelinden Strafe von 14 Tagen vast und in die nicht unerheblichen .Kosten vernrthcilt. Daß daS hiesige ultramontane Blatt sich diese gute Gelegenheit nicht entgehen lassen konnte, aus diesem Frevel deS einen Juden Kapital zu schlagen und gegen die Juden im Ganzen zu Hetzen, ist so selbstverständlich, daß cS kaum der Erwähnung bedarf. Oesterreich-Ungarn. X. Krakau, 18. Juni. In Ausführung der Entscheidung deS obersten Gerichtshofes vom 7. Mai in BcrllsnugSsachen der Nichtcr'schen Eheleute, welche von! Schwurgerichte zu NzeSzow wegen Mordes zum Tode vernrthcilt worden (siehe 'Nr. 20 dieser Zeitung vom 17. Mai) sind die Akten dieser eigenthümlichen Judikation hicrhergclangt Die nächste Schwurgerichtsscssion wird sich damit zu beschäftigen haben. Der Strafrichter KalitowSki ist mit der Vorbereitung hierfür betraut und wird zunächst durch die hiesige medizinische Fakultät den wirklichen Thatbestand hinsichtlich deS Leichenbefundes feststellen lassen. Man erwartet allgemein eine völlige Freisprechung der zun! Tode Vernrthciltcn. k. Prag, 25. Juni. Die Beschtaglcgung auf Rohling's Pamphlet ״Meine Antwort an die Rabbiner" ist in der Appelinstanz bestätigt worden. ES verlautet, daß Herr Rohling sich bereit erklärt habe, in dem TiSza- ESzlarcr Prozeß unter Eid auszusagen, daß die Bc- Nutzung von Ehristenblut den Juden für gewisse NeligionSübungcn geboten sei. . .ph.. Wreu, 19. Juni. Nicht lange sollten die Früchte deS heiligen ״Vaterlandes״ über die glücklich('?) vereitelte Besetzung deS Lehrstuhls für Völkerrecht an hiesiger Universität durch einen Dozenten semitischer Race dauern. In seiner vorgestrigen Nummer muß es leider wieder die ״Vcrjttdung" der hiesigen Universität beklagen, da eben jener Herr Dr. Jcllinek, welcher anfangs für die Besetzung des Lehrstuhls für Völkerrecht auserkoren, aber zur großen Freude deS ״Vaterlands״ und feiner Genossen doch nicht berufen war, dagegen aber nunmehr zum Professor des Staatsrechts ernannt worden ist. Rußland. * Tscherttigow. Einer der neuesten, auf die! jüdische Bevölkerung bezüglichen Erlasse hat für! die Ehristcn nicht minder empfindliche Folgen gehabt,; als für die Inden. Es ist das Verbot, welches den j Juden untersagt, eh r istli che Dienstboten zu halten.! Bald nachdem dasselbe unter anderen Orten auch nach dem Städtchen Konotop gelangt und in allen Synazogen verlesen war, erwies sich, wie der ״Swet" bcrichtet, daß in Folge dieses Verbots beinahe 300 christliche Dienstboten brodloS werden müssen und bei der allgenieincn in der Stadt herrschenden Armuth schwerlich bei anderen Leuten Stellen finden werden. Die Bctrübniß vieler Dienstboten ist daher keine geringe; cS heißt sogar, daß dieselben beschlossen haben, dem Gouverncur eine Kollcktivpetition einznrcichen 1111b um Auf- Hebung dieses für sie so lästigen Erlasses nachsltchen zu wollen. Rumänien. 11.1. Bukarest, 18. Juni. Wie in den österreichischen und deutschen Ländern, so kann auch hier der Antisemitismus iticht zur Ruhe gebracht werden. Von jeder Seite, sowohl von der Opposition, wie von der Regierungspartei scheint die Parole auSgcgcben zu sein: ״Der Jude muß verbrannt ׳werden." — Man wird bei diesen traurigen Erscheinungen unwillkürlich an ein Beispiel in der Bibel erinnert. Wie Midjan und Moab, jene utiversöhnlichcn Gegner, in der Gegnerschaft gegen Israel cinmüthig waren, so geht es..auch hier den beiden auf politischen: Gebiete sich feindlich gcgenüberstehenden Lagern. So wurde bei den letzten Wahlen der-Haß deS ritmänischeu Handels- und GewerbesrandeS gegen die israelitische Konkurrenz sowohl von opposi'.ionellen als von gouvernementalen Kandidaten als Agitationsbehelf benutzt. In Folge dessen ist eS denn auch au manchen Orten, so namentlich in Crajow.a, zu antisenlilischen Ruhestörungen gekommen, welche unter Xlniftänbcn das Signal zu einer allgemeinen Juden- Hetze abgebcn könnten. Ein jüdischer Trunkenbold. Bon Naphtali Simon. I. Es wird allgemein behauptet, daß die Juden dem Laster der Trunksucht fast gar nicht, oder doch jedenfalls weit seltener fröhnen, als manche andere Menschen. Ob dieses ein Vorzug der semitischen Race ist, wird nicht unbcstriltcn zugegeben; wenigstens erinnere ich mich, daß mir sowohl als Student, wie als Philister sehr