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Jeschurun · 1883-06-28 · Heft 26 (28.6.1883) · p. 406

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 26 (28.6.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
Date
1883-06-28
Page
406 (sequence 2)
Language
German
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406 auf vertrautem Fuße zu stehen, wagen wir die Behanptnng, cs habe Herrn v. Tresort gar keine andere Intention geleitet, als künstliche Mittel und Wege zu finden, um einer ״königlich konzcssionirtcn öffentlichen" orthodoxen Talmndschule des vermeintlichen Glorienscheint zu entkleiden. Oder irren wir? Thun wir Herrn v. Trefort etwa Unrecht, ihm eine so wenig rühmliche Absicht zu impntiren? Begegnet sein Wunsch wirklich dem Perlangen so vieler gutgesinnter orthodoxer Juden, daß die Ieschidoth nicht bloß einseitig talmudisch gebildete Menschen, sondern wissenschaftlich gebildete Talmudisten erziehen?! Nlln, dann hätte der Herr Minister bei seiner bewährten Umsicht und Erfahrung cö wohl wissen müssen, daß — .לא זו הדרך ולא זר העיר Erstens hätte der Erlaß nicht speziell der Preßburgcr Jcschiba gelten dürfen, cs gicbt auch noch andere hervorragende und stark freguentirte ישיבות im Lande. — Aber dort wäre die edle ״Drohung" nicht an! Platze gewesen, da alle anderen Ieschidoth weder ein ״Oeffentlichkeitsrccht" noch ״Begünstigungen für Wehrpflichtige" haben! Hier steckt des. Kern! Zweitens hätte der Herr Minister den Talmudjüngcrn entsprechende Zeit zur Vorbereitung gewähren müssen, nicht aber schon den Beginn des Schuljahres!883/84 als Termin setzen dürfen. — Wie können die armen בהורים, welchen bis nun jede Anregung gefehlt sich profanen Disziplinen zuzuwenden, und welche auch von keineni prophetischen Geiste inspirirt sind, um vorher zu wissen, daß gleich einem Deus ex macliina. urplötzlich ein solch strenger Ministerial-Erlaß herabgelangcn wird, in dem kurzen Zeiträume von 2—3 Monaten zu einem Examen sich vorbereiten, um zu Beginn des nächsten, fast vor der Thüre stehenden Schuljahres dem königlichen Schuliuspcktor des Preßbnrger Komitates ein an einer öffentlichen Anstalt erhaltenes Zcngniß, daß sie die ״vier unteren Klassen des Gymnasiums, der Realschule oder der Bürgerschule mit Erfolg absolvirt haben," präscntircn zu können! Drittens hätte der Herr Minister in Berücksichtigung dessen, -aß die weitübcrwiegende Mehrheit der Talmudjünger Kinder bettclarnier Eltern sind, welche die enormen Prüfnngstaxcn unmöglich erschwingen können, eine Prüfungskommission designiren müssen, welche die בהירים, die dem Verbände der Preßbnrger Jcschiba angchören wollen, gratis cxaminiren, ob diese dem angegebenen Postnlate entsprechen. — Diese Begünstigung haben doch auch die Zöglinge des ungarischen Nabbiner-(?)Seminars; Jünglinge, welche kein Zengniß über ihre zurückgelegten Studien besitzen, werden dort unentgeltlich einer Aufnahmeprüfung unterzogen und gesetzlich inskribirt. — Wohl wird die Prüsungskonrntission am Rabbiner-Seminar nicht vom Herrn Minister bestellt — aber es wird ja doch auch das ganze Seminar, welches alljährlich riesige Summen Geldes verschlingt, aus dem Erträgnisse des ungarischjüdischen Schnlsond erhalten, da dürfte man doch die Kosten votiren für eine ״Prüfungskommission" an der öffentlichen Preßbnrger Jcschiba. — Der ungarische Unterrichts-Minister sollte wahrlich nicht zweierlei Maße und Gewichte haben, Eines für Kongreßlcr und Eines für Orthodoxe! — — Viertens und fünftens und zehntens hätte der Minister — — — — — — — — Doch von alledem keine blasse Spur und eben diese Unterlassungen und Verkehrtheiten lassen cs errathen, daß der Herr Minister in der Kunst sich übt, in seinen ״Erlassen" seine Gedanken zu verbergen; wir haben die Absicht erkannt und wurden verstimmt. — — — Und wie der Unterrichts-Minister Trefort denkt, so der Kultus-Minister Trefort lenkt! Wir können nach alle Dem auch von dem jüngsten Erlasse des Kultus- Ministers nimmer behaupten, daß es pure Ordnungsliebe war, welche denselben leitete. (Schluß folg!. Alls der ersten Hälfte nnscrcs Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich Uott. I. (.NUc!Nechtc vort'eyaNril. 1 Fortsetzung.^ Den wiederholten Aufforderungen des Priesters, der ihn heiingeleiten wollte, hatte er ein stummes Achselzucken entgegengesetzt und dieser, dem ernstlich daran gelegen, den Trostlosen nicht allein auf dem israelitischen Friedhöfe zu lassen, hatte endlich einem Knaben den Attftrag crlheilt, einen geschlossenen Wagen Ztl besorgen und als dieser zur Stelle, halte er, ohne ein Wort zu reden, den Arni des Verzweifelnden ergriffen, und ihn zun! Wagen geleitet. — Willenlos, vermnthlich halb bewußtlos, war Ehrniann eingesticgcn, und der Priester hatte an seiner Seite Platz genonunen. Als sie die Schenke erreicht, hatten beide schweigend den Wagen verlassen. — Ehrmann hatte sich unvcrzüglich in das Zimmer begeben, in dem die Verstorbene ihre letzten Tage verbracht. — Der Kaplan aber hatte den im Hause Bediensteten es auf die Seele gebunden, ihren Herrn laicht aus den Augen zu lassen und dieser befand sich nun allein, ganz allein in dem verödeten Raume, in dem er ruhelos unablässig aus und nieder wandelte. Er hatte die Verstorbene geliebt, leidenschaftlich — und mit zermalmender Schwere lastete cS auf seinem 1

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