Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-06-21 · Heft 25 (21.6.1883) · p. 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 25 (21.6.1883)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1883-06-21
Page
398 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933021--12884-2953260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gleichgewichts znerkaunt, für welche eS mit folgenden UebrigcnS hatten die Juden in Frankreich b!S gegen das Waffen ausgerüstet sei: ״irr toi: l'amelionition, un Ende des 13. Jahrhunderts weniger zu leiden. Unter evangile: la verite, un culle: la liberte." Wir hegen den lebhaften Wunsch, daß eben diese Waffen dazu dienen mögen,.dem fremdländischen Gewächs, dem AntiscmitiSmnS, den Hetzereien der Unzufriedenen, Haßerfüllten und Neider den französischen Boden streitig zu machen. l %* ^an$, 17. Juni. Sic werden bereits von ן der Vorlesung Renan'S in einem hiesigen israelitischen! Verein, dessen Vorsitz der -Herr Baron Alphousc j v. Rothschild führt, gehört haben. Er besprach die j ursprüngliche Identität des JudenthnmS mit der j Religion, die heute in Europa die herrschende ist, und! die allmähliche Scheidung der Bekenntnisse. -Herr j Renan hob hervor, wie das jüdische Buch, die Bibel, > das Universalbnch der Menschheit geworden. Er er-! wähnte, wie u. A. die Lappländer, früher jedem Unter- richte unzugänglich, neuerdings mit der Bibel sich vcr-! traut gemacht haben und sie unaufhörlich mit einer : stets neuen Bewunderung lesen. Der Redner hob hervor, wie die jüdische Bibel die Frömmigkeit vor Allem in der strengen Gerechtigkeit sieht, nur ein Gerechter ist ein Frommer und dem Ewigen angenehm. Er zitirte Psalm 24: ״Wer besteigt den Berg des Herrn", sowie Kapitel 1 des Proph. Jcs. ״Suchet die Gerechtigkeit, unterstützt den Unterdrückten, verschaffet Recht dem Verwaisten, vcrtheidigt die Wittwe." Die Moral ist mit der Bibel eiugctreten in die Religion, die Religion ist Moral geworden. Der Glaube, daß durch Israeli Einfluß die Gerechtigfeit über die ganze Welt herrschen werde, sei ein vom Volke Israel unzertrennlicher Gedanke. Wir übergehen hier die gelehrten Versuche Renan'S, nachzuweisen, wie nicht nur die Schüler dcS RazarenerS, sondern die während der ersten Jahrhunderte nach ihm lebenden Generationen, der Anhänger seines Glaubens, sich noch selbst für Juden hielten und die Synagogen aussuchtcn, nnter Anderen auch ihre Eide in der Synagoge leisteten, wenn sie denselben eine feierliche Form geben wollten. Erst später habe man angcfangcn, das Judenthum und die Juden als Feinde zu behandeln. Im Mittelalter beginnt nun die bcklagenSwcrthc Undankbarkeit der Menschheit gegen das Judenthnm. Die /Welt Hütte dem Judenthutn die religiöse Wahrheit entnommen und behandelte dasselbe aus die grausamste Weise. So gehe eS immer, bemerkt Renan witzig: Wenn man für die Menschheit arbeitet, kann man sicher sein, erst geplündert und nachher noch obendrein geschlagen zu werden. Redner berührte dann die fanatischen und ungerechtfertigten Verfolgungen dcS Talmud und zitirte daS Wort des Autors des Discours sur l’histoire litteraire du 14ieme siede, man verbrannte den Talmud und zuweilen den Inden mit dem Talntud. Anderem ließ man ihnen auch dieselben Geschäfte treiben, wie die übrigen Franzosen. Erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts entschloß Philipp der Schöne in seiner Geldnoth sich zur Plünderung der Juden. Man verbot ihnen dann auch jegliches Geschäst außer dem Geldgeschäfte und warf ihnen nachher sophistischer Weise diese ihre Profession vor. Redner geht dann auf die Zeit der Emanzipation der Neuzeit über, die den Juden und dem Judeuthume die Gleichberechtigung verschafft. DaS jüdische Volk hätte übrigens eine so glückliche, geschichtliche Lösung durch seine Vergangenheit und seine biblische Litteratur mit schaffen helfen. Die Propheten hätten,schon die künftige Vereinigung aller Menschen im Rechte und im Glauben herbeigerufen. Die Welt habe sich jüdisch gemacht, indem sie sich zu den Gesetzen der Milde und Menschlichkeit kouvcrtirte. Das Iudcnthum, das so große Dienste in der Vergangenheit geleistet, werde solche auch sicherlich noch in der Zukunft leisten, für die Wahrheit, für die wahre Freiheit und den Geist der modernen Zeit. Jeder Jude sei seiner Natur nach schon liberal. Die Feinde der Juden seien in! Allgemeinen auch die Feinde der Aufklärung. Die reine Religion, die wir kommen sehen, - als fähig die ganze Menschheit zu verbinden, werde die Verwirklichung der Religion deS JesaiaS sein. DaS Buch der Juden sei eine derartig einzige Sache in der Welt, daß jede der Silben Gegenstand unzähliger Debatten geworden. DaS hebräische Wörterbuch entscheide über daS LooS der Menschheit:c. — Ich unterlasse eS, Ihnen einen weiter in das Einzelne gehenden Auszug deS Vortrages zu geben. Die anerkennenden Worte, die der berühmte französische Gelehrte für die Juden und daS Jndenthnnt hat, thnn uns doppelt uwhl in einer Zeit, wo man den (S'iftfamcu deS -Hasses vom Anstande her auf hiesigen Boden auSz ״.streuen sucht. Mögen wir hier die JesaiaS 54, l 7 verheißenen Resultate sehen: ״Keine der Waffen, die gegen dich geschmiedet, werden Gelingen haben, jede gegen dich anftretcude Zunge vcrurtheilt werden u. s. w. England. W. London, 14. Juni. Der verstorbene Herr Nathauiel Montcfiore hat eine Reihe von wohlthätigen Legaten hinterlassen: der Spanisch-Portugiesischen Synagoge Pf. St. 2000.—, den Schulen ,.Gates of Hope“ Pf St. 1000.—, dem Spanisch-Portugiesischen Hospitale Pf. St. 1000.—, der jüdischen Kinderschulc an der Commerciai Street, Whitechapel Pf. St. 1000.—, dem Royal Medical Benevolent• College, Epsom Pf. St. 1000.—, der jüdischen Kinderschute in der Heneage laue, Bevis Marks Pf. St. 500, dem Spanisch-Portugiesischen Waisenhause Pf. St. 500,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.