Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Neutra [Nachricht]
- Date
- 1883-06-21
- Page
- 397 (sequence 2)
- Language
- German
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397 ״Trennung" im ungarischen Israel an der Tagesordnung war, löste sich auch eine Minorität vom Körper de? hiesigen Gemeinwesens ad, um eine eigene Gemeinde zn konstitniren, wohl unter dem Namen, aber nicht im Geiste der Reform. Das wahre Motiv dieser Trennung war nicht religiöser Art, sondern Unzufriedenheit mit! der kommunalen Leitung und Verwaltung der Gemeinde.! Dieses doknmentirtc die neue Gemeinde dadurch, daß sie den j gelehrten, nunmehr verstorbenen, Herrn Salomon Deutsch! zu ihrem Rabbiner berief, der einen über jeden Zweifel erhabenen streng traditionellen Standpunkt einnahm. ThcilS den eifrigen Bestrebungen dieses würdigen Mannes, thcils aber auch der Unzulänglichkeit an pekuniären Mitteln ist es zu verdanken, daß nach kurzem Bestände der Trennung eine Vereinigung um das Banner des gcsctzcstrcnen Indenthnms zu Stande kam und die Gemeinde wieder eine wurde. Diese Wieder- Vereinigung aber hatte doch zur Folge, daß eine fortschrittlichc Fraktion sich in der Mitte der orthodoxen Gemeinde bcmcvtbar machte, die auch bei jeder Wahl sich eine entsprechende Vertretung in der Repräsentanz zu erringen wußte, Es ist selbstverständlich, daß die eine Partei die Intentionen der anderen oft zu -kreuzen und zu vereiteln suchte. Bemerkt aber muß werden, daß die Majorität der Gemeindevertretung und das Präsidium stets orthodox war, wie überhaupt der Grundkarakter der Gemeinde ein streng orthodoxer genannt werden kann. Nebst der Meinuugsverschiedeuheit dieser beiden Strömungen waren aber auch noch andere Umstände bis jetzt dem Neubau rcsp. der Restanrirnng des alten Bades hinderlich. Den Beinühungeu des' derzeitigen Gcmeindcpräses Herrn Signiund Schönfeld jedoch gelang es ettdlich in jüngster Zeit, die Mcinnngsdisferenzcn der Parteien anszuglcichcn und auch die nnbcrcn feindlich eiuwirkendcn Umstände zu hcbeit, und so wurde cs ermöglicht, daß jetzt der Beschluß gefaßt wurde, ein neues, anständiges rituelles Bad zli bauen. Durch diese Thatfache wurde aus beut Karakterbilde der hiesigen sehr bedeutenden Gemeinde ein dunkler, sehr entstellender Fleck beseitigt. Es wäre nur 311 wünschen, daß bic ebenfalls schon seit Jahren vcutilirtc Frage ciites Synagogennenbanes mit derselben rühmlichen Energie endlich einmal ihrem Ende entgegengeführt werde. * Prcstburg, 1 '1. Juni. Von den dreizehn wegen der in Magharbel am 1. und <s. Dtt. v. I. verübten Indcnkrmvallc heute vor dem hiesigen (Berichts- Hofe Angeklagten sind sechs wegen mangelnder Beweise frcigcsprochen und siedelt zu Hast von einem bis zwei Monaten vcrurthcilt. U. Prestbnrg, l5. Juni. Zu dem Erlasse des Unterrichtsministcrs vom 30. Mai in Betreff der hiesigen Ieschiba bemerkt eine Zeitung,*) daß die Durchfnhrnngskoinmission gegen diesen Erlaß ein Memorandum unterbreitet habe. Wir wissen nicht, inwiefern das Memorandum ״gegen" den Erlaß gerichtet ist. Doch wäre es jedenfalls nicht allgebracht, gegen den Erlaß überhaupt Einsprache zu erheben uild dessen Zurücknahlnc zu erwirken. Man hätte sich niemals der Täuschung Hingebell können, daß die Zustände des ullgarischcn Ieschiba-Weseus, und hauptsächlich jene der Preßburgcr Ieschiba als der ausehntichslen Repräsentantin desselben, sich für immer der Aufmerksamkeit maßgebender Kreise entziehen würden. Das nunmehr Geschehene war längst von lilallcher Seite erwartet, von anderer gcfürchtet, voil Atlell aber voransgesehcn. Nun. da eS endlich eingetroffcn ist, sollte nlan anstatt gegen die Verordnung selbst, was ja ohnehin voraussichtlich erfolglos seill dürfte, gegen die Modalitäten derselben Einsprache erheben. Der sür die Vollziehung einer so nillsangreichen Refornl gewährte Termin, kann ullillögtich allsrcichcn. Wo sollte die Ieschiba im ilächsten Jahre Zöglinge hernchmen, wenil sic dann schoil nur solche anfnehmen darf, die bereits von vier Ghnlnasialklassen Zeugnisse vorweiscn können'? Was soll mit den bisherigen Zöglingen geschehen'^ Oder hält es der Herr Minister etwa sür möglich, bei regetmäßiger Fortsetzung der Fachstudien in einem und demselben Jahre auch noch das Peusllui von vier Ghnluasialklaffen zu bewältigen? Man sollte sich an berufener Stelle bestreben, eine Prolongation des Termins für die in Angriff zu nehincude Reform-zu erwirken. Hierorts hat der Erlaß eine allgemeine Aufregung und Panik hcrvorgernsen. Mit ein wenig!!lehr Vcrständniß lind bei welliger Unzugängtichkcit hätte inan sich dieses ersparen können! Frankreich. J. H. S. Paris, 10. Juni. All Versuchen für dcil Antisemitismus auch hier Propaganda zu!!lachen, fehlt cs leider nicht. Fast zn derselben Zeit, in welcher alle bedeutenden Blätter der Weltstadt mit mehr oder weniger Bcjricdignng den von Renan gehaltenen, den jüdischen Stamm seiernden Vortrag in der Ioeiübö des ('itudfi.s juiv<*s veröffentlichten, erblickt zu Montdidicr, Departement Somme, die erste Nummer einer jndcnfeindkichcn Zeitung das Licht der Wett. Das Programm derselben trägt nur die Unterschrift ״daS Nedaktionskommittt", und in der mir so eben zur Hand kommenden zweiten Ausgabe wird ans Anfrage erklärt, daß diese Anonymität auch fernerhin gewahrt bleiben solle. In der Frankreich schmeichelnden Vorrede wird diesem Lande die Mission der Erhaltung des europäischen *) Icntralorgan der Orthodoxen zu Pest.