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Jeschurun · 1883-06-21 · Heft 25 (21.6.1883) · p. 395

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 25 (21.6.1883)
Article
Deutschland : Baden [Nachricht]
Date
1883-06-21
Page
395 (sequence 2)
Language
German
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Konfessionen zu befürchten sei, wenn nicht bald noch mehr rcformirt würde als bisher geschehen. Das war. wenigstens der Kern und der Sinn seiner Ausführung: die Begründung dieser fürchterlichen Drohung zeigte eine gänzliche Unbckanntschaft mit den heutigen sozialen Verhältnissen und Anschauungen und insbesondere den Mangel an Verkehr mit dem Volke, dessen Anschauungen doch maßgebend sind und nicht diejenigen einer Kasino gcscllschast. Verfasser dieses Artikels verkehrt seit Jahren mit Leuten aus dem Volke, er hatte als Soldat während des Feldzugs Gelegenheit, mit allen Schichten des deutschen Volkes in Berührung zu koinmen und hat stets bestätigt gefunden, daß das Volk der jüdischen Religion nicht unsympatisch cntgcgenstcht und nur künstlich durch gewissenlose Agitatoren, welche die niedrigeren Instinkte des Volkes aufstachcln, gegen die Juden aufgehetzt wird. Andererseits glauben wir aber auch, das die Mißachtung, welche von mancher jüdischen Seite gegen die eigene Religion an den Tag gelegt wird, wenig dazu augcthan ist, unseren nichtjüdischen Mitbürgern Achtung vor uns einzuflößen. Wir steigen sicherlich nicht in der allgemeinen Achtung, wenn wir Männer zu Vertretern unserer religiösen Interessen bestellen, welche in Gesinnung und That dern Judenthum cittfremdet sind. Bei anderen Konfessionen hat man längst hiernach gehandelt; wo siele es dem katholischen Obcrkirchcnrath ein, Männer ״unkirchlicher Richtung" zur Vertretung in seiner Be- Hörde vorzuschlagcu und bei uns sollte der Satz gelten, ״wem Gott ein Amt giebt, dem gicbt er auch das zur Bekleidung nötyigc Wissen, dazu?" Da wird zur Wahrung jüdischer LcbcnSintercsscn jeder Mann als befähigt betrachtet, der nach Außen eine Stellung erlangt hat, auch wenn er iu seinen Anschauungen und in seinem Leben dein Jndcnthume längst Valet gesagt hat. Wir sind nun auch in der That begierig, ob der Obcrrath, wie mau hier vcrmuthct, den Herrn OberlandcSgcrichtSrath HcinSheimer als Kandidat für die zur Zeit erledigte Stelle ciucS OberrathSmitglicdcS in Vorschlag bringen wird, oder ob er mit der bisherigen unjüdischcn und begriffswidrigen Gepflogenheit in dieser Hill sicht zu brechen den Muth haben wird. — Hoffen wir das Letztere, trotz der Drohung des Herrn OberlandcSgerichtSraths. n Frankcnthal, 14. Juni. Die höchsten OrtS vorgclegtcn Pläne zum Neubau einer Synagoge in hiesiger Stadt haben Genehmigung gefttndcn. ES soll jetzt mit Eifer der Bau betrieben werden, damit derselbe vor Beginn der rauhen Jahreszeit wenigstens int Nohen fertiggestellt wird. .. 1. Münster, 13. Juni. Der ״Westfälische Merkur" schreibt in seiner eigenen Angelegenheit: ״Da der geladene jüdische Gutachter, Seminarlchrcr Treu, sich geweigert hat, am 11. Juni, als am Tage des jüdischen Pfingstfestes, in Sachen ״Judcnspicgel" zu erscheinen, ist der Termin gegen den verantwortlichen Redakteur llnscreS Blattes, Herrn Johann Hosfmaun, auf den 10. August vertagt." aaa. Stuttgart, 10. Juni. (Schluß.) Die Näuiue sind alle höchst praktisch eingerichtet, sehr gesund, einfach, aber geschmackvoll ausgerüstet. *Gleich im Parterre rechts befindet sich der große Spcisesaal, dessen Wände mit den Bildnissen des verstorbenen Königs Wilhelm und des jetzt regierenden Königs Karl, welche dieser Anstalt stets ihr Wohlwollen zngewendct haben, ferner das des Hofraths Adolf Levi und der Stifter der Anstalt, Dr. DreyfuS von Stuttgart und Heß von Ellwangen, geschmückt sind. In demselben Thcilc liegt die sehr große Küche mit den ״niedlichen" Töpfen. Links befindet sich der erst vor zwei Jahren neu cingerichtete Bctsaal, der ntit seiner Einfachheit eine hohe Ehrwürdigkeit verbindet. Hier wird unter Leitung des Herrn Stern Morgens und Abends Gottesdienst abgehalten, an Sabbath und Festtagen jedoch nehmen die Zöglinge an dein Gottesdienste in der Gemcindesynagogc Thcil. In diescnt Betsaale sind auch die Stiftcrtaselu aufgchängt, sowie die Jahrzeittabellc. Im ersten und zweiten Stocke befinden sich die Lchrzimmcr, Schlafsäle, Krankenzimmer, Garderobe, Badezimmer, Amtszimmer des Herrn Stern, sowie des Letzteren Privatwohnuug. Zu uuscrm großen Bedauern hatten wir keine Gelegenheit, dein Unterrichte beiwohnen zu können, da, wie schon erwähnt, unser Besuch in die Ferienzeit siel; doch hoffen wir, ein anderes Mal gelegener zu kommen. Die Anstalt zählt augenblicklich 17 Knaben utib 18 Mädchen, hat jedoch Raum zur Aufnahme von 40 Zöglingen, welche Zahl, wie die Anmeldungen zeigen, in den nächsten Tagen wieder erreicht sein wird. Wir schieden mit vollster Befriedigung von dieser Stätte segensreichsten Wirkens und dem wohlthueuden Bewußtsein, daß die württcinbergischc Jndenhcit doch wenigstens Eines habe, das die Juden anderer Staaten sich zum Vorbilde nehmen und uachahmcn dürften! Oesterreich-Ungarn. *|* Pest, 17. Juni. Das von dem Professor der gerichtlichen Medizin an der Universität zu Wien, Dr. Eduard Hosfmaun über die bekannte Leiche von TiSza-Dada, welche in dem Nyiregyhazacr Prozeß eine so wichtige Stelle eiuninunt, erstattete Gutachten wird als cin Muster von Gründlichkeit und Gelehrsamkcit gcrühntt. ES umfaßt 30 Druckseiten und gelangt zu folgenden bedeutsamen Feststellungen: 1. Die Leiche gehörte einem weiblichen Individuum an, welches von der vollen körperlichen Entwicklung noch weit entfernt war und wahrscheinlich erst jn her sogenannten Pubertäts-Periode sich befand.

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