Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
- Date
- 1883-06-14
- Page
- 381 (sequence 2)
- Language
- German
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381 gefordert und;war werden in christlich-theologischen Anstalten nur die Jünglinge, welche das vollständige Gymnasium adsolvirt haben, in das Rabbiner: Seminar ober, da dasselbe mit den oberen 4 Klanen des Gymnasiums organisch verbunden ist, nur solche ansgenommen, welche die \ n n t eren Gy m v a si a! tt assen adsolvirt haben. Allgemeine Knltnrinteressen erfordern, das; die ans der Icschiba kominenden Rabbinen außer den erforderlichen theologischen Kenntnissen auch allgemeine Bildung besitzen und der zu einem heilsamen Wirken in unserem Batcrlande so wichtigen Nationalsprache kundig sein sollen. Behufs Erreichung dieses Zieles halte ich cs im wohlverstandenen Interesse der Israeliten, hauptsächlich aber der Nabbinatstandidaten,;n vcrordnen, daß in Zukunft und;war schon vom Schuljahrc 1883,81־ angcfangen, in der mit dem Ocssentlichkeitsrechtc auSgestattcien Prcßbnrgcr (Nadd.-I Icschiba als RabbinatSzöglinge nur solche Jünglinge anfgenommcn werden sollen, welche;nmindest die 4 untern Klassen des Gymnasiums, der Nealschulc oder der Bürgerschule mit Erfolg absolvirt und hierüber ein an öffentlicher Anstalt erhaltenes Zeugnis; anfweiscn können. Ich fordere Sie daher ans, hiervon dem Vorstände und dem Rabbiner der Prcßbnrgcr orthodox-israelitischen Gemeinde behnf Danachachtnng mit dem Beifügen;n verständigen, das; insofern diesem Erlaß ans welchem Grunde immer nicht entsprochen würde, was aus'S Strengste zu kontrolircn Sie hiermit angewiesen werden, ich gezwungen wäre, a. h. OrlS die nothwendigcn Schritte;ur Entziehung des OesfcntlichkeitSrechteS der Preßbnrger Icschiba und Entziehung der W e I) rp fl ich!-B eg ü n st i g 11 n g der dortigen Nabbinatö Kandidaten zu thnn. Schließlich fordere ich Sie auf. die behufs Kontrolle nothwendigcn Verfügungen seinerzeit zu treffen und mir über das Resnltat Ihres der Rothwcndigkeit entsprechenden VorgehcnS Bericht zu erstatten. Budapest, den 3a Mai 1883. Tr.'fort m. p." W. 8. Juni. Dem hiesigen Ez-Hadaath- Verein wurden dieser Tage zwanzig Dukaten von dem Vorstände der Wiener Gemeinde überwiesen, welche ursprünglich unserm Herrn Oberrabbiner M. Hirsch als Honorar für eine Leistung übersendet, aber von diesem mit dein Bemerken refüsirt waren, man möge solche eventuell dem gedachten Vereine zur Unterstützung bedürftiger Talmndjnngcr zur Verfügung stellen. AV. Wna^Nt'ustcrdtl, (Ungarn) 8. Juni. Es dürfte für Ihren Leserkreis nicht ohne Interesse sein, von einer Strafgerichtsverhandlnng zu erfahren, die sich kiirzlich in der unweit von hier liegenden KomitatS-!ladt ^renesin abspiclte. Eine Frau ward der Diebs- Hehlerei angeklagt: Staatsanwalt (Szegö). Vcrtheidigcr -Heinrich Frankl), so wie die Dclignentin waren! sämmtlich jüdischen Glaubens. Der Staatanwalt, I als ״Kathegor", vertrat mit aller Objektivität die i t a l m n d i s ch e M e i n n n g: .. N i ch t die M a u S,! s andern batfVod) ist der Dieb." (Kid lisch in 56 b :c.) | Der Vertheidiger stellte sich auf den Standpunkt der; an der genannten Stelle ausgesprochenen Gegenrede:! ״Wenn die Maus nichts gethan Hütte, das ׳ L o ch lvn r d c und könnte ui chts t h u n; ״ er betonte ' ferner den Umstand, daß cS ja nicht erwiesen sei, daß! die Angeklagte gewußt habe, cS sei das ihr verkaufte! Objekt gestoblcn. Der Gerichtshof schloß sich der j Meinung des Letzteren an und sprach im Sinne des! ״SinegorS" die Beklagte frei. ES berührt sehr angenehm,; daß zwei israelitische höhere Beamten in so würdiger : Weise am Forum, jeder in seiner Sphäre, das strenge I Recht vertreten, und die nngetheiltc Achtung sich und; wohl auch dem Stamm, dein sie angehörcn, erwerben. Beider Ansichten sind in dem Gutachten Zemaeh-Zedek (Nr. 36) klar entwickelt. Frankreich.! ׳***■ l O. Juni. Unsere Feinde selbst ge-; stehen;1t, das; wir Inden in acht wcltbürgerlicher; Menschenbrüdcrlichkcit uns überall am leichtesten; akklimatisiren und in loyalster Weise für die Interessen; eines jeden Landes fühlen, das uns gastfrenudlichc i Ausnahme gewährt. Schon unser Beruf als Priester-! reich, den wir für die ganze Welt erfüllen, macht uns! frei von jeder engherzigen Abschlicßnng. Unsere Religion! erkennt ja auch den braven Richtjnden Anthcil an dein von uns allen angcstrcblcn Ziele des einigen Lebens zu. Was unsere Gegner aber;1! häufig vergessen und verkennen, das ist die Innigkeit und Anhänglichkeit, mit der unsere Glaubensgenossen neben dieser Weltbürgertreuc auch den PatriotisinuS für das spezielle Land, dessen Bürger sie sind, zu wahren wissen und stets beweisen. Sie hätten sehen sollen, mit welcher Andacht in der hiesigen Synagoge.der russisch-polnischen Inden am Tage der .Krönung des russischen Kaisers für das Wohl Rußlands gebetet wurde, eines Staates, der seine jüdischen Landcskindcr namentlich in der letzten Zeit wahrlich nicht verzärtelt hat. Der Rabbiner Hanschna Heschel Lewien bol seine bedeutende Gelehrsamkcit und Beredtsainkeit ans, um in seiner Gerncinde diese Gesinnung zu erhalten. Er forderte sie auf, den Patriotismus stets in Thaten zu bcktmden sowie durch eine musterhafte Lebensweise aller Mitglieder der jüdifch-rnssischen Gemeinde dem russischen Vater-; lande zu zeigen, daß seine jüdischen Bürger ihm im Auslände Ehre zu machen wissen, und daß die Ver-; folgnngen der Inden Seitens des russischen Pöbels | ohne jede Rechtfertigung sind. Unsere Glaubensgenossen j in Frankreich würden sich dann reichlich für die Opfer