Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1883)
- Article
- Deutschland
- Date
- 1883-06-14
- Page
- 379 (sequence 2)
- Language
- German
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bcdürfuissc nicht mehr aufbringen könnten, die Einladung zu einer Versammlung ergehen lassen, welche, wie erwähnt, zahlreich besucht war; der Obcrrath selbst hatte, da es sich um Verfassungsfragen handelte, seinerseits den Herrn Oberlandcsgcrichtsrath Heiushcimer und RegicruugSassessor Mayer non Karlsruhe zur Thciluahme au den Berathungen eingeladcn. Es wurde von der Versammlung allgemein anerkannt, das; die Interessen der Landgemeinden, welche den Auswand für den Kultus (Rabbiner, Lehrer, Vorsänger, Fraucnbad re.) kaum mehr aufbringen können, da seit Jahren gerade die vcrmöglichsten Mitglieder in die Städte verzogen, dringend eine Abänderung der oben erwähnten Vcrordnung erfordern, und wurde auch schließlich eine Reihe wichtiger Beschlüsse gefaßt, welche dem Großherzogl. Ministerium des Innern mitgctheilt werden sollen; über den Inhalt derselben werde ich nach Erlassung der zu erwartenden Ministcrial-Verordnung berichten. Heute will ich Ihnen nur über einen Vorfall berichten, welcher bei dieser Versammlung sich ereignete und so recht plump und ungeschickt die Intoleranz reformjüdischer Kreise au den Tag gebracht hat. Während nämlich alle Redner, sich an den Zweck der Vcrsammluug und die Tagesordnung haltend, lediglich sachlich über die einzelnen Vorschläge sich äußerten, benutzte der vom Obcrrath eingeladcue .Du. Heiushcimer die Gelegenheit, 11111 die Versammelten als Reformator in großem Style zu apostrophircu. Gleich bei £ 1 meldete sich der Herr zum Wort und meinte, die Landgemeinden sollten, um Ersparnisse zu erzielen ״das Filialsystcm" adoptircn; cS gehe jetzt überall die Eisenbahn, da könnten 3 oder noch mehr Landgemeinden eine Synagoge zusammen haben :c. ״die dummen Leute da draußen" (^iD. es saßen solche — Parnosim von Landgemeinden — in der Versammlung) müssen sich ihres Vorurtheils begeben und eben Samstags fahren; freilich noch besser sei es, den Samstag aus den Sonntag zu verlegen, :c. rc. (ich will nicht alle Ungereimtheiten wiederholen). Das geistliche Mitglied des Oberraths, Herr Rabbiner Millstätter, welcher den Herrn Oberlandesgerichtsrath Heiushcimer eingcladen hatte, kam durch diese Expektorati-nen nicht wenig in Verlegenheit und bemerkte auch dem Redner, das; alle seine Ausführungen ״die Tagesordnung nicht berührten", ohne aber weiter auf den Inhalt derselben einzugehen. l Schluß folgt.) * Aus Charlotteuburg berichtet das dortige ״Neue Intelligcnzblatt" Folgendes: An der städtischen Mittelschule, welche sowohl in ihrem gcsammtcn Lehrals Schüler-Körper sich als eine christliche Lehranstalt darstellt, ist seit einigen Jahren der jüdische Lehrer Di׳. Vuka für den Unterricht in den Naturwissenschaften provisorisch angestcllt. Die definitive Anstellung war für die Zeit der Umwandlung der genannten Schule in ein Neal-Gymuasium in Aussicht genommen. Bekauntlich ist diese Umwandlung von der Königlichen Regierung nicht genehmigt worden. Trotzdem beeilte sich der Magistrat, die definitive Anstellung dcsDr. Buka bei der Regierung zu betreiben. Die Königliche Regierung stellte nun die Vorbedingung, Laß der Dr. Buka allen religiösen Akten der Mittelschule, insbesondere auch dem Gebet der Schüler, fern bleibe. Dieser Bedingung unterwarf sich zunächst Du. Bnka selbst und nach einigem Sträuben auch der Magistrat, um die Hindernisse für die definitive Anstellung eines Israeliten so schnell als möglich aus dem Wege zu räumen. 0. Aus dem Rgbz. Cassel, 5. Juni. In Verfolg meiner in Nr. 15 d. Ztg. mitgetheilten Korrespondenz, die Ermordung des A. Weil aus Grebenau betreffend, theile ich heute mit, daß der muthmaßliche Mörder, welcher seit der Uuthat in Gießen interniert ist, bisher beharrlich die Mordthat leugnet. In Begleitung hoher Gerichtsbcamtcn und Gcudarmcriebcwachung wurde derselbe vorigen Dienstag (29. Mai) auf den Thatort ■ geführt und am darauf folgenden Tage mit der ausgegrabcuen Leiche konfrontiert — alles dieses soll jedoch keinen Eindruck auf ihn gemacht und ihn völlig kalt gelassen haben!! — Wie ich weiter höre, wurde eine Sektion des Kopses vorgcnommcn und soll der Schädel! von den Gerichtsbeamteu mit nach (ließen genommen worden sein. — Möge הש״ית die Wahrheit an'-s Licht fördern und den Mörder der gerechten Strafe nicht entgehen lassen. Ich werde seiner Zeit mit gütiger Erlaubniß der Wohllöblichcu Redaktion das Ergebniß der Schwurgerichtsvcrhandlungen in diesen geschätzten Blättern mitthcilen. * ,Königsberg, 2. Juni. Ungeheure Aufregung herrscht hierorts in den jüdischen Familien, hervorgerufen durch den Iudeumissionar Prediger Klee, welcher in der St. Iohauuesknpclle eine Missionsprcdigt hielt und darauf einzelne Familien besuchte, um das Bekchruugswcrk direkt an ihnen zu beginnen, — so meldet die ״Südd. Pr." — ..1. Münster, 7. Juni. Am n. d. M. findet der schon früher in dieser Zeitung in Aussicht gestellte Prozeß gegen den verantwortlichen Redakteur des ״Wests. Merkur" Herrn Ioh. Hoffmann wegen der Vcröffentlichung von Auszügen aus dem Iustus'schcn ״Iudeuspiegel", den Herr 1)1׳. Gu gen he im er im ״Ieschurun" so trefflich beleuchtet hat, statt, lieber < die voraussichtlich nicht uninteressante Verhandlung behalte ich mir eventuell ein Referat vor. U. Aus der Pfalz, 7. Juni. Wie ich der ״Pfalz. Presse" entnehme, befanden sich nach einer auf Grund des im Monate April neu erschienenen Beamten-