Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1883)
- Article
- Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
- Date
- 1883-06-14
- Page
- 376 (sequence 2)
- Language
- German
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376 ״Dil könntest wissen, was ich meine — wie steht's ] mit den Kindern?" | ^Aiit den Kindern?" — er wandte sich hastig j ab, ״wie sollt's mit denen stehen? — sie sind frisch! und gesund, jetzt spielen sie drunten im Hof; aber! wenn Du willst, ruf ich sic, das; sic zu Dir kommen > und bei Dir bleiben." ן Sie schüttelte seufzend den Kopf: ״Du willst mich! nicht verstehen."! ״Wie heißt, ich will Dich nicht verstehen? Geb'! ich vielleicht nicht Antwort ans was Du fragst? Du hast gefragt, wie stcht's mit den Kindern? und ich Hab' gesagt, die Kinder sind srisch nub munter und spielen im Hof." Sie schüttelte trübe das Haupt. ״Dn weißt, daß ich nicht nach dem Wohlsein der Kinder gefragt habe, aber — aber —" ihre Lippen bebten und ihre Stimme sank wieder zum Flüstern, ״Jakob hat am Sabbath geschrieben — nnd beide haben mir gesagt —" ״Seht! seht!" siel Ehemann abwehrend ein, ״Dinah, mein Kind, ich bitt' Dich um Alles in der Welt! Du weißt, wie ich Dich gern Hab' — nnd darum, wenn ich etwas thu' oder sag', wovon ich weiß, daß es Dir nicht recht ist, jo inüßtest Du wissen, daß ich's eben nicht anders kann." Sie schüttelte abermals heftig den Kopf nub schien reden zu tuoUcn; er ließ sie jedoch nicht zu Worte konunen. ״Ich bitt' Dich, Dinahlebcn, laß's gut sein, zum Mindesten für jetzt. Bis Du wieder gesund bist, dann wollen wir wegen meiner davon reden — Tracht' nur vor Allem, daß Du bald wieder frisch wirst." Sie erwiderte nichts; aber ein schmerzlicher Seufzer entrang sich ihren Lippen. Er saß noch eine Zeit lang an ihren! Bette, plauderte in heiterster Laune von den gleichgültigsten Dingen, um sie, wie er wähnte, zu zerstreuen; doch als sie stets trübe und einsilbig antwortete und es ihm nicht gelang, das Lächeln, das ihn beim Eintritt iu's Zimmer so sehr entzückt hatte, wieder hervorzuruscn, da erhob er sich endlich um, wie er jagte, wieder hinunter nach seinen (Geschäften zu schauen׳ ״Daß Du mir nur bald wieder frisch wirst," sagte er indem er die Hand feiner Frau abermals streichelte, ״und Diuah,!nein Kind, wen soll ich Dir 'rauf schicken, die Leah oder willst Du die Kinder?" ״Die Kinder," erwiederte sie matt. Er trat zum Fenster, klopfte an die Scheiben und winkte den Knaben, die sich unten in! Hof tuinmcltcn, und es währte nicht lange, so vernahm man die leichten, hüpfenden Schritte der Kleinen, die die Stiegen hinauf eilten. Ehrmann ging ihnen entgegen. ״Scht! scht! geht's hinein zur Mutter, aber brav sein! keinen Lärm machen!" Die .Kinder versprachen es; leise öffneten sie die Thür und auf den Fußspitzen schleichend traten sie in das Krankcnzinnner. Die Mutter streckte ihnen die Hände entgegen und winkte ihnen, näher zu konunen; beide eilten zun! Bette und küßten die Hand der Kranken. ״Geht es Dir jetzt etwas besser, Mutter?" fragte Jakob. ״Etwas besser geht's mir," eutgegnete sie matt, ״aber ich fürchte, es dauert nicht lange —״ Die Kinder verstanden sie nicht. ״Ich wollte, Du wärst erst wieder gesund," sagte David. Die Kranke seufzte schinerzlich, sie hielt die Hände beider Kinder zwischen den ihren und versuchte, sic zu drücken. ״Meine Kinder, — meine lieben, lieben Kinder. — Könnt Ihr das Sch'nia noch auswendig?" fragte sie nach kurzer Pause. Beide, bejahten. ״Nun, so sag' cs — zuerst Du Jakob — und dann David." — Die Kinder sprachen das Gebet, Jakob geläufig wie früher, David jedoch .mehrmals stockend; nun! merkte, er hatte es in jüngster Zeit nicht regelmäßig gesprochen. Abermals entrang sich ein tiefer Seufzer dem sorgenden Mutterherzcn. ״Wollt Ihr iinmer brav sein, Kinder? — wollt Ihr mir versprechen täglich das Sch'ma zu beten?" Beide versprachen es. ״Aber nie dürst Jhr's vergessen — und dann müßt Ihr mir versprechen, nie wieder am Sabbath zu schreiben, — oder irgend etwas zu thun, von dem Ihr wisset, das cs verboten ist." ״Nie, Mutter, nie werden wir wieder thun, was verboten ist," bethcuerten die Kinder. ' ״Aber wenn der Lehrer euch sonst schlagen würde?" ״Ich wcrd's doch nicht thun!" ries Jakob, indem er trotzig das Haupt zurückwars. Die Kranke zog ihn an sich und streichelte liebkosend seine Wangen. ״Mein braves Kind. — Aber — ״ fuhr sie mit Anstrengung fort und ihre Lippen bebten, ״wenn der Bater Dich einsperreu würde? — Dich hungern ließe? —" ״Ich werd's doch nicht thun!" rief der .Knabe erglühend. ״Mutter! Mutter! wenn Du mir doch glauben würdest, — ich werde gewiß nie wieder thun, was verboten ist." ״Ich glaube Dir ja, Kind, — o, so gern glaube ich Dir —״ ״Nie, nie werd' ich's wieder thun, nnd wenn der Kaplan auch noch so oft sagt, daß der Sabbath uns nicht mehr kümmert, weil er uns mit dem Wasser besprengt hat —" (Fortsetzung folgt.)