Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1883)
- Article
- Die Preßburger Talmudschule
- Date
- 1883-06-14
- Page
- 375 (sequence 2)
- Language
- German
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375 des eitcln Standpunktes seine Zuflucht und setzt die Wanderung auf dem Holzwege der Jrrthnmer fort, wodurch paradoxe, höchst lächerliche Karaktcre zu entstehen pflegen. In Anbetracht solcher entmnthigeiidcr Nebelstände nun wirft sich uns unwillkürlich die Frage auf: erkennt man eS in den betreffenden Kreisen, denen das geistige Wohl und Wehe so vieler strebsamer Jungtingc gewiß am Herzen liegt, nicht als seine heiligste Pflicht, dergleichen Uebelstände abznhclseu? Oder ist inan sich vielleicht dieser Pflicht bewußt und sollte mau bloS über die Art und Weise der Abhüife in Verlegenheit sein? Unmöglich! — ES bietet sich zu diesem Zwecke ein so einfaches Mittel dar, welches nur jenen unsichtbar sein kann, die gewaltsam die Augen zudrücken wollen und dessen Anwendung, — wie uns glaubwürdige בני תורה, die einstigen Schüler des נתב סופר versichern — von demselben schon damals geplant und für nothweudig befunden, dessen Nealisirung aber durch den leider so frühen Tod dieses großen Mannes verhindert wurde. Damals sollten einige tüchtige Lehrer engagirt werden, unter bereit pädagogisch planmäßiger Anleitung eö den Lcrnbeflissenen, den Neichen für Geld, den Armen aber unentgeltlich, möglich sein sollte, jene gründliche Basis der Elementargegenstände zu erlangen, von wo ans einzig und allein den strebsameren Kräften die Möglichkeit geboten wäre, an ein ferneres Erheben durch die eigene Kraft denken zu können. Sollte man an dieses eben so einfache, als zweckmäßige und wohlfeile Mittel wirklich noch nicht gedacht haben —, in unseren Zeiten! — während man seine gebietende Dringlichkeit schon vor zwei Dezennien fühlte und anerkannte? Das wäre doch wohl sehr traurig und durch nichts sonst wieder gut zu mache», als durch die thatkrüftigsle Energie, mit der man das Versäumte nachholen und die sich so schmerzlich fühlbar machende Lücke anSfüllen möchte!-Bedeutend günstiger als mit den Alföldcrn besteht eS in profankulturcllcr Beziehung mit den sogenannten Oberländern, die gcwöhnlich mindestens einen ordeutlichenBolkSschulnuterricht genossen haben und ans bereit Mitte auch schon mancher Jüngling eS zu einer Bildungsstufe gebracht hat, die auch von der strengsten Kritik für ein mustergültiges Ergelmiß von Fleiß und Ausdauer anerkannt werden mußte. Doch versteht eS sich von selbst, daß hüben und drüben erfreuliche sowohl als bedaucrnswerthe Ausnahmen in beträchtlicher Zahl vorhanden sind. — Endlich, nach sechs bis siebenmaliger Nepitirung deö Mincha-GebeteS, hat die ganze nunmehr vollzählig versammelte Ieschiba ihre Andacht verrichtet. Obzwar eS schon stark dunkelt, ist der Abend doch »och nicht so vorgerückt, daß mit dem מעריב begonnen werde» könnte. Es muß daher eine Pause gemacht werden, bis sich die obligaten drei Sterne, die das Anbrechen der Nacht bekunden, zeigen werderr. — An diesem Orte müssen wir Einiges von dem hierorts gepflogenen Lehritnd UnterrichtSpla» voransschickcn. Man unterscheidet zwei verschiedenartige Phasen des UnterrichtsjahreS. Es giebt eine Zeit ordentlicher und eine außerordentlicher Studien. In der Zeit ordentlicher Studien werden jede Woche drei bis vier Vorträge mtd jeden Donnerstag ein Verhör abgehalten, wobei je eine Gruppe, bestehend ans zwanzig, durch das LooS bezeichnete בהורים zu erscheinen und einem zweistündigen rigorosen Verhöre zu entsprechen hat. Doch werden diesem allwöchentlichen Verhören nur die Frequentanten jüngeren Datums unterzogen. In der außerordentlichen Studienzeit werden keine regelmäßigen Vorträge gehalten, sondern eö wird ein הלבה תוספות, ein Talmudtraktat, zu selbstständigem, vom רב unbeeinflußtem Studium den Schülern aufgegeben, über welchen ein einziger össentlichcr Vortrag im Tempel, von der Kanzel herab, gehalten wird. Ordentliche Studienzeit ist vom Beginne eines jeden Semesters an etwa vier Monate hindurch, dann wird mit der snntmarischcn Wiederholung alles in diesem Semester Gelernten begonnen, was gewöhnlich vier Wochen in Anspruch nimmt, woraus die Generalprüfnng, die zwei bis drei Tage zu dauern pflegt und wobei Alles ohne Ausnahme zu erscheinen hat, vorgenommen wird. Nach Beendigung der Gcneralprüfung beginnt die außerordentliche Studienzeit, die bis zum Anfang des nächsten Semesters, beiläufig einen Monat dauert. ^Fortsetzung folgt.) Ans der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) - Kriedrich Uoit. I. (Alle :Ucifjte D0rbo£;aIt*.1־t (Fortsetzung.) Es entstand eine Pause; in dem Angesichte der Kranken zuckte cS; sie hatte die großen dunkeln im feuchten Glanze schinnnernden Augen auf den Gatten geheftet. ״Wolf," sprach sie leise. Er nahm die schrnalc, durchsichtige Hand, die sie ihm bot, zwischen seine breiten, rothen Hände unb streichelte sie nun zärtlich. ״Dinah, mein Kind, möcht'st was? — sag —" ״Ich wollte Dir nur sagen, waS mich sicher stärken würde —" ״Nun, so sag, Kind — Du weißt, ich thu'S gern." Er hatte sich zu ihr geneigt und streichelte mit ihrer Hand seine bärtigen Wangen.