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Jeschurun · 1883-06-07 · Heft 23 (7.6.1883) · p. 364

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 23 (7.6.1883)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1883-06-07
Page
364 (sequence 2)
Language
German
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größten Verderbens für unser Volk entspringt!?? — Gott möge uns bewahren, daß jemals ein Semite also argumentirte uud die vermeintlichen oder gewissen Fehler eines Einzelnen unter seinen Mitbürgern zur Verdächtignng einer ganzen Kategorie auSnutzen wollte! Wohin gelangen wir in Deutschland, wenn solche Saat ausgest rent wird? Ist das die Bahn, die ״vorwärts״ sührt, auf welcher wir uns ״mit Gott," dem Allliebenden, Allgercchten, dem Urquell der Wahrheit, befinden und ״für König und Vaterland" Sitte und Recht, Liebe und Wahrheit im Volksleben begründen?? — * Karlsruhe, Juni. Am vergangenen Montag und Dienstag tagte hier, wie das ״Fftr. Journal" meldet, mit dem Oberrathe der Israeliten unter Vorsitz des NegierungS-KommissairS Geh. Rath. JooS eine Versammlnng von Vertretern der Israelitischen Gemeindcn; cS handelte sich dabei im Wesentlichen mn eine Revision der alten Bestimmungen über die .Kultusbeitrage und über die Eintheilung der Nabbinate. Oesterreich-U ngarn. & Aus Böhmen,!.Juni. Die durch Rabbiner Dr. Back in Smichow angeregte Idee der Einbernfung eine Synhedrions durch die Negierung hat zu dem Projekt geführt, zunächst eine Versannnlung der böhmischen Rabbiner zu veranstalten. Dieselbe war sür den 27. v. M. in Aussicht gcnonuncn, ist aber aus bewegenden Gründen verschoben worden. Um eine Einmnthigkeit zu erzielen und nicht den Zankapfel von vornherein in diese Versammlung zu werfen, sollte nach der Absicht deS Veranstalters, Rabbiner Dr. Kisch in Jnngbunzlau, die Erörterung religiöser Fragen ausgeschlossen bleiben. ES ist uns unerfindlich, wie bei einem derartigen Vorhaben, welches doch jedenfalls eminent religiöse Interessen zum Ziele hat, eine solche Ausschließung möglich ist. Ja, eS muß als völlig verfehlt betrachtet werden, wenn die Rabbiner eine Zentralisation ihres Standes anstreben und eine quasi Nabbinerkammer schassen wollen, zu deren Kompetenz aber die Behandlung religiöser Fragen nicht zählen soll Womit haben sich Rabbiner sonst zu befassen? Die Rabbiner sind die von den Gemeinden erwählten Lehrer und Vertreter deS jüdischen NeligionSgesetzeS; und als solche dürste eS ihnen nicht ziemen, gewisse Standesrechte für sich selbst von der Negierung zu erstreben. Das würde, man mag sich noch so sehr sträuben cö zuzngestehen, entschieden zu einer Hierarchie führen, gegen welche die Gemeinden protestiren müßten. .t'. Wien, 2!*. Mai. Der Bericht der Wiener ״Israelitischen Allianz" weist eine Einnahnie von 433 042 Gulden an Spenden für die russischen Juden auf, von welchen das christliche HülfSkomitä für die verfolgten Israeliten Rußlands 85 185 Gulden beigetragen haben. — DaS israelitische Taubstummeninstitut hielt kürzliche seine Prüfung ab, welche allgeineinste Theilnahmc und Anerkennung der vorzüglichen Leistungen fand. Im abgelaufenen Schuljahre zählte das Institut 91 Zöglinge, von welchen 33 unentgeltlich und 10 zn ermäßigten Bedingungen Ausnahme fanden. Das Stiftungskapital der Anstalt beläuft sich auf 108 800 Gulden, der VerulögenSstand auf etwa 87 000 Gulden. Seine Gründung verdankt dieselbe dem edlen Hirsch Kol lisch, welcher im Vereine mit seiner Geniahlin zu Nikols bürg sein HauS für eine jüdische Taubstummenanstalt einrichtete, den Lehrer, jetzigen Direktor k. Rath Joel Deutsch, für den Taubstummenunterricht ansbilden ließ und die Gesammtkosten auS eigenen Mitteln jahrelang bestritt. — Unser hiesiges ״Vaterland," ein würdiger Kollege des ״Bayerschen," kann eS nicht unterlassen, dem ״ideologischen Juden" LaSker ein freundliches Lebewohl sür seine Reise nach Amerika nachzurufen. In welcher Weise dieses geschieht, brauche ich nicht erst auszuführen; ״die schlechtesten Früchte sind cs nicht, woran die Wespen nagen." .t'. Wien,!.Juni. Der israelitische Gemeinde- Vorstand einer Provinzialstadt hatte sich geweigert, den Sohn eines ״konfessionslosen" Israeliten, welcher mit einer Nichtjüdin bürgerlich getraut ist, in die Gemeinde- GeburtS - Matrikel einzutragen, trotzdem der Vater erklärte, dieses Kind als Juden erziehen zu wollen. Der Gemeindevorstand hatte verlangt, daß das Kind auch dem jüdischen NeligionSgesetze gemäß zuvor in den ״AbrahainSbund" cintreten sollte, wozu aber die Eltern sich nicht verstehen wollten. Die unteren VerwaltungSbehörden stellten sich auf den Standpunkt deS Vaters und befahlen deingemüß die Eintragung. DaS Ministerimn aber, als letzte NekurSinstanz, adoptirte die Auffassung deS Vorstands und verfügte, daß das Kind a!S aus einer Noth-Zivil-Ehe entsprossen nach Maßgabe deS Gesetzes 00m 9. April 1870 lediglich in die bürgerliche GebnrtSinatrikel einzutragen sei. Diese Entscheidung ist von höchster Wichtigkeit und entspricht aller Maßen den Geboten der Billigkeit, deS Rechts und der bestehendeu Gesetzgebung. W. Prag, 3. 31111t. Der Verein ״Ez Hadaath," über welchen ich kürzlich berichtete, hat sich durch die sorgfältige Pflege seines Vorstandes im Lause deS vergangenen JahreS in vielfacher Hinsicht gedeihlich entwickelt. Auf Vorschlag des verdienstvollen Vorsitzenden Herrn A. Bloch wurde an dessen Stelle Herr Dr. Grün zum Obmann deS Vorstandes geivählt und Herr Bloch zum Stellvertreter. Später kamen noch die Herren Dr. Tauber und Fischet hinzu, sowie Herr S. Kohn, welcher aber bald zurücklrat. Der Frühling des Jahres 1683 scheint den Ez Hadaath zur weiteren

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