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Jeschurun · 1883-06-07 · Heft 23 (7.6.1883) · p. 357

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 23 (7.6.1883)
Article
Die Preßburger Talmudschule
Date
1883-06-07
Page
357 (sequence 2)
Language
German
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357 welches Letztere in einer Art persönlicher Abhängigkeit von Erstcren erscheinen läßt, was natürlich zur Folge hat, daß die Bessergesinnten, die sich ihre pcrfönltdjc Selbstständigkeit wahren möchten, die Inanspruchnahme von Unterstützungen um jeden Preis zu vermeiden suchen; und so trifft cS sich nicht selten, daß man eben die Würdigsten und Besten von den Spuren eines täglich sich wiederholenden Martyriums behaftet sehen kann. Doch verlassen wir die betretene Bahn der poetischen Bilder und kehren wir wieder zur Wirklichkeit zurück. In bunt zusammengewürfeltem Durcheinander wogen die verschiedensten Gestalten an uns vorbei. Ernste Dcnkermienen. das Siegel eines tiefen Forschergeistes ans der gefurchten Stirn und das geniale Sichgeheulassen in Toilette und Haltung wechseln ab mit glatten, lebensfrohen Gesichtern, die in jedem Zuge den Glaubensartikel des dolce; tu!׳ nie.nte zu bekennen scheinen und deren Kleider nach dem jüngsten Modcblattc zngeschnitten sind. Diese reichen Goldfasane, die der Preßburger ישיבה einen gewissen Anstrich von Eleganz und Bchäbigkeit verleihen, liefern znm überwiegenden Theil die reichen Stände des Alföld, denen es in der Regel weniger um eine gründliche Qualifikation im Talmud zu thun ist, als um die in einer Wien so nahe liegenden Stadt vermuthetcn westlichen Zivilisation und Kultur. Wenn wir aber bei dieser Gelegenheit der Verlockung nicht widerstehen können, die Art zu betrachten, wie diese Jünglinge den gehegten Intentionen in der Regel zu entsprechen Pflegen und daS Senkblei anSznwcrfen, um daS in der Regel erlangte Niveau in der angestrebten Kultur festznstellen, so haben nur eines der nnerqnicklichstcu Kapitel in der Schilderung der hiesigen Zustände berührt. Zur näheren Jllnstrirung dieses Punktes wollen wir erwähnen, daß die ans dem Alföld heraufkommenden Lernbeflissenen in zwei Klassen zerfallen, deren notn crn׳net0l׳mlien. auf beiden Th ei len daS Geld ist, jedoch mit der Klausel, daß cS ans der einen Seite als vorhanden, auf der anderen aber als mangelnd gedacht werden muß. Es giebt demnach reiche und arme Alfölder. Darin aber herrscht in beiden Thcilen eine auffallende Analogie, daß sowohl die Einen als auch die Anderen eine sehr mangclhastc Schulbildung vom Hanse mitbringen, was nicht so sehr den jungen Leuten als vielmehr den dort zu Lande, obwaltenden Zuständen zur Last fallen innß. Nun denke inan sich ein lebhaftes, geistig unmündiges Gemüth an die iu den meisten?Fällen ans antodidaktischcm Wege zn lösende Aufgabe seiner Ausbildung hcrantrelen und zwar auf einem Gebiete, das ihm etwa so bekannt sein dürfte, wie die Statistik der Mondbevölkernng. Die endliche Ncalisirung einer, vielleicht schon in der entlegenen Heimath gehegten LicblingSidce, schwellt alle Lebensgeister zn froher Thatkrast, die aber zu sehr von jugendlich phantastischen Illusionen geschwängert ist, als daß sic in der Erlernung der nüchternen Elementargegenstände ein ihrer würdiges Ziel erblicken könnte. Aus den Schwingen eines strebsamen Feuereifers will man den langen beschwerlichen Weg zur Höhe geistiger Jntellektualitär in raschem Fluge znrücklcgcn. AndererseitS ist man aber von der grauen Sterilität aller Theorie so überzeugt, daß man daS angcstrebte Ziel viel besser ans dem praktischen und freilich auch viel bequemeren Weg der Lektüre zu erlangen glaubt. Damit nun das Malheur vollständig sei, kennt man den von allen Schlingpflanzen jugendlicher Schwärmerei nmrankten ׳)kamen Schiller's als eines Heroen der deutschen Literatur, und was ist da wohl sclbstvcrständlicher, als daß der auf dem Zcnithe deutscher Kultur stehen muß, welcher einmal so glücklich war, den unvergleichlichen Schiller, der wohl auch in manchen Fällen für einen Nanbritterromanschcibcr gelten muß, gelesen zn haben('?)! Und richtig — als Hütte eS das Fatum direkt auf die Ran'm'ittergeschichtcn abgesehen, werden vor Allem die ״Räuber" zur Hand genommen, welches Stück in der - besonderen Anrüchigkeit steht, der Schlüssel znm deutschen Mnscntempcl zu fein. (Fovtsrtzmig solgt.) S'ff1rulj30־jfr0t!j im 19. IMlMdert. Den goldnen Traum, den wir noch vor Jahresfrist geträumt, ״eS werde der gegen die Inden gehegte Groll nun bald g c s ch w n n d e n u n d überwunden sein", dieser Traum ist als wesenloseS Phantasiegebilde in sein ödeS, leeres Nichts ansgegangen, und wie eine Erscheinung, die eben nur Nacht und Dunkel erzeugen könne, ist er geschwunden. Doch die fühlbare ״Wirklichkeit" zeigt sich am Tage, da unser Blick nnumflort frei ist, in den trübsten Farben. Wohl ist die Gestalt nächtlicher Einbildung gewichen, die Nacht selbst, die Nacht dcS GoluS, nmdüstcrt noch immer den Horizont Israels. Denn siehe da! Kaum streckten die Barbaren am Gestade des schwarzen Meeres ihre gegen die Juden gezückten, blutüberströmten Schwerter, und wir wähnten für Jahre hinaus einen Stillstand der Waffen, da zeigte sich urplötzlich in dem Reiche der Magyaren ein ״blutiger Stern" an! Himmel unserer GlaubenSbrüdcr. Da schwebt uns nnwillkührlich der herzzcrreißende Wehrnf der Sefirah Jozcroth vor: "זה יניהנו, וזד, יקהנו, למה לנצח תשכחנו!" Kaum läßt unS der Eine, ergreift uns der Andere,״ "?warum willst Du für Ewigkeit unser vergessen

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