Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-06-07
- Page
- 356 (sequence 2)
- Language
- German
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356 Und was dort einmal als Befriedigung eingeerndtet ist, das bleibt unverlierbar eigen, und ein ewig heiter lohnendes Bewußtsein. &־ So gewiß führt Pflichttreue zu Leben, Wie Der, der Schlechtigkeit austrcbt, zu seinen! Tode geht. (K. 11, 19.) In dem Wandel der Pflichttreue ist Leben, Und ein Weg, der sich als Pfad zur Unsterblichkeit bewährt. (K. 12, 28.) Derselbe Gott, der uns mit seinem Gesetze die von uns zu lösende Aufgabe in die Hand gegeben, das ist derselbe Gott, der unser ganzes geistig leibliches Wesen für diese Aufgabe geschaffen und gebildet. Unser ganzes Wesen ist für dieses Gesetz bewahrt und das Gesetz für unser Wesen. Erfüllen wir in Pflichttreue dieses Gesetz, so konuncn alle die geistigen und leiblichen Kräfte, Anlagen und Fähigkeiten zu der Entfaltung und Verwendung, die ihnen bestimmt sind, sie werden lebendig und unser ganzes Dasein wird Leben. Streben wir aber mit den nnS verliehenen Kräften nur dem Schlechten, nur dem von Gott als schlecht Bezeichneten zu, so bleiben die guten Anlagen in uns todt, wir verfolgen Ziele und schassen Dinge, deren Nichtdascin Gottes Wille ist, unser ganzes Hiersein ist nicht nur so gut wie ein Nichtdasein, sondern cs ist schlimmer als das, eS sicht im Dienst des von Gott verworfenen Schlechten, unser Leben ist ein Tod des Gilten und führt uns zllm Tode. Ja, der Wandel der Pflichttreuen ist nicht nur in der hieniedigen Zeitlichkeit schon Leben, sondern er hebt unser ganzes irdisches Wallen hinaus über die Vergänglichkeit, vermählt all unser irdisches Denken, Wollen und Vollbringen mit dem Geist der Ulisterblichkcit, und läßt Nichts von unserem in die Staubeshülle eingeklcidetcn göttlichen, Gott verwandten, in reinem Pflichtstrcben Gott zugcwandt und nahe gebliebcncm Wesen, den Grabcsgang des Staubes wandeln, unser pflichttreuer Wandel auf Erden gestaltet sich zu einem Wege, der uns mit freier Energie in die Unstcrblichkeit geleitet. (,Fortsetzung folgt.) Die DreAmger füliiiii&fdjiilf. Bon 3. B. Nosciihain. II. (Fortsetzung.) In dieses Stadium der Machtcutfaltlnig angelangt, bietet die Schiur-Stube einen wahrhaft imposalllen Anblick, der fähig ist, l!ns einen matten Ahnungsschimmcr jener langst verstinkeiten Zeit allumfassenden Thorastudiums vor die Seele zu zaubern, als nach Angabe^ des Talmud die Schülcrzahl einer Jcschiba so groß war, daß der beim Erheben von der Erde nach Beendigung des Vortrages durch sie aufgewirbelte Staub das Sonnenlicht verdunkelte. Entbehrte dieser Anblick auch jedes anderen Reizes, so müßte er zum Mindesten durch seine frappirende Fremdartigkcit die ganze Aufmerksamkeit des Beschauers in Anspruch nehmen. Wir sehen uns da mitten in das üppige Wuchern einer eigenartigen frembcti Welt versetzt, wo die von zu Hanse mitgebrachten Begrisfe und Gcsellschaftsdogmen nicht ausrcichcn und auf die das Dichtcrwort, man müsse in das Heimathland Desjenigen gehen, dessen Wesen man verstehen will, seine vollgültige Berechtigung hat. Diese ganze kleine Welt dreht sich um ihre eigene Sonne, die der Rabbiner reprüsentirt. Sie hat ihre eigene Luft und Himmelssphäre, an welcher kundige Astronomen Sterne ersten, zweiten und dritten Ranges wahrnehmcn, dann jene große Anzahl unsclbstständiger Himmelskörper, die einzeln wohl nicht die Leuchtkraft besitzen sich bemerklich zu machen, doch in ihrer großen Gesammtheit den hellglänzenden Lichtgürtet der Milchstraße bilden, der, in bescheidenerem Maße wohl, doch nicht minder zur Zierde des Firmamentes gereicht, als jene größeren Gestirne. Damit nun die Parabel vollkommen sei, möge hier die Bemerkung Raum finden, daß diese gedachten Sterne mit den wirtlichen jene fatale Thatsachc gemein haben, daß sie zutn großen Theil wie jene ihr Licht im Dunkeln verschwenden, oder besser gesagt, daß sich ein großer Theil der Leuchtenderen eben im nächtlichen Dunkel niaterieller Kampfe und Sorgen befindet. Nicht etwa, als ob der Wohlthätigkeitssinn, diese rühinlichst anerkannte Spezialität des jüdischen Nationalkarakters, in einer Welt fehlen möchte, die ja ihr eigenartiges Gepräge nur von dem Umstande her hat, daß in ihr alles das anzutrefsen ist, was zur Vorstellung des jüdischen Karakters gehört. Es sei vielmehr mit verdienter Anerkeünung erwähnt, daß vier Wohlthätigkeitsvercine für die Bedürfnisse armer Schüler an Nahrung und Kleidung zu sorgen bestrebt sind. Auch der Rabbiner macht oft seinen bedeutenden persönlichen Einfluß geltend, um diesen Vereinen namhafte Hülfsmittel zuzuführcn. Dieser ausgcbrciteten Wohlthätigkeitsorganisation ist auch die höchst erfreuliche Thatsachc zu verdanken, daß den Preßburgcr בהורים die in anderen ישיבות sich periodisch in den Monaten Nissan und Ellul wiederholende schmähliche Bettclmanie, welche dem ganzen Stande den Karakter eines Bcttelordens ausgedrückt hat, absolut fremd, ja strengstens verpönt ist und sein kann. Doch hat sich im Laufe der Zeit — ob durch die Ambition maßgebender Persönlichkeiten oder unwillkürlich entstanden, bleibe dahingestellt — zwischen den Ausübenden der Wohlthätigkeitsagenden und den Entpsüngern ein krankhaftes Mißverhältnis entwickelt,