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Jeschurun · 1883-05-31 · Heft 22 (31.5.1883) · p. 342

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 22 (31.5.1883)
Article
Die Preßburger Talmudschule
Date
1883-05-31
Page
342 (sequence 2)
Language
German
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Periode deS wohlverdienten Ruhmes und AuschnS desselben. Damals repräjeutirte die Preßburger Ieschiba den Inbegriff alles tonten und schönen, das nur immer das Herz eines glaubenstreuen Inden mit religiöser Freude zu erfüllen vermag. Mil Recht galt sie für die klassischeste Bildungsstätte jüdischen (Geistes und Wissens, wo die stolze Sonnenblume gründlicher Gelehrsamkeit neben dem bescheidenen Veilchen vertrauensvoller Gottesfurcht in den empfänglichen Boden der jugendlichen Gemüther gepflanzt und zn lebenskräftiger Blüthe entwickelt wurde. Es waren aber auch die Sympathie und Verehrung, die in jenen Tagen des noch nicht erloschencn religiösen Idealismus der Preßburger Ieschiba entgegengcbracht wurden, fähig, dem gediegenen Wert he derselben die Waage zn halten. Harten vermögende Eltern damals einen hoffnungsvollen Knaben, der einer idealeren Laufbahn als jener des Handetsstaudes werth und fähig zn sein schien, so gipfelten die Hoffnungen der Ellern in dem Gedanken, ihn bcrcinft als Preßburger בחור zu sehen; war cS wieder eine wohlerzogene Jungfran, für welche die Eltern in besonders liebevoller Art zu sorgen sich bemühten, dann glaubten dieselben, ihr schönstes Cvli'uf nicht besser begründen zu können, als wenn sie ihr einen Preßburger בחור zum Lebensgefährten an die Teile gaben. Das war damals! — Teil jenen Tagen ist der Strom der Zcit um einige Dezennien aitgeschwollen, und auf seinen Wogen kam jene vcrhängnißvolle Krise heran, die ihre zersetzend wirkende Macht unter so manchem Bestehenden auch an den Religionen und religiösen Traditionen erprobte. P«׳mjx.n׳a mutantm׳ H uos mntamur׳ in i)lis! — ist bekanntlich der Gedanke, von dem jene Krise ansging, die alles Traditionelle, dem Nöllen des Zeit stromes nicht Schritt Haltende, als veralteten Schlendrian bezeichnen und als — naturae verum contra rtimis — aus der Oteihe der eristenzberechtigten Dinge ausmerzen wollte. Diese in Neligionssachen unbedingt zu verdammende Zeilkrise, die auch um die Preßburger Talmudschule indirekt ihre Wellenkrcise gczogen, hat Letztere wohl überstandcn, aber nicht — wie ja natürlich — ohne sich gewisse Spuren des überstandenen KantpfeS aufgedrückl zu sehen und nicht in einer Weise, die keiner Steigerung fähig untre! — To ist wohl Manches aus der Zeit klassischer Uuverfäljchtheit in die Brüche gegangen: manches Ornament, manche edel geschwitngene Linie, die vormals die Tchönheil des MonumentalballcS um ein Bedeutendes gehoben, mag wohl dein ungestümen Wogenandrange zum Opfer gefallen sein: ' manche edle Gruppe allegorischer Figuren, die von Meistern geformt, früher in prägnantester Weise den Tpeziallarakter deS Gebäudes auf den ersten Blick erkennen ließen, mag durch den vorüberrauschcndcn Wirbelwind verständnißloscr Rcformcmonssncht vom stolz znrn Himmel ragenden Giebel heruntergcfcgt worden sein; aber das Gebäude selbst, sein eigentlicher Kern hat Wind und Wetter Trotz geboten, ruht nach wie vor auf dem altgelegten Fundamente, ungeachtet der geist- und verstand!osen Neuerer auf dem Gebiete deS (Glaubens, zugleich aber ein tröstendes Gestade, wohin das tiefgekränkte Gemülh des glaubeustreuen Inden -)Nmh und Zuversicht schöpfend blicken kamt und soll! — Möge dich, geneigter Leser, die kleine Mühe nicht verdrießen, mit mir den Preßburger Helikon d. h. den Tchloßberg zu besteigen. Hier wirst du auf halbem Wege ein grünes Thor wahrnehmen, das du gewiß unbeachtet gelassen hättest, wäre ich nicht so liebreich, eS dir, als dein kundiger Cicerone, zu bezeichnen; so anspruchslos tind nichtssagend steht eS in der Reihe der andern Thore, als wollte eS bescheiden gegen die unverdiente-Würde protestircn, den Weg zum Tempel der Binsen, Schiur-Stube genannt, zn bewachen, wohin wir mit deiner Erlaubnis; unsere Tchritte wenden wollen. Die Tonne ist bereits nntergegangen, unb hätte ich nicht die einleuchtende Molivirung in der Tasche, warum ich just die scheinbar ungelegene Zeit der Abenddämmerung gewühlt habe, ich!nagte eS kaum, dich die schon dunkel beschattete, zwei Ttockwerke hohe, steile Ttiege hinautappen zn lassen. To aber weiß ich, daß die Zeit deS Mincha- und Maariw-GebeteS uns, wie keine andere sonst, die schätzungsweise — da eine genaue Zählung nicht vorgenommen wird — etwas über zweihundert Schüler zählende Ieschiba in ihrer gesammtcn Totalität vorführt und ans mannigfaltigen, interessanten Momenten beobachten läßt. Noch ist der Helle, sehr geräumige Saal nur schwach besucht, in welchen wir nun eintreten,' denn eS ist erst das erste Miujan, das seine Mincha-Aiidacht verrichtet. Doch nicht lange sollen wir in so kärglicher Gesellschaft bleiben. Im Anfänge spärlich, doch allmälig immer dichter folgen die Nachzügler. Ein frischer Vorbeter und frische Andächtige nehmen die Ttelle der Früheren ein, welche sich indes; ans den Korridor hinauSbegebcn, um durch gegenseitigen Gedanken-Austausch sich die Zeit bis zum ^>'2-Gebete zu verkürzen. Mitlerweilc slnlhct der Menschenstrom immer dichter herein, der sich rauschend in alle Räume des Saales ergießt und dieselben füllt, so daß der Koridor nicht mehr fähig ist, die bedeutende Zahl aller Andachtverrichtenden zu fassen, demnach auch diese Letzteren genöthigt sind, gemeinschaftlich mit den Betenden im Taalc zu bleiben und die Nondeanx statt auf dem Gange im Saale selbst zu bilden. Hierdurch entsteht ein summender Lärm, der die Andacht der Betenden oft in sehr störender Weise zu durchkreuzen pflegt. (Fortsetzung folgt.)

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