Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1883)
- Article
- Potpourris aus dem ersten Jahre meiner Lehrerpraxis [Nachricht]
- Date
- 1883-05-24
- Page
- 335 (sequence 2)
- Language
- German
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330 In meiner Gemeinde waren die drei jüdischen Metzger gleichzeitig שוחטים. In welch haarsträubender Weise diese ihres Amtes walteten, hiefür möge die eine Thalsache genügen, von der ich Augenzeuge war, wie ein solcher Metzger-Schochet die zum Schächten destimmte Kuh in seinem zum Schlachthaus umgewandelten Stall führte, mit Hülfe eines Andern die Füße band und dann das verrostete, einer Säge ähnliche OJfcffcr aus der Krippe nahm und den Schnitt durch den Hals führte, ohne es nur בורק zu sein. Als ich dem Nabbiner Anzeige hiervon machte, nahm er nicht im mindesten ׳Notiz davon und gab mir nur den Nath, ich solle eben, memt mir die שחיטה nicht כשר genug sei, nichts davon essen. Nur selten wagte es doch manchmal ein Metzger, durch mich schächten zu lassen; war eS ans Angst vor dem seinpolirten, scharfen Schächtmesser oder vor dem peinlichen Untersuchen der inneren Bestandtheile — darüber mag ich kein Urthcil fällen. Am behaglichsten fühlte ich mich in meiner Schule;! die nahezu 40 Kinder hatten sich bald .an mich ge-! wohnt. Es gehört in einer Dorfschule, in der Kinder j von den verschiedensten Altersstufen zu gleicher Zeit und im gleichen Raum unterrichtet werden, sehr viel Umsicht dazu, die Disziplin zu erhalten und jede Ab-!Heilung zweckmäßig zu beschäftigen. Ich hatte fast täglich 6 Pflichtsluuden zu geben: für den jüdischen Unterricht war freilich wenig Zeit auf dem Stundenplan vorgesehen, weiche kaum ausreichte, um nur das Allernothwendigste zu erlernen; allein Stunden, die ich zweckmäßig, besonders an schnlsreien Tagen einschob, machten es möglich, den Kindern ein ganz befriedigendes Maß von jüdischer Bildung beizubringen. Die alljährlich wiederkehrende Schulprüfnng, zu welcher ein protestantischer Geistlicher als Prüfungskommissär erschien und auch der Rabbiner zufällig zugegen war, zeigte, daß die Kinder die einzelnen Pensa der elementaren Fächer inne halten, ihre Antworten aus den jüdischen Lehrgegenständen sielen ebenfalls sehr gut aus. Der Prüfungs-Kommissär ließ nämlich beispielsweise aus dem ersten Kapital von ויקרא über¬ Inserate werden die Nspaltige Petitzeilc oder deren Raum mil 25 Pf'g. berechnet. setzen. Die kleinen Prüflinge gaben nicht nur eine wort׳ und sachgetrene Uebersetzung, sondern sie konnten auch über die verschiedenen Arten der מרבנות, über die Zeit, den Ort und die Veranlassung der Darbringung Auskunft erlheilen. Als nach Schluß des Examens das Protokoll ansgenommen wurde, wünschte der Herr Rabbiner die Aufnahme des folgenden Passus: ״Der Lehrer sei anzuhalten, den Geis! der Kinder nicht mit Satzungen, die nur für die Zeit des ehemaligen Tempels Geltung Hallen, zu überbürden, für!velche diese (die Kinder) kein Berständniß haben." Ich hatte nicht nöthig, dem Rabbiner eine Abfertigung für diese Bemerkungen zu machen, dafür trat der Prüfungs-Kommissär ein; er erwiderte: ״Ich halte die Bemerkung für überflüssig, da ich ans den Antworten, die die Schüler aus die au sie gerichteten Fragen gaben, ersehe, daß sie vollständig das Opferkapuel inne haben, und überdies ist doch die jüdische Hoffnung, wieder einen Tempel erstehen zu sehen, eine in vielen ihrer Gebete ausgesprochene; und da in unfern Schulgesetzen über das ״Wie und Wieviel" der jüdischen Fächer keine besonderen Bestimmungen bestehen, so bleibt dies dem Ermessen des Lehrers überlassen." Es wurde abgestimmt und die Bemerkung des über seinen protestantischen Kollegen erzürnten Rabbiners, fand im Protokoll keine Ausnahme. Er rächte sich damit, das Prüfüngslokal zu verlassen. In meiner Gemeinde gab es and) eine Synagogen- Ordnung. Diese war ein Schriftstück, verfaßt von reforutlustigen Rabbinern, dessen einzelne Artikel das lächerlichste Zeug enthielten. Die הפטרה soll nach derselben in deutsd)er Sprache gesagt, das Vorlesen aus der Tora im Vortrageton, ohne Rücksicht auf נגינות gelesen werden 11. dgl. m. Da mehrere Jahre diese Satzungen bereits beobad)tet waren, befürd)tete ich, es wäre den Leuten ans dem Gedäd)tniß gesd)wnnden, wie man in jüdischen Bethälisern die הפטרה sagt, und mit dein korrekten Lesen standen sie gerade nidjt auf bestem Fuß. Schluß folgt.) Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortnng. ohne Preiserhöhung. Ein j. Monn, im Besitze des einj. Icngnisscs, mit der Weis;- und Schnhwaarcn. brauche vertrant. 22HO Jahre alt, Militärfrei, sucht, gestützt ans ln-Referenzen, Stellung alö Lagerist od. Ltomptorist. שבת וי״ט ־ geschloffen. Offert, bes. d. Expedition . d. Bl. unter 6. 421. Jnserlionsannahmc für Frankfurt a. M. auch bei der Buchhandlung von I. fta 11 ff m a 1111 daselbst, Hotel Plantage, Muiilerstr. 21 Äms terdairi. Unter rabbinatlicher Aufsicht. — Eröffnung Mai 8. K.