Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1883)
- Article
- Deutschland : Stuttgart [Nachricht]
- Date
- 1883-05-24
- Page
- 333 (sequence 2)
- Language
- German
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333 Ijicr ftattgcfnndencii LandcSvcrsammlnng bcr Beschluß gefaßt wurde, durch freiwillige Spenden eine Stiftung ins Veben zu rufen, znm Zwecke der ״Unterstützung der Knaben behufs Erlernung eines nützlichen Berufs nach ihrer Entlassung ans der Anstalt, da eS hiezu l'S jetzt fast ganz au Mitteln gebricht und da gerade der Mangel ordentlicher Vcljvfcuntniffe den meisten der Knaben das Fortkommen im Leben außerordentlich erschwert hat." Diese Stiftung soll den Namen des langjährigen Vorstandes und hervorragendsten Förderers dieser Anstalt, des verstorbenen HofrathS Adolf Lcvi tragen. In wie weit sich dieses Projekt verwirklichen läßt, ist vorläufig noch nicht abzusehen: cS scheint jedo-ch, daß sich eine rege Thcilnahme geltend macht, was wir im Interesse der hülfloscn Kinder von Herzen wünschen. Oe stexxeich-11 ngar 11. 2l rt1S BvH inen. 20. Mai. Die Herren Antisemiten drehen den Spieß 11111 und beklagen sich über die Angriffe der Inden! Es erinnert an das bekannte Wort des Berliner Schnslerlehrliugs: das Kaninchen hat den Llreit mit dem großen Bulldoggen angcfangen. Die Ansprache des Königgrätzer Bischof ist ihnen ein Dorn im Auge. Sie fragen eni bono? Was hat denn der arme nufchnldige Rohling eigentlich gethan V Er ist ja so harmlos nnd trübt kein Wässerchen. Er vertheidigt ja nur das bedrängte Ehriftenthnm gegen die übermächtigen Inden! Man könnte wahrlich an den gefunden Menschenverstand dieser Leute zweifeln, wenn nicht die wohlüberlegte Absicht klar zn Tage träte. Ein hochgestellter Kirchenfürst hat für die Wahrheit und Hnmanität nnd den Frieden seine Stimme erhoben wider die maßlosen Ausschreitungen, die sich Professor Rohling gegen das Indenthum erlaubt, hat nnd welche recht geeignet sind, mittelalterliche Inden- Metzeleien zu veranlassen. Da muß eS denn heißen, er habe sich geirrt, nicht die Juden seien die Angegriffenen und Bedrohten, sondern die Ehristcn. Aber cs wird nicht gelingen, also die Wahrheit der Thatsachcn in ihr Gegentheil zu verkehren. * Tbien, l 8. Mai. Wie die ״ Schl. Zig." schreibt, ist Wien seit der Zählung vom Dezember l 800, wo cs 007 014 Einwohner aufwieS, mit 118 501 Köpfe gewachsen; feine Einwohnerzahl beträgt nämlich nach der letzten Zählung vom 31. Dezember l 880, 720 105 Seelen. Wenn zwar so eine Zunahme von Köpfen zu konstatiren so ist andererseits, wie man sich leicht durch Bcrgleichnng der Data überzeugen kann, die Zahl der einheimischen Wiener nur noch 34,5"/״ der Bevölkernng gegen -14,0",.׳ im Jahre 1800. Daß 111111 pjoer eine solche Zunahme der Bevölkerung zu konstatiren ist, ist der kolossalen Einwanderung von Außen znzuschreibcn. Die Einwanderer waren znm großen Theile Juden, zumeist ans Rußland und Rumänien, znm geringeren Theile ans Galizien, Bukowina und Ungarn. Es läßt sich nämlich durch Vergleich der BevölkernugS- Ziffern, welche die Inden im Jahre l 880 bei normalem Wachslhnm hätten rcpräsentiren müfsen, mit dem wirkliehen Wachslhnm ihrer Anzahl ohne Mühe st'ftftellen, welche Wanderungen die Inden in Oesterreich im letzten Jahrzehnt vorgenommen haben. ES ergicbt sich, daß 117 307 von außerhalb der öflerrcichifchcn Grenzen cingewandert, und daß ferner ans dem Küstenlande, ans Mähren und Böhmen gegen 700(1 Inden weiter gewandert sein müssen, wogegen in Steiermark gegen 1000, in Schlesien gegen 2000, in der Bukowina gegen 10000, in Glieder - Oesterreich fas! 30 000, in Galizien gegen 75 000 Inden mehr zuals sortgewandert sind. Von den in NicderOefterreich cingewandertcn 38 718 Inden kamen 20 771 auf Wien allein. Diese letztere Ziffer repräscntirt 42,5",.. der gesammten Einwanderung in Wien seit 1870, die sich ans 00 000 Köpfe stellt. Wien zählte im Jahre 1857 bei einer Bevölkerung von 470 222 Köpfen, nur 021 7 Inden; im Jahre 1870 waren unter den 007 514 Bewohnern Wiens schon deren 40 230 und bei der Volkszählung von 1880 wurden in Wien 73 222 Inden angetroffen. B Hemberg, 20. Mai. An Stelle des vcrstordenen NeichrathS-Abgeordneten Rabbiner Schreiber wurde Rabbiner Bloch zu Floridsdorf für den Stadtivahlbezirk Kolomea Sniatze-Bnczncz in den RcichSrath gewählt.׳ -K Prag, 18. Mai. In dem Bestreben, das deutsche Element zn besiegen, rufen die Ezechcn die jüdische Bnn^csgcnofsenschaft an. In dem Wahlaufrufe für die Erncnernug der Handelskammern, sprechen sie von Versöhnung nnd Frieden nnd fordern die Inden, deren Stimmen den Ansschlag geben können, ans, für Ezechcn zu votircn. Seltsam damit kontrafliren die Meldungen, daß in einigen stockböhmifchen Distrikten jndeufeindliche Bewegungen wahrznnchmcn sind, so daß man daselbst jüdischer LcitS die Absicht haben soll, sich unmittelbar an den Kaiser um Schutz zn wenden. Inzwischen ist man hier lhätig, einen jüdisch - czechischen Verein zn gründen, um in die jüdische Schule die czcchische Sprache als Unterrichtssprache einzuführen, eine czechischc Uebersctznng der Gebete zn veranlassen 1t. s. w. \V. Prag, 20. Mai. ״Von Prag geht die Lehre ans, von der Hauptstadt Böhmens das Gotteswort," so hat eS Jahrhunderte hindurch weit über die Gauen des Vaterlandes hinaus geklungen. Der Nachhall dieses alten Ruhmes ist eS, dem zufolge sich in jüngster Zeit wieder eine strebsame Iüngerschaar zur Vollendung ihrer theologischen Studien hier versammelte. — Hierdurch veranlaßt, sind wackere Männer znsammengelrcten, um dem schon seit mehreren